Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

KULTUR

Bibi, hex’ mich zurück ins Kinderzimmer!

Bibi weckt Kindheitserinnerungen. [Foto: Lena Janßen]

24.09.2019 11:07 - Julia Segantini

Eene meene mei, die Hausarbeit fertig geschrieben sei, hex hex! Ach, wäre das schön. Am 4. August ist die beliebte Hörspielserie um die kleine Hexe Bibi Blocksberg 38 Jahre alt geworden. Wir kramen unsere alten Kassetten raus, schwelgen mit UDE-Studentin Alina in Erinnerungen und fragen bei Kiddinx nach, was mit Boris passiert ist.

Brigitte, besser bekannt unter ihrem Spitznamen Bibi, ist aus vielen Kinderzimmern nicht wegzudenken. Inzwischen gibt es 129 Hörspiel-Folgen sowie diverse PC-Spiele, ein Musical, Bücher, eine Zeichentrickserie, zwei Spielfilme und das Spin-Off Bibi und Tina. Was macht die Serie so erfolgreich? Alina studiert Erziehungswissenschaften an der Uni Duisburg-Essen und liebt die Abenteuer der frechen kleinen Hexe aus Neustadt. „Ich verbinde damit viele Kindheitserinnerungen. Abends, wenn ich im Bett lag, habe ich Bibi Blocksberg zum Einschlafen gehört“, erinnert sie sich. Was ihr dabei besonders gefallen hat? „Dass es keine rosarote Pferdewelt war und Bibi ein Mädchen ist, das die Dinge selbst in die Hand nimmt. Naja und wer wollte als Kind nicht gerne hexen und den blöden Bruder in einen Hamster verwandeln können?“, sagt sie lachend.

Ihrer Meinung nach ging es in den Geschichten nie nur um reine Unterhaltung. Kiddinx, die Vertriebs- und Vermarktungsgesellschaft von Marken wie Bibi Blocksberg und Benjamin Blümchen bestätigt: „Bibi ist weiterhin ‚politisch‘ und wird es immer bleiben. Sie ist gegen jede Form von Ungerechtigkeit, Willkür, Unterdrückung, Diskriminierung, Umweltverschmutzung, politischem Filz, wirtschaftlicher Ausbeutung und Mobbing.“ Diese Themen würden in aktuelleren Folgen subtiler und ohne einen konkreten Zeitbezug behandelt um die Serie zeitloser zu halten.

„Bibi ist weiterhin ‚politisch‘ und wird es immer bleiben."

Dass Inhalte anders als früher präsentiert werden, hinge mit einer veränderten Zielgruppe zusammen. „Sie ist vor allem durch den Geburtenzahlenrückgang geschrumpft und viel, viel jünger geworden. Grund dafür ist auch die allgemeine gesellschaftliche Entwicklung und die Tatsache, dass Kinder früher reifer werden (müssen)“, sagt das Kiddinx-Online-Team. Auch habe sich der Kinderunterhaltungsmarkt unter anderem durch die Digitalisierung und eine harte Konkurrenz stark differenziert.

Mit Hexkraft gegen Ungerechtigkeiten

Besonders im Gedächtnis geblieben ist Alina Folge 10, Bibis neue Freundin. „Streit und Ungerechtigkeiten kann Bibi überhaupt nicht leiden und sie setzt sich auch immer wieder dagegen ein. In dieser Folge stellt sie sich auf die Seite von Moni, die neu in der Stadt ist und nur schwer Anschluss in der Schule findet“, erzählt sie. Weil sie viele Erinnerungen mit der kleinen Hexe verbindet, freut sie sich, dass Bibis Synchronstimme auch nach 38 Jahren noch die gleiche ist (außer in den Folgen 3 bis 5, in der sie von Katja Nottke statt von Susanna Bonaséwicz gesprochen wird).

Die Serie zeichne sich außerdem durch feministische Tendenzen aus, so Kiddinx. Nur Frauen können Hexen werden und haben in der Serie meist das Sagen. „Auch wenn Barbara Blocksberg nach außen ‚nur‘ eine Hausfrau ist, lebt sie als Hexe ein völlig selbstbestimmtes Leben, zu dem nicht mal Bernhard, ihr Mann, Zugang hat“, betont Kiddinx. „Alle Frauen in unseren Serien sind extrem stark und selbstständig, voll emanzipiert und leben das in jeder Folge vor. Dazu zählen auch Karla Kolumna, alle weiteren Hexen in Bibis Umfeld und Frau Martin von Bibi und Tina“, heißt es weiterhin vom Online-Team.

Seit ihrer Kindheit fragt sich Alina, was mit Bibis Bruder Boris passiert ist. In Folge 9 erfahren die Hörer*innen, dass er wegen seines Hustens zu seinen Großeltern an die Nordsee gezogen ist, danach kommt er nicht wieder vor. Kiddinx erklärt, warum: „Nach den ersten sechs Folgen wurde aufgrund der Reaktion der Hörer, die sich lieber mehr Abenteuer um die kleine Hexe Bibi wünschten, die Konzeption leicht verändert.“ Die Serie habe sich danach stärker auf Bibi konzentriert und die „dramaturgisch starke Konkurrenzfigur des Bruders wurde ‚rausgeschrieben‘“. Den harten Schnitt würden sie heute bedauern, aber weiterhin hinter der Entscheidung der damaligen Macher*innen stehen. Ihn zurückkehren zu lassen, kommt für die Verantwortlichen nicht in Frage: „Es gibt nur sechs Hörspielfolgen mit Boris. Ein plötzliches Auftauchen würde daher unendlich viele Fragen aufwerfen und die heutigen Kinder sehr verwirren. Die älteren Fans bitten wir dafür um Verständnis und Akzeptanz.“
 

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