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KULTUR

Alte weiße Männer von Sophie Passmann: Feminismus ist nicht nur schwarz und weiß

Nach drei Monaten endlich durchgelesen: Alte weiße Männer von Sophie Passmann

[Foto: Jacqueline Brinkwirth]

09.06.2019 13:30 - Jacqueline Brinkwirth

Twitter-Ikone und Radiomoderatorin Sophie Passmann begibt sich in ihrem Buch auf die Suche nach ihrem persönlichen Feindbild des alten weißen Mannes und fragt bei 16 Männern aus Politik, Medien und Wirtschaft nach: Sind Sie einer von ihnen?

Eine Rezension von Jacqueline Brinkwirth

Im Vorfeld ein Disclaimer: Ich mag Sophie Passmann sehr gern. Ich mag ihre ironische, reflektierte Art. Ich mag ihre Insta-Stories. Und ich mag, dass sie sich und die Welt um sich herum mit einem wachen, aber auch herausfordernden Blick betrachtet. Trotz allem habe ich mir mit der Lektüre ihres Buches Alte weiße Männer: Ein Schlichtungsversuch Zeit gelassen. Bestellt hatte ich es schon vor der eigentlichen Veröffentlichung am 07. März. Nun, rund drei Monate später, habe ich es endlich gelesen und bin immer noch etwas verwirrt, was ich eigentlich von diesem Buch halten soll.

Passmann, die auf Twitter und Instagram mehrere zehntausend Follower hat, schreibt nebenbei auch noch für das ZEITMagazin, ist auf 1Live als Moderatorin zu hören und gehört zum Team vom NeoMagazin Royal. In ihren Insta-Stories erklärt sie gern politische Begriffe mit alltäglichen Gegenständen – Polit-Entertainment der Extraklasse. In ihrem eigenen Buch wagt sich Sophie Passmann nun an das Feindbild vieler Feminist*innen heran: den alten weißen Mann. Wer damit genau gemeint ist, erklärt sie bereits in Vorwort: „Nicht jeder Mann, der alt und auch weiß ist, gehört automatisch zum Feindbild ‚alter weißer Mann‘. Das Gefühl von Überlegenheit gepaart mit der scheinbar völligen Blindheit für die eigenen Privilegien macht für mich eher dieses Feindbild aus.“ Beim Lesen dieser Worte fielen mir auf Anhieb mindestens eine Hand voll Männer ein, die diesem Feindbild entsprechen – ob nun aus dem Privaten oder aus dem öffentlichen Leben. 

Passmann sucht in ihrem Buch nun das Gespräch mit 16 vermeintlich alten weißen Männern und versucht der Frage auf den Grund zu gehen, wie man ein alter weißer Mann wird und ob diese Entwicklung vielleicht aufzuhalten ist. Dafür trifft sie unter anderem Grünen-Politiker Robert Habeck, Sternekoch Tim Raue und Juso-Chef Kevin Kühnert. 

Die richtigen Fragen

Was sofort auffällt, sobald man das Inhaltsverzeichnis liest: Passmann spricht offenbar nicht mit Männern, die man ohne zu Zögern als alte weiße privilegierte Männer identifizieren würde. Denn nach Namen wie Dieter Zetsche (Ex-Daimler-Vorstand) oder Horst Seehofer sucht man vergebens. Mit ihrer gewohnt lebendig-ironischen Art geht Passmann trotzdem in die Konfrontation und hakt nach, ob sich ihre Gesprächspartner selbst als alte weiße Männer sehen. Von „Alter ist eine Definitionssache“ bis „Ich werde sehr weiß behandelt von der Gesellschaft“ sind viele Antworten dabei, die natürlich nicht so richtig bejahend, aber auch nicht verneinend sind. Dabei stellt Passmann in den Gesprächen oft die richtigen Fragen. Kai Diekmann, ehemaliger Chefredakteur der BILD und Verantwortlicher für Existenz und Abschaffung des Seite-1-Girls, überrascht sie beispielsweise mit der Frage, ob er die Titelseite der BILD mit dem Deckengemälde der sixtinischen Kapelle vergleichen wolle. Wer bei diesem Ausbruch feministischen Trotzes nicht schmunzelt, hat ganz klar seinen Humor an der Garderobe abgegeben.

Was fehlt

Trotzdem fällt natürlich auf, dass die allermeisten Gesprächspartner einer Gruppe Männer angehört, die bereits mit den eigenen gesellschaftlichen Privilegien konfrontiert wurde, diese reflektieren kann und so auch das eigene Verhalten auf den Prüfstand stellt. Hätte ich gern Horst Seehofers Antwort auf die Frage „Sind Sie ein alter weißer Mann?“ gelesen? Natürlich! Finde ich Sophie Passmanns Buch deswegen weniger feministisch? Kein bisschen. Denn – und das ist eine Message, die man definitiv aus diesem Buch mitnehmen kann – der Sexismus (alter weißer Männer) ist kein personelles Problem, sondern ein strukturelles Problem der Gesellschaft. Weswegen es natürlich legitim ist, Männer dazu zu befragen, die auch darauf antworten möchten und nicht nur verächtlich schnaubend den Kopf schütteln.

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Passmann zeigt auf, dass die postmoderne Gesellschaft immer noch an verstaubten Rollenbildern und einer guten Portion Sexismus und Elitarismus krankt. Das ist ein trauriger Umstand, der nicht oft genug kommentiert werden kann, vor allem nicht, wenn das auf so nahbare Art und Weise geschieht, wie in diesem Buch. Was Passmann allerdings auch zeigt, ist, dass Feminismus nicht schwarz oder weiß ist. Vielmehr verdeutlicht sie, dass zwischen Sexismus und Feminismus noch eine ganze Menge Graustufen liegen.

Alte weiße Männer: Ein Schlichtungsversuch ist kein Bekenntnis zum radikalen Feminismus. Überhaupt ist relativ wenig wirklich radikal an diesem Buch. Aber es ist ehrlich und es löst Stirnrunzeln aus, wenn beispielsweise Politikwissenschaftler Werner Patzelt (übrigens auch Parteimitglied der CDU) erklärt: „Ehrlich gesagt: In jenen Lebensbereichen, in denen ich verkehre, begegne ich keinem expliziten Sexismus.“ 

Auch wenn das Buch den Feminismus nicht revolutionieren wird, ist es doch wert, gelesen zu werden. Denn es ist ein Anfang, sozusagen ein Schlichtungsversuch.

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