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KULTUR

Animal Crossing: Waschbären gegen Social Distancing

In Animal Crossing kann man Freunde zumindest digital treffen.
[Foto: Erik Körner]
01.04.2020 11:15 - Erik Körner

Am 20. März kehrte Nintendos Animal Crossing-Reihe nach über sieben Jahren Abwesenheit mit New Horizons für die Nintendo Switch zurück. Ein besseres Veröffentlichungsdatum hätte der Publisher nicht wählen können.

Alle Animal Crossing-Spiele haben eines gemein: Man lebt als einziger Mensch in einer kleinen Stadt voller sprechender, menschenähnlicher Tiere. Das Gameplay reicht vom Sammeln von Fischen, Käfern und Fossilien, über Small Talk mit den Inselbewohner*innen zum Verschönern und Ausbau des eigenen Hauses. Seit dem Nintendo DS-Ableger Wild World, in Europa im Jahr 2006 veröffentlicht, konnten Spieler*innen gegenseitig ihre Inseln besuchen, um gemeinsam Zeit zu verbringen. 

Der Mehrspielermodus ist nichts neues. Allerdings erhält er durch die Corona-Krise eine neue Bedeutung. Eine der größten Stärken des Mediums Videospiel ist sein Angebot von Eskapismus, die Realitätsflucht. Videospiele erlauben, fantastische Welten und ihre Geschichten interaktiv zu erleben. Animal Crossing dreht dieses Angebot um: Es gibt Spieler*innen einen Teil der Realität zurück, die ihnen die momentane Pandemie verwehrt. 

Niemand muss alleine sein

Hier hebt sich Animal Crossing von vielen anderen Spielen mit einer Onlinekomponente ab. Seine Stärke ist nicht, dass Spieler*innen zusammen spielen können, sondern wie sie zusammen spielen können. Die meisten Mehrspielermodi basieren auf Wettkampf. Sie erlauben ihren Spieler*innen zwar zusammen, aber nicht miteinander zu spielen. Animal Crossing hingegen simuliert menschliche Interaktion – wenn auch nur auf einem grundlegenden Level. Da die Spiele der Reihe keinen eingebauten Voice Chat haben, erlaubt ein Chatfenster kurze Textnachrichten. Spieler*innen können zwischen mehrere Emotes wählen, um auf Nachrichten oder das Spielgeschehen zu reagieren. Und sämtlichen Gameplayelementen kann auch in einer Gruppe nachgegangen werden. 

Ein US-amerikanisches Paar hat ihre ausgefallene Hochzeitsfeier – mit samt Freunden – in New Horizons nachgeholt und einen Screenshot davon auf Reddit gepostet. In den Kommentaren schrieb die frisch Verheiratete: „Ich mache gerade meinen Abschluss in Medizin. Nicht zu meiner Abschlussfeier oder meiner Hochzeit gehen zu können, hat mich deprimiert. […] Mir fehlen die Worte, um zu beschreiben, wie glücklich mich [die Feier im Spiel] macht.“ Immer häufiger posten Paare unter dem #ACNH-Hashtag Bilder von ihren Dates zwischen Aquarien und Dinosaurierknochen im spielinternen Museum. 

Ein US-amerikanisches Paar hat ihre ausgefallene Hochzeitsfeier in New Horizons nachgeholt.

Mit Ausnahme der Dates sind solche Beispiele eher Ausnahmesituationen. Sie zeigen, wofür Animal Crossing im äußersten Notfall herhalten kann. Allerdings muss man nicht so weit schauen. Es reicht schon, Seite an Seite mit Freund*innen auf einer Bank sitzen und Sternschnuppen dabei zusehen zu können, wie sie für einen Sekundenbruchteil den digitalen Nachthimmel erhellen. 

Außerdem bietet Animal Crossing auch denjenigen Hilfe gegen die Einsamkeit, deren Freunde nicht New Horizons spielen – vor allem in Form der kleinsten Gesten. Die Anwohner*innen winken freundlich zum Abschied, wenn man ihr Haus verlässt. Sie geben Komplimente, wenn ihnen das Outfit der Spielfigur gefällt. Sie klatschen, wenn sie sehen, dass man einen Käfer oder Fisch fängt. Und selbst wenn das Corona-Virus erst gegen Ende des Jahres ausgebrochen wäre: Auch in Animal Crossing wird Silvester mit einem Feuerwerk um Mitternacht gefeiert.

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