Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

KULTUR

Capi macht mich traurig

Ein Meer aus Handys am Tanzbrunnen in Köln

[Foto: Laura Lindemann]

30.07.2019 11:43 - Laura Lindemann

Manchmal passieren im Leben unerwartete Dinge. Oder man befindet sich plötzlich an einem Ort, von dem man sich nie hätte träumen lassen, einmal dort zu sein. Ich sitze im Auto meiner Freundin, auf dem Weg zum Capital Bra-Konzert.

Ein Kommentar von Laura Lindemann

Die Karte war ein Geschenk und ich hätte mich bei dem Wucherpreis natürlich darüber freuen müssen. Capi, wie ihn seine Fans liebevoll nennen, ziert schließlich aktuell Platz eins der deutschen Charts. Aber etwas in mir sträubt sich gewaltig. Vielleicht liegt es daran, dass ich den Rapper nur im Zusammenhang mit Dieter Bohlens trashiger Cherry Lady-Nummer kenne. Oder aber die Menschen in ganzkörper Gucci-Anzügen und Bauchtaschen, die sich mit gefüllten Flaschen Hugo aufgeregt in Richtung Konzert bewegen, schrecken mich ab. Ich exe mein Dosenbier und vergrabe mich tief in meinem Sitz. Es ist mir geradezu peinlich, aus dem Auto auszusteigen.

Da stehe ich nun in der Schlange vor dem Einlass in meinem orangenen Stoffmantel, Schmuck und Tasche sind von meiner Oma, und fühle mich unwohl. Vor mir wartet ein kleiner Junge, nicht älter als acht. Unter seinem viel zu großen Shirt blitzt ein Cannabis Abzieh-Tattoo hervor. Aufgeregt klammert er sich an seine Mutter. Allgemein habe ich das Gefühl, dass wir den Altersdurchschnitt enorm anheben. „So für Kinder ist das ja eigentlich nichts, ne“, raunt mir meine Freundin zu. Während die Kleinen brav ihre Capri Sonne trinken, exe ich mein zweites Bier.

Der Tanzbrunnen in Köln sprudelt nicht gerade über. Starre Körper halten flimmernde Handys in die Höhe. Dann kommt er. Das Schweigen wird von lauten Rufen abgelöst: „Capi, Capi, Capital Braaa“. Juhu. Die Kinder haben es sich auf den Schultern ihrer Eltern bequem gemacht und singen lauthals mit. „Ich liebe es, wenn Frauen in Strapsen im Club für mich tanzen.“ Oh je. Die Texte gehen leider gar nicht.

Starre Körper halten

flimmernde Handys in die Höhe.

Nicht nur für Kinder, sondern für alle Menschen. Obwohl ich hinten stehe, kann ich dank der Handybildschirme vor mir erkennen, wie Capi nun sein Shirt auszieht und es in die starre Masse schleudert. Ich habe genug gesehen.

Mein Fazit: Ein ulkiges Szenario. Und irgendwie unheimlich. Während ich in meiner Jugend vor meinem inneren Auge das Denkmal von Wir sind Helden nachgebaut habe und den Drang bekam, etwas Gutes in der Welt bewegen zu wollen, denke ich zum ersten Mal in meinem Leben an den Satz: Früher war alles besser. 

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