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KULTUR

5 cineastische Meisterwerke des Corona-Jahres 2020

Da 5 Bloods [Foto: Netflix]

28.12.2020 15:56 - Canberk Köktürk

Durch die Corona-Pandemie und den darauffolgenden Lockdown hat die Kulturbranche gelitten. Die Kinos mussten nicht nur auf die Popcorn-Einnahmen, sondern auch auf die großen Kinostarts von James Bond und verschiedenen Marvel -Filmen verzichten. Die Zukunft vieler Kinos ist gefährdet. Es gab dennoch Filme, die das Kinojahr 2020 nicht nur durch die Pandemie zu einem besonderen machten. Auch Streamingdienste haben im Laufe des Jahres einzigartige Eigenproduktionen herausgebracht. Hier sind fünf Filme mit deutschem Kinostart im grotesken Kinojahr 2020, die ihr unbedingt gesehen haben solltet.

Da 5 Bloods

Trigger Warnung: Dieser Film enthält ab der ersten Minute Bildmaterial von extremer und realer Gewalt aus dem Vietnam-Krieg sowie der Bürgerrechtsbewegung in den Vereinigten Staaten von Amerika.

Vier afroamerikanische Vietnam-Veteranen begeben sich 2020 zurück nach Vietnam. Sie sollen dort die Überreste ihres damaligen Anführers bergen und zurück in die USA bringen. Es gibt jedoch einen geheimen zweiten Plan: An derselben Stelle haben sie damals CIA-Gold versteckt, das sie in die Heimat schmuggeln wollen. So beginnt eine Odyssee im Dschungel Vietnams für die vier alten und traumatisierten Veteranen. Sie werden von David begleitet, dem Sohn von Veteran Paul, der auf seinen Vater aufpassen möchte, weil dieser stark unter den Symptomen seiner Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) leidet.

Nicht jede:r mag die Art und Weise, wie Spike Lee (BlacKkKlansman) Filme macht. Andauernd gibt es in Da 5 Bloods Stilbrüche, schräge cineastische Entscheidungen und extreme Wendungen. Zuschauer:innen, die sich an den typischen Hollywood-Stil gewöhnt haben, wird das stören. Im Sinne von Brechts epischem Theater gibt es immer wieder Verfremdungseffekte, wie die Einblendung dokumentarischer und extrem brutaler realer Szenen aus dem Vietnamkrieg, einer Rede von Martin Luther King Jr. oder Bilder von wichtigen afroamerikanischen Persönlichkeiten. Dadurch nimmt der Zuschauer eine kritische Haltung gegenüber dem Gezeigten ein und kann Distanz entwickeln.

Neben der besonderen Regie können die Darsteller:innen allesamt für ihre Leistung gelobt werden. Da 5 Bloods ist witzig, grausam, schmerzhaft und empowernd zugleich. Delroy Lindo wird sicherlich für seine Darstellung als afroamerikanischer rassistischer Trump-Supporter mit einer PTBS bei den nächsten Filmpreis-Verleihungen eine Rolle spielen.

Rest in Power Chadwick Boseman.

Regie: Spike Lee. Darsteller:innen: Delroy Lindow, Norm Lewis, Clarke Peters, Isiah Whitlock Jr. und Chadwick Boseman. Deutscher Start: 12.06.2020. 155 Minunten, FSK 16.

The Trial of the Chicago 7

1968 demonstrierten mehrere Menschen beim Parteitag der Demokraten in Chicago gegen den Vietnam Krieg. Die eigentlich friedlichen Demonstrationen eskalieren zu massiven Ausschreitungen. Die sieben Männer, die zu den Anführer:innen der demonstrierenden Organisationen gehörten, wurden ein Jahr später wegen Verschwörung angeklagt. The Trial of the Chicago 7 zeigt sowohl die Geschehnisse während der Demonstrationen als auch den politischen Gerichtsprozess.

Aaron Sorkin gilt als einer der besten Drehbuchautoren Hollywoods. Nach seinem Regiedebut Molly’s Game (2017), für das er durchschnittliche Kritiken bekam, erinnert sein zweiter Film aufgrund frischer Charaktere und schnörkelloser Dialoge an seine Arbeit als Drehbuchautor bei The Social Network (2010).

Neben der unangenehmen Spannung und der spürbaren Ungerechtigkeit ist der Film durch provokante Auflockerungen sehr unterhaltsam. Der schwere Stoff wird eingepackt in eine spannende und fesselnde Geschichte die motiviert, politisch aktiver zu werden.

Regie: Aaron Sorkin. Darsteller:innen: Sascha Baron Cohen, Eddie Redmayne, Jeremy Strong, Joseph Gordon-Levitt. Deutscher Start: 16.10.2020. 129 Minuten, FSK 16.

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Jeremy Strong als Jerry Rubin und Sascha Baron Cohen als Abby Hoffman in Aaron Sorkins The Trial of the Chicago “ [Foto: Nico Tavernise/ Netflix]

1917

1917 erzählt die Geschichte zweier Boten der britischen Armee während des Ersten Weltkriegs an der Westfront in Frankreich. Die Soldaten Schofield und Blake bekommen die Aufgabe, einen wichtigen Befehl des Generals an einen gewissen Colonel Mackenzie zu überbringen. Dabei müssen die auserwählten Soldaten feindliches Gebiet durchqueren.

Der Film scheint kurz zusammengefasst nur einer von vielen Anti-Kriegsfilmen zu sein. Doch Sam Mendes (Skyfall) schafft es während des Films, fast ohne Schnitte auszukommen, wodurch die umfassenden Eindrücke der Protagonisten auch bei den Zuschauer:innen ankommen. Alles was sie sehen, sehen auch wir. Jeden einzelnen Meter, den sie rennen, jede Hürde, die sie überspringen, jeden Schuss, den sie spüren müssen, erleben wir mit ihnen. Dadurch bleibt 1917 in jeder Sekunde spannend und ist ein perfektes cineastisches Erlebnis.

Regie: Sam Mendes. Darsteller:innen: George MacKay, Dean-Charles Chapman, Andrew Scott, Mark Strong. Deutscher Start: 16.01.2020. 119 Minuten, FSK 12.

Little Women

Little Women ist ein Literaturklassiker der Schriftstellerin Louisa May Alcott aus dem Jahr 1868, der die Geschichte von vier Schwestern während der 1840er bis 1860er in den USA erzählt. Der Roman von Alcott wurde bereits mehrmals adaptiert.

Nach dem Indie-Hit Lady Bird (2017) zeigt Greta Gerwig, dass sie in der Lage ist, einen mehrmals adaptierten Klassiker auf ihre Art und Weise zu inszenieren. Little Women ist nicht nur durch Kostüm- und Szenenbild wundervoll anzusehen. Der Film ist eine emotionale Achterbahn, die trotzdem leicht verdaulich ist. Gerwig verbindet das Werk und die Biografie von Alcott, wodurch Little Women ihrer grundlegenden Literatur eine neue erzählerische Perspektive schenkt. Die schauspielerischen Leistungen von Saoirse Ronan, Emma Watson, Florence Pugh, Eliza Scanlen und Timothée Chalamet sind besonders hervorzuheben.

Regie: Greta Gerwig. Darsteller:innen: Saoirse Ronan, Emma Watson, Florence Pugh, Eliza Scanlen. Deutscher Start: 30.01.2020. 135 Minunten, FSK 0.

The Gentleman

Seit 2008 hat Guy Ritchie (Snatch) Filme herausgebracht, die sich allesamt wie der Start einer kultigen Filmreihe angefühlt haben. Eines dieser Projekte ist The Gentleman.

Mickey Pearson hat sich als Gras-Dealer an der Spitze der Gangster-Welt festgesetzt. Während man seinen unglaublichen Werdegang in kleinen Flash-Backs mitverfolgt, arbeitet Mickey an seinem Ausstieg. Dabei hilft ihm seine Ehefrau und Partnerin Rosalinda, sowie sein Consigliere Ray.

Ritchie kehrt wieder zurück zu seinen Wurzeln: Verdammt gut geschriebene, dialoglastige Gangster-Filme. The Gentleman ist zwar nicht der beste Film des Jahres macht dafür, mit einer grandiosen Besetzung, sehr viel Spaß. Vielleicht entscheidet sich Guy Ritchie dieses Mal für einen zweiten Teil.

Regie: Guy Ritchie, Darsteller:innen: Matthew McConaughey, Hugh Grant, Charlie Hunman, Michelle Dockery, Deutscher Start: 27.02.2020 113 Minuten, FSK 16.

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