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KULTUR

Ausstellung rückt Diskriminierung in den Fokus

Die Ausstellung ist noch bis zum 17. Mai geöffnet. [Foto: jab]
01.03.2020 17:52 - Jacqueline Brinkwirth

Unter dem Titel „I‘M NOT A NICE GIRL!“ zeigt die Kunstsammlung Düsseldorf im K21 bis zum 17. Mai die Arbeiten von vier US-amerikanischen Künstlerinnen: Eleanor Antin, Lee Lozano, Adrian Piper und Mierle Laderman Ukeles. Zwischen 1930 und 1948 geboren, setzen sich die vier Frauen in ihren Werken mit bis heute relevanten sozialpolitischen und feministischen Themen auseinander. Das Besondere: Seltene oder nie gezeigte Archivmaterialien werden von den Künstlerinnen mit einem kritischen Blick neu gelesen. 

Die 1961 gegründete Landesgalerie Düsseldorf hat sich mittlerweile bis weit über die Grenzen Nordrhein-Westfalens hinaus einen Namen gemacht. In den zwei Häusern K20 und K21 zeigt die unter Kunstkenner*innen als „heimliche Nationalgalerie“ bekannte Sammlung jedoch nicht einzelne künstlerische Strömungen, sondern befasst sich bis heute mit herausragenden Einzelwerken international renommierter Künstler*innen. Dazu zählt auch die Ausstellung „I‘M NOT A NICE GIRL!“, die seit dem 18. Januar im K21 zu sehen ist. 

Konzeptkunst im Fokus 

Vier US-amerikanische Konzeptkünstlerinnen haben hierfür bisher unveröffentlichte Dokumente aus dem Archiv Dorothee und Konrad Fischer als Ausgangspunkt für ihre Werke neu gelesen und inszeniert. Konrad Fischer war der erste Galerist, der Minimal und Concept Art in Deutschland eine Bühne bot und bekannt machte. Mit Ehefrau Dorothee baute er – finanziert von ihrem Lehrerinnengehalt – zeitlebens eine bis dato unbekannte Sammlung zeitgenössischer Kunst und ein Archiv mit zahlreichen Korrespondenzen zu namhaften Künstler*innen auf. Gerade die Dokumentation dieses Schriftverkehrs spielt in „I‘M NOT A NICE GIRL!“ eine wichtige Rolle. Denn sie belegt, dass Fischer bereits in den 1960er und 70er Jahren Kontakte zu Konzeptkünstlerinnen pflegte, diesen jedoch in seinem Ausstellungsprogramm kaum eine Rolle zuschrieb.

Mit Eleanor Antin, Lee Lozano, Adrian Piper und Mierle Laderman Ukeles haben für die Ausstellungen vier feministische Künstlerinnen einzelne Archivdokumente mit einem systemkritischen Blick entschlüsselt und darauf basierend eine Ausstellung konzipiert, in der jede von ihnen einzelne Aspekte struktureller Diskriminierung offenlegt und durch die eigenen Werken nahbar macht. Mierle Laderman Ukeles beschäftigt sich mit „Wartungsthemen“, ihrer Interpretation von vorwiegend weiblicher Care-Arbeit. Eines ihrer bekanntesten Projekte „Touch Sanitation“ zeigt das Händeschütteln mit 8.500 Arbeitnehmer*innen des New York Department of Sanitation (Straßenreinigung) und ihre Danksagung: „Danke dafür, dass ihr New York City am Leben erhaltet.“

Fotos und Schriftstücke des Projekts können Besucher*innen nun in Düsseldorf betrachten. Adrian Piper schlägt einen anderen Weg ein: als Doktorin der Philosophie betrachtet sie in ihren Werken vor allem die Grenzen des Selbst und die Kontinuitäten und Diskontinuitäten individueller Identität in sozialen und politischen Kontexten. Ihre Fotoreihe „Catalysis“ etablierte ab 1970 erstmals Themen wie ethnische Herkunft und Genderfragen in der Konzeptkunst und ist nun ebenfalls im K21 ausgestellt. 

Was die Ausstellung leistet

Was alle vier Künstlerinnen verbindet, ist die Offenlegung und Erörterung systematischer Benachteiligung von Frauen* in der Kunstszene sowie der Gesellschaft der 1960er und 70er Jahre. Den roten Faden bildet in diesem Zusammenhang die kritische Auseinandersetzung mit den Schriftstücken aus dem Fischer-Archiv. Die Ausstellung ist radikal, weil sie Werke zeigt, die zu ihrer Entstehungszeit (zwischen 1961 und 1979) bereits laut und deutlich auf die sozialpolitische Brisanz struktureller Diskriminierungsmechanismen aufmerksam machten und bis heute nicht an Relevanz verloren haben. Dabei setzen Antin, Lozano, Piper und Laderman Ukeles ganz unterschiedliche Akzente ohne jedoch den Bezug zur Realität – repräsentiert anhand der Archivalien – zu verlieren. „I'M NOT A NICE GIRL“ schafft es, noch immer wichtige Fragen zu stellen und bricht dabei mit gesellschaftlich verankerten, femininen Stereotypen. Antworten auf diese Fragen zu finden, steht und fällt am Ende allerdings mit dem kritischen Blick der Betrachter*innen.

Weil die Ausstellung bis ins kleinste Detail auf die vorliegenden Archivdokumente abgestimmt ist, müssen Besucher*innen Zeit und ein waches Auge mitbringen. Denn die Wirkkraft der Ausstellung entwickelt sich gerade in den Einzelheiten, nicht in der Zurschaustellung beeindruckender, erschlagender Werke. Wer Zeit und Ruhe mitbringt, um sich in jedes Ausstellungsstück zu vertiefen, sich einen eigenen Weg durch die Konzepte bahnt und offen dafür ist, die eigenen gesellschaftlichen Vorstellungen angefochten zu sehen, ist mit „I'M NOT A NICE GIRL“ letztlich mehr als gut beraten. 

Die Ausstellung läuft noch bis zum 17. Mai 2020, der ermäßigte Eintrittspreis für Studierende beträgt 6 Euro. Profi-Tipp: Jeden ersten Mittwoch eines Monats ist der Eintritt ab 18 Uhr frei. 

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