Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

KULTUR

Clowns unter Tage

(Foto: Lup)

26.11.2018 11:49 - Lucienne Ruppert

akduell-Redaktionsmitglied Lucienne Ruppert hatte die Ehre am vergangenen Samstag an der Premiere von „Clowns unter Tage“ im Theater an der Ruhr in Mülheim teilzunehmen. „Das Stück von Robert Ciulli und Matthias Flake erzählt die Geschichte des Ruhrgebiets aus der Perspektive der deutschen, polnischen, italienischen und türkischen Arbeiter*innen, zusammengewürfelt für den Kohleabbau in den Minen“, verrät die Beschreibung im Flyer.

Wer dieses Stück in vollen Zügen genießen möchte, sollte sich allerdings weder vor Clowns noch vor Symbolismus fürchten. Die konkrete Handlung ist nicht immer klar, die Szenen sind eher symbolisch gedacht. Noch dazu wird kaum ein Wort gesprochen. Störend ist das nicht: wenn die Clowns das Wort „Picknick“ so oft wiederholen bis es seine Bedeutung verliert, und sich dabei noch so sehr kaputt lachen, dass es den ganzen Saal ansteckt, büst Sprache ihren Sinn ein.

Es handelt sich um eine Tragikomödie der allerfeinsten Art, in der die schauerliche Geschichte der Ruhrpott-Minen durch exzellentes Clowning, das heißt, die Kunst die Clowns ausüben, erheitert wird. Auch wenn manche Szenen herzergreifend sind, kommt man gar nicht zum Weinen, weil man vom Lachen unterbrochen wird.

Kunstvolles Rumpurzeln

Auch wenn von den Clowns jeder seine eigene Persönlichkeit und Backstory zu haben scheint, so sind doch alle dem gleichen Schicksal ausgeliefert: dem der brennenden Schwefelhölle der Kohlenmine. Sie werden so fast zu einem einzigen Organismus zusammengeschweißt, in dem alle Teile gleichzeitig weinen, schreien und lachen.

Sehr beeindruckend ist die unglaubliche Szenenchoreo. Ein Clown gleitet rückwärts von einer Rutsche, fällt mit Purzelbaum auf den Boden und landet dabei mit dem Kopf genau auf dem vorher dort platzierten Kissen. Wer jemals selbst auf der Bühne gestanden hat, weiß wieviel Arbeit in einer Szenenchoreographie eigentlich steckt: wenn ein Eimer oder eine Decke auch nur ein paar Zentimeter weiter weg liegt, kann das große Konsequenzen haben. Aber physische Komödie ist ja die Stärke von Clowns.

Alles andere als still

Doch nicht nur Körperkunst ist mit von der Partie, auch für die Musikbegeisterten unter euch gibt es was: Die Clowns selbst stimmen oft Ohren schmeichelnden Operngesang ein. Einer der Clowns, immer ganz in Schwarz gekleidet, beteiligt sich kaum am Herumtoben seiner Clown-Kolleg*innen. Stattdessen agiert er als musikalische Begleitung und spielte Klavier, Akkordeon und sogar ein Waterphone. Sobald er auf der Bühne steht und musiziert, dürfen die zum Kohleabbau gezwungenen Clowns wieder clownen und spielen wie eifrige Kinder.

Aber auch weniger angenehme Geräusche sind präsent: durch lautes Stampfen, Hämmern und Kratzen an metallischen Objekten werden die Ohren der Zuschauer*innen ganz schön strapaziert. Kettenrasseln kommt noch dazu. Mit dem Krach wird die höllische Atmosphäre der Minen dargestellt. Auch wenn einem als Betrachter nach wenigen Minuten  langsam dämmert, wie schlimm die Bedingungen in den Minen wohl waren, kommt es der Wahrhaftigkeit dieser Qual wohl kaum nah.

Minutenlanger Applaus verabschiedete die Clowns & Produzent*innen von der Bühne. Nach dem Stück standen vor dem Gästebuch drei 13-jährige Mädchen, und trugen ein, dass es ihr erstes Stück war und dass sie es geliebt hatten. „Wir haben euch lieb", schrieben sie. Verdikt: Die eineinhalb Stunden lohnen sich auf jeden Fall. 

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