Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

KULTUR

Aus dem Untergrund in die Oberliga

06.06.2018 18:15 - Julia Segantini

 

Heavy Metal ist out? Nicht mehr lange, wenn es nach Agenda geht. Im üblichen Versuchsaufbau Gesang, Leadgitarre, Rhythmusgitarre, Bass und Schlagzeug will die Gruppe dem Genre zum Comeback verhelfen. Deutliche Einflüsse von einschlägigen Bands sind daher nicht von der Hand zu weisen. Doch anstatt nur Back to the Roots zu gehen, wollen Agenda auch neue Wege beschreiten. Darüber, wo Metal zur Zeit steht, warum man lange Anfahrtswege zur Probe in Kauf nimmt und wo die Band hin will, haben Sänger Özgün und Leadgitarrist Stefan mit der akduell gesprochen.

Agenda gibt es seit vier Jahren. Die Band besteht aus den drei Wuppertalern Daniel, Denis und Stefan sowie Dennis aus Schwelm und Özgün aus Duisburg. Musikalisch lässt die Gruppe sich dem Heavy Metal zuordnen und zählt Thrash und Hardrock zu weiteren Einflüssen. Die Texte werden dabei ausschließlich auf Englisch gesungen. Eine konkrete Message wolle Agenda nicht vermitteln. “Wir schreiben über alltägliche Dinge wie Liebe und Lebenserfahrungen“, heißt es von der Band. Hinhören sollten Fans von Megadeth, AC/DC, Black Sabbath und Skull Fist, „Fans vom soliden, ehrlich handgemachten Metal“, beschreibt es die Band selbst.

Wenn die fünf Musiker nicht gerade auf der Bühne oder im Proberaum stehen, gehen sie ganz normalen Beschäftigungen nach, die erstmal nichts mit Musik zu tun haben. Bassist Daniel ist Installateur, Schlagzeuger Dennis Konstrukteur, Rhythmusgitarrist Denis ist Schüler, Özgün studiert an der Universität Duisburg-Essen Politikwissenschaft und Stefan an der Ruhr-Universität Bochum Management and Economics. Klingt also erstmal nicht nach Sex, Drugs and Rock’n’Roll. Die Band ist sich aber einig: „Musik ist unser Leben, wir tun das aus Leidenschaft und möchten das nach Möglichkeit zum Beruf machen.“ Organisatorisch sei das Leben zwischen Beruf und Bühne leicht zu vereinbaren, so Stefan. „Da wir viel mit der Musik erreichen möchten, sind wir alle sehr fleißig und proben wöchentlich zweimal. Mit unserem Beruf oder Studium ist das Arbeiten mit und für die Band gut verträglich und eine spannende Abwechslung.“ Durch vorausschauende Planung kämen sich beide Verpflichtungen nicht in die Quere, erklärt der Leadgitarrist. 

Newcomer auf Labelsuche

Die Songs schreibt Stefan: „Ich schreibe alleine zuhause, erstelle dort Demo-Aufnahmen für die Band und zeige es den Jungs im Proberaum. Songideen kommen bei mir spontan und ungezwungen. Meine Erfahrung hat gezeigt, dass aus spontanen Ideen die besten Ergebnisse werden“, beschreibt er. Ende August produziert die Band eine neue Single, die im September erscheint. „Für nächstes Jahr ist das zweite Album geplant. 2016 haben wir unser Debütalbum veröffentlicht, seitdem sind wir auf Labelsuche“, berichtet Stefan. Bisher haben Agenda auf den verschiedensten Veranstaltungen gespielt. „Von der Location her war unser größtes Konzert das Black & Thrash Festival in Essen 2016. Das größte Publikum haben wir aber immer in der Wuppertaler Location Underground. Da ist es dann randvoll“, erzählt Stefan. „Im Herbst 2017 haben wir auf dem Eisenfest Warm Up in Schwelm gespielt. Leider haben wir überhaupt nicht erwartet, dass die Location lediglich eine extrem kleine Kneipe ist“, erinnert er sich. „In solch kleinen Locations halten wir uns eigentlich nicht auf. Letztendlich war es aber einer der Top Five Gigs. Die Bude war voll und durch den extrem engen Raum war die Stimmung intim, aber richtig gut“, erzählt er begeistert.

Sänger Özgün ist erst seit Ende April Mitglied der Band. „Die Jungs haben mich seit dem ersten Tag super aufgenommen“, findet er. Musik macht er schon seit einigen Jahren. „Wenn ich zurückblicke, stelle ich jedes mal fest, dass ich zu spät angefangen habe zu singen“, sagt er. Mit 19 war er in seiner ersten Band. Ende 2015 wechselte er zur Band Darctors, bevor er aufgrund persönlicher Differenzen auf Agenda aufmerksam wurde und dorthin wechselte. „Obwohl ich für die Hinfahrt ungefähr eineinhalb Stunden brauche, nehme ich diesen Weg gerne auf mich“, berichtet er. „Auch wenn ich bisher gesanglich viel Erfahrungen gesammelt habe, ist die Zeit bei Agenda nochmal eine Herausforderung. Ich lerne bei jeder Probe immer mehr dazu“, meint er. 

Fehlender Nachwuchs

Dass die Gruppe ein Genre bedient, das zur Zeit nicht sehr angesagt ist, stört sie nicht. „Heavy Metal ist wenig zu hören, das stimmt. Und Thrash Metal sowieso“, bestätigt Stefan. Zwar würde sich in der Untergrund-Szene einiges tun, weniger aber in der bekannten „Oberliga“. Man spüre jedoch ein leichtes Wiederaufkommen des Heavy Metal, findet der Gitarrist. „In den letzten zehn Jahren konnten sich einige junge Bands an die Spitze spielen, wie zum Beispiel Airbourne oder auch Havok“, erläutert er. Auch gebe es immer wieder Comebacks von bekannten Bands, die nach Jahren neue gute Alben produziert hätten. „Speziell kann man da an AC/DC, Black Sabbath, Guns'n'Roses oder auch die letzte Judas Priest-Scheibe denken“, so Stefan. Trotzdem sei der Nachschub an jungen Bands, die diesen Stil weiterführen und vergrößern, zu klein. „Wir selbst erleben oft, dass in der Underground-Szene oft nur gegrowlt und gescreamt wird und je tiefer und primitiver die Gitarren, umso ‚besser‘“, kritisiert er. Agenda stechen durch ihren melodischen Gesang sowie klassischem Gitarrensound mit Ohrwurm-Potenzial heraus und könnten in Zukunft dafür sorgen, dass ein vernachlässigter Stil sein Revival erlebt

|Theorieklatsche|

Sozialraumorientierung in der Sozialen Arbeit

Seit den Neunziger Jahren wird das Konzept der Sozialraumorientierung in der Sozialen Arbeit angewandt. Erfinder Wolfgang Hinte erklärt, was das ist.
 

Kriege ohne Ende

Vergangene Woche wurde in Berlin das Friedensgutachten vorgestellt, das INEF der UDE war federführend beteiligt.
 

Was ist gendersensibles Design und warum brauchen wir es?

Das Gender-Referat des AStAs der Folkwang Universität der Künste lud Prof. em. Dr. Uta Brandes für einen Vortrag zum Thema Gender im Design ein.
 
Konversation wird geladen