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KULTUR

„Alles was ich weiß“

Florian Toperngpong notiert, was er weiß.
[Foto: Sophie Schädel]

02.04.2019 08:46 - Sophie Schädel

Florian Toperngpong sitzt an einem kleinen Tisch, umgeben von seinem Wissen. Der Gestalter aus Regensburg schreibt im Rahmen einer Performance im Dortmunder Museum der Zeche Zollern alles auf, was er weiß. Jedes Stückchen Wissen schreibt und zeichnet er feinsäuberlich auf je ein gelbes Post-it. Die Klebezettel kategorisiert er dann thematisch und lässt damit an den Wänden um sich herum ein faszinierendes Gebilde entstehen.

„Seit ich das hier angefangen habe, war ich noch nie am Ende mit meinem Wissen“, sagt Toperngpong.

„Es ist eher so, dass ich nicht nachkomme, seit ich angefangen habe mich zu fragen, was ich weiß.“

Die Themen, die er behandelt, sind bunt gemischt und wirken recht willkürlich. „Faschismus“, steht zum Beispiel auf einem, darunter in kleiner Schrift eine Definition. „Eier“ hat er auf ein anderes geschrieben und darauf mit kleinen Bildchen versehen Eier in wachsweich, hartgekocht oder als Spiegelei skizziert.

Manche Themen erstrecken sich über mehrere der gelben Zettel. An Survival-Techniken beispielsweise hat Toperngpong sich offenbar lange aufgehalten. „Was tun, wenn man mit dem Auto von einer Brücke ins Meer stürzt?“, lautet eine der Unterkategorien. „Schritt 1: Ruhig bleiben, Schritt 2: Warten bis Wasser ins Auto gelaufen ist (vorher geht die Tür wegen dem Wasserdruck nicht auf“, steht da neben kleinen Skizzen zu den jeweiligen Schritten, bis der Autofahrer an die Wasseroberfläche kommt.

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Alltagswissen, unnützes Wissen und gefährliches Halbwissen

Andere Themen füllen nicht einmal einen Zettel. „Hier zum Beispiel, die Literaturnobelpreisträger“, sagt Toperngpong und zeigt schmunzelnd auf einen Post-it hinter sich. „Mir sind nur fünf eingefallen, es müssten ja aber über 150 sein. Oder hier, die Erdölprodukte. Bei denen ist mir schnell langweilig geworden.“ Zum Wissen und zur Sammlung gehört neben Alltagswissen und unnützem Wissen eben auch hin und wieder gefährliches Halbwissen.

Ausstellung
„Alles nur geklaut“

Toperngpongs Performance ist Teil der Ausstellung „Alles nur geklaut“ im Dortmunder LWL-Industriemuseum Zeche Zollern. Die Ausstellung befasst sich mit der Frage, wem Wissen gehört, ob Spione Pioniere sind und ob Patente und Plagiatsregelungen Fortschritt aufhalten. Was ist Wissen, wie wird es geschaffen und geschützt? „Alles nur geklaut“ ist noch bis zum 13. Oktober zu sehen.
Infos gibt's unter lwl.org.

Toperngpong bezeichnet sich selbst als durchschnittlich gebildet. „Das ist auch für diese Performance ganz gut, vielleicht entsteht dadurch für den Betrachter eine gewisse Vergleichbarkeit. So kann er sich selbst dazu positionieren und denkt nicht einfach nur ‚na toll, das wüsste ich sowieso alles nicht.‘“ Was ihm an seiner Performance so gut gefällt: „Das Konzept, einfach aufzuschreiben was man weiß, ist total simpel und schnell erklärt. Das gibt es in der Kunst ja selten.“ Was die Betrachter*innen aus seiner Performance mitnehmen, bleibt ihnen überlassen.

In einer Woche hat er knapp 300 dieser Zettelchen angesammelt. „Ich könnte aber noch ewig weiterschreiben, keine Ahnung wie lange genau“, so Toperngpong. „Ich habe auch bemerkt, dass jedes Wissen wieder Wissen voraussetzt. Auf diesem Zettel hier behandle ich zum Beispiel die ostafrikanische Afar-Senke und erwähne Kontinentalplatten. Eigentlich müsste ich dann ja auf einem weiteren Zettel erklären, was das wiederum ist.“ Es ist der letzte Tag seiner Performance. Doch sie ist per Video aufgezeichnet und wird im Zeitraffer weiterhin im Museum zu sehen sein.
 

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