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KULTUR

Blaxploitation – Sex, Gewalt und Empowerment

Die Wirkung von Shaft auf aktuellere Werke wie Django Unchained
ist nicht zu übersehen. [Foto: Canberk Köktürk]
28.08.2021 15:06 - Özgün Ozan Karabulut, Canberk Köktürk

Das Filmgenre Blaxploitation hatte seinen Höhepunkt in den 70er Jahren. BPoC spielen die Hauptfiguren, die sich erfolgreich gegen Bösewichte durchsetzen. Trotz Kritik an den Filmen sind Blaxploitation-Einflüsse bis heute in erfolgreichen Produktionen sichtbar.

Blaxploitation setzt sich aus den Wörtern Black und Exploitation zusammen. Mit Exploitation sind Filme gemeint, die mit geringen Produktionsmitteln möglichst viel Gewinn abwerfen sollen. Das soll durch großzügiges Zurschaustellen von Sex, Gewalt und Tabuthemen geschehen. Blaxploitationfilme zielten auf schwarzes Publikum ab; eine schwarze Filmbesetzung gemischt mit exzessiver Gewalt und viel nackter Haut. 

Klassiker des Blaxploitation sind unter anderem Sweet Sweetback's Baadasssss Song (1971), Shaft (1971), Super Fly (1972), Cleopatra Jones (1973) und Foxy Brown (1974). Während die Schauspieler:innen BPoC sind, gibt es Filme unter der Regie von weißen und schwarzen Regisseuren. Anders als bei den Low-Budget Produktionen und B-Movies zu der Zeit haben Blaxploitationfilme eine Rhythm and Blues oder Soul Titelmelodie. Musiker wie Isaac Hayes, Curtis Mayfield, Marvin Gaye und James Brown haben Titelmelodien und Soundtracks für die Filme komponiert. 

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Der Film „Shaft” spielt im New Yorker Viertel Harlem und wurde auch dort gedreht. [Foto: pixabay]

Die Handlungen der Filme sind in mehrheitlich von Schwarzen bewohnten ärmlichen Vierteln eingebettet. Die Schwarzen Hauptfiguren sind oft stereotypisch und klischeehaft dargestellt: als Zuhälter, Drogendealer, Prostituierte und Gauner. Hinter der Fassade ist eine Botschaft versteckt, die die Emanzipation der schwarzen Bevölkerung enthält: Schwarze (Anti-)Held:innen wehren sich mit Gewalt und Cleverness erfolgreich gegen weiße und unterdrückerische Widersacher:innen und das Establishment.

Neue statt alte Stereotype?

Bevor sich in den 70er Jahren das Subgenre entwickelte, wurden BPoC oft als Opfer oder tollpatschiger Sidekick dargestellt. So war es üblich, sie als lustige, faule, unzuverlässige und dumme Personen zu zeigen, die auf die Hilfe von Weißen angewiesen waren. In den Blaxploitationfilmen waren Frauen und Männer auf der Leinwand zu sehen, die stolz einen Afro trugen, sich mit dem System anlegen oder einfach nur badass und cool sind. Ein Novum.

Teile des schwarzen Publikums und der Bürgerrechtsbewegung hatten Bedenken, dass die Filme Stereotype von drogendealenden, gewalttätigen und sexuell getriebenen schwarzen verbreiten könnten. Andererseits wurden selbstbewusste schwarze Protagonist:innen als Fortschritt im Kampf um Gleichbehandlung, Repräsentation und Gerechtigkeit angesehen. 

Auch wenn die Filme alte Strukturen aufbrachen, gibt es aus heutiger Sicht einige Kritikpunkte. Ein starker, männlicher Held kämpft meist allein gegen fiese Individuen und Unrecht, aber nicht gegen die Umstände und Strukturen, die zu Rassismus und Armut führen. Außerdem kommen Frauen selten als starke, selbstbewusste Personen vor, sondern müssen entweder beschützt werden oder dienen dem Vergnügen des Protagonisten.

„Shaft” bringt die Lawine ins Rollen

Als wohl markantester Film des Genres gilt „Shaft” von Regisseur Gordon Parks. Im Titelsong singt Isaac Hayes: „Who is the man that would risk his neck for his brother, man?“ Eine weitere Frage kommt aus dem Background: „Can you dig it?“. Die Antwort ist klar: „Shaft!“. Hayes bekam für den Titelsong den Oscar. Der Film war ein kommerzieller Erfolg: Er kostete damals eine Millionen US-Dollar und spielte das Zehnfache ein.

Den Filmstudios wurde durch den Erfolg klar, dass sie eine vollkommen neue Zielgruppe erobert hatten. Die Wut auf das weiße Establishment und der Stolz auf den Kampf gegen die Unterdrückung ist ein großer Teil der Blaxploitation. Die Verlogenheit des Amerikanischen Traums im Bezug auf schwarze ist beispielsweise der rote Faden des Klassikers Super Fly. Die filmische Befreiung findet sich auch in den schwarzen Versionen weißer Horror-Klassiker wieder: die Dracula-Variante Blacula (1972), das Frankenstein-Remake Blackenstein (1973) oder Dr. Black and Mr. Hyde (1976).

Blaxploitation everywhere

Der Bedeutungsverlust des Genres in den 80ern ist vermutlich mit den sich wiederholenden Darstellungen von Sex und Gewalt, vor allem aber der geringen Produktionsqualität und der vermehrten Kritik seitens der Bürgerrechtsbewegung zu erklären, die lauter wurde. Anfang der 80er entwickelte sich dadurch das New Black Cinema, das nicht nur weiße Remakes und Klischees bearbeitet, sondern auch die Themen, die BPoC in den USA beschäftigen.

Boyz n the Hood von John Singleton (1991) oder Spike Lees Do the Right Thing (1989) gehören zu den wichtigsten Werken der Zeit und kritisieren die Realität von jungen BPoC in den USA. Heute gibt es häufig Hommagen an die Blaxploitation-Filme. Berühmte Beispiele sind die Werke von Spike Lee wie BlacKkKlansman (2018) oder Da 5 Bloods (2020). Auch bei Quentin Tarantino, einem Fan des Genres, fließen Elemente des Blaxploitation in seinen Arbeiten ein. In Tarantinos Filmen Pulp Fiction (1994), Jackie Brown (1997) oder Django Unchained (2012) sind Einflüsse zu erkennen.
 

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