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KULTUR

Cinderella: Tänzerische Emanzipation

Cinderella mit ihren bösen Stiefgeschwistern, der Stiefmutter und dem Vater „Cinderella“ (Foto: Bettina Stöß)

16.03.2019 15:32 - Julia Segantini

Diese Story kennen wohl die meisten aus ihrer Kindheit: Das arme Aschenputtel lebt als Dienstmagd bei ihrer bösen Stiefmutter und heiratet am Ende einen Märchenprinzen. Die Geschichte von Cinderella erzählt aktuell auch das gleichnamige Ballett am Essener Aalto-Theater – allerdings als moderne Variante mit einer selbstbestimmten Protagonistin.

Das Märchen wurde bereits vor 200 Jahren für das Ballett entdeckt und seitdem Tausende Male aufgeführt. Choreograph Stijn Celis bedient sich der Musik Sergej Prokofjews, der 1945 die bisher erfolgreichste Vertonung der Geschichte schuf. Die Hauptrolle übernimmt die Tokioter Tänzerin Yurie Matsuura.

Alter Stoff, neue Inszenierung

Cinderella lebt als Halbwaise mit ihrem Vater, der gemeinen Stiefmutter und zwei Stiefgeschwistern. Obwohl letztere ihr das Leben schwer machen, gelingt es Cinderella an einem königlichen Ball teilzunehmen. Als sie später nach Hause zurückkehren will, verliert sie einen ihrer Schuhe, worauf der Prinz diejenige sucht, der der Schuh passt, um sie zu heiraten.

Der Choreograph bleibt bei der Rahmenhandlung, wagt sich der aber an eine sehr moderne Interpretation. Als Zuschauer*in stellt man schnell fest, dass die Story stark vom Disney-Klassiker von 1950 abweicht. Keine helfenden Mäuse, kein Kürbis, der sich in eine Kutsche verwandelt.

Der auffälligste Unterschied: Die Stiefmutter und die zwei Stiefschwestern werden von Männern gespielt. Sie unterdrücken Cinderella und sind nur darauf bedacht, ihre eigenen Interessen durchzusetzen. Mehrmals nähern sich ihr bedrohlich, ziehen sie von ihrem Vater weg, zeigen durch dominante Bewegungen, dass sie nichts zu sagen hat. Ihr Vater wird von ihnen eingewickelt. Die drei tanzen um ihn herum, schirmen ihn so von seiner Tochter ab.  

Eigenständigkeit statt Spitzenschuhe

Anders als bei Disney bleibt die Protagonistin jedoch kein hilfloses Naivchen, die schließlich vom Prinzen erwählt wird und sich bereitwillig ihrem Schicksal fügt.

Sie bewegt sich eigenständig, nutzt dabei die gesamte Bühne und wird in ihren Gesten immer selbstbewusster.

Im Gegenteil schafft sie es, sich von ihrer Familie zu emanzipieren. In den Vordergrund gerückt wird dies vor allem dadurch, dass die Stiefmutter und die zwei Stiefschwestern von Männern gespielt werden. Auch wenn sie die Antagonisten darstellen, sind sie die klaren Publikumslieblinge und ernten beim Schlussapplaus mehr Beifall, als die Hauptrolle. Sie bilden optisch – dunkle knielange Kleider, kantigere Körper, eckige Bewegungen, skurrile Gestik und Mimik – den Gegenpart zur zierlichen Cinderella im  leichten hellblauen Kleid, die leichtfüßig über die Bühne tanzt.

Dabei bewegt sie sich durchgehend barfuß – ohne die klassischen Spitzenschuhe. Eine Metapher für ihren freien Geist, denn obwohl sie anfangs unter der unterdrückenden Familie leidet, befreit sie sich von ihrer lieblosen Mutter, entwickelt Eigenständigkeit und hat eine erste sexuelle Begegnung – und zwar nicht mit dem Prinzen. Diesen trifft sie zum ersten Mal auf dem Ball, ist allerdings weniger auf ihn fixiert, als darauf, Spaß zu haben. Sie bewegt sich eigenständig, nutzt dabei die gesamte Bühne und wird in ihren Gesten immer selbstbewusster.

Auf der Suche nach seiner Prinzessin lässt der Prinz zahlreiche Anwärterinnen den Schuh anprobieren. Hier lässt der Choreograph weitere Tanz- und Musikstile einfließen. So sind beispielsweise Flamenco-Einflüsse zu sehen, die durch ihren leidenschaftlichen Stil einen Kontrast zum klassischen Ballett bilden. Als der Prinz und Cinderella wieder aufeinander treffen und sich verlieben, zeigt sie trotzdem ihre Unabhängigkeit: Anders als beim Ballett üblich, ist sie es, die beim Pas de deux (französisch „Schritte/Tanz zu Zweit“), bezeichnet ein tänzerisches Duett) die dominante Rolle übernimmt.

Traditionelle Ballettelemente finden sich in der gesamten Vorstellung nur vereinzelt. Der Choreograph verzichtet zum großen Teil auf typische Tanzmuster und Spitzenschuhe und setzt auf Einflüsse aus dem Jazz- und Modernbereich. Fans des klassischen Ballett könnten in dieser Hinsicht also enttäuscht werden, während Freund*innen von unkonventionellen Interpretationen definitiv auf ihre Kosten kommen.

 

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