Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

HOCHSCHULPOLITIK

Zwischen Nelken und Antisemitismus

Sowohl in der Bundesrepublik als auch in den ehemaligen Konzentrationslagern werden dieser Tage wieder rote Nelken niedergelegt. Vor 70 Jahren befreiten die alliierten Truppen Gefangene und Zwangsarbeiter*innen aus den Konzentrationslagern der Nationalsozialist*innen. Der Schrecken und die Gräueltaten des deutschen Faschismus sind in die Geschichtsbücher eingegangen – als Mahnung an zukünftige Generationen. Aber wie funktioniert Gedenken im Jahr 2015? akduell wirft einen Blick auf die derzeitige Gedenk- und Erinnerungskultur in den ehemaligen Konzentrations- und Vernichtungslagern in Auschwitz und der heutigen Gesellschaft.
 

Legion 47: Rechte Anschläge in Duisburg

Die Zerschlagung der rechtsterroristischen Vereinigung Old School Society hat vergangene Woche Schlagzeilen </strong><strong>gemacht. Fast zeitgleich wurde bekannt: Seit März 2013 sollen drei Duisburger NPD-Mitglieder Feuerwerkskörper in einer Flüchtlingsunterkunft gezündet, den Pavillon eines türkischen Schnellimbisses in Brand gesteckt und Chemikalien aus Schulen gestohlen haben. Seit vergangener Woche müssen sich Patrick K., Daniel N. und Manuel M. vor dem Duisburger Landgericht für insgesamt 38 Straftaten verantworten. Darunter: Brandstiftung, unerlaubter Waffenbesitz, 24 Einbruchsdiebstähle, Körperverletzung und Handel mit 500 Gramm Methamphetamin.
 

Nach dem Streik, vor dem Streik?

Der Bahnstreik ist vorerst vorbei. Doch die Deutsche Bahn AG und die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) sind noch weit von einer Einigung entfernt. Obwohl ein neues Gesetz die Einflussmöglichkeiten kleinerer Gewerkschaften zugunsten der Etablierten begrenzen soll, gibt sich GDL-Chef Claus Weselsky weiter gewohnt kämpferisch. Während einige Bahnfahrer*innen ihrem Ärger über die Auswirkungen des hartnäckigen Arbeitskampfes Luft machten, zeigten andere ihre Solidarität am Samstag bei einer Demo am Essener Hauptbahnhof.
 

Rechter gesteht Messerstiche

„Der andere Verletzte, das war jetzt der Täter?“, fragt die junge Polizistin ihren Kollegen. Am Rande der Demonstration zum 1. Mai in Wuppertal hatte sie damit die wichtigste, gesicherte Information zur Messerattacke am Autonomen Zentrum vom 16. April prägnant wieder gegeben. Ein dringend Tatverdächtiger sitzt mittlerweile für den wohl versuchten Mord an dem 53-jährigen AZ-Besucher <a href="http://akduell.de/2015/04/ein-messer-viele-ungereimtheiten/">(akduell berichtete)</a> in Untersuchungshaft, eher tröpfchenweise sickerten in den vergangenen Tagen weitere Details zum Fall durch. In einer zweiten Pressemitteilung nahmen die Aktiven des linken Zentrums ausführlich Stellung und nennen den Namen des Täters. Währenddessen ist der Zustand des Opfers stabil, bleibt aber weiter kritisch.
 

Abschieben, aber schnell

In einem Schreiben an die Landesregierung forderten die Oberbürgermeister*innen (OBs) des Ruhrgebiets im März Härtefallprüfungen für ältere, kranke und alleinerziehende Geflüchtete abzuschaffen. Gemeint sind damit Roma, die in Deutschland ohnehin schon mit Vorurteilen zu kämpfen haben. Geht es nach den OBs, sollen Roma ohne weitere Prüfung abgeschoben werden können, obwohl sie in osteuropäischen Ländern Verfolgung fürchten müssen. Damit bedienen die Ruhrgebiets-OBs vor allem Forderungen, die man offen ausgesprochen nur von rechten Parteien wie AfD und NPD kennt. 
 

1. Mai: Blockieren statt Marschieren

Der Tag der Arbeit ist traditionell ein Demonstrationstag für Gewerkschaften, Arbeiter*innen und Beschäftigte. Aber der Maifeiertag ist wie schon in den vergangenen Jahren auch ein festes Datum für rechte Kräfte im Ruhrgebiet und NRW. Sie deuten den Tag der Gewerkschaften wie im Dritten Reich um und feiern den „Tag der nationalen Arbeit“, der von den Nationalsozialist*innen nach der Zerschlagung der sozialistischen Gewerkschaften ebenfalls am 1. Mai begangen wurde. Gleich drei rechte Parteien - NPD, Die Republikaner und die Rechte - zogen in diesem Jahr durch Mönchengladbach, Essen und Duisburg. Antifaschist*innen hatten unter dem Motto „1. Mai Nazifrei“ auf die Straße mobilisiert und schließlich die rassistischen Parteien erfolgreich blockiert.
 

Durch die Augen eines Kindes

70 Jahre ist es her, da wurden die Konzentrations-
und Vernichtungslager der Nationalsozialist*innen befreit. Etwa sechs Millionen Menschen wurden dort während des Holocaust ermordet. Nur noch wenige Überlebende können im Jahr 2015 ihre Geschichte erzählen. Eine von ihnen ist Lydia Maksimovich, die 
als kleines Kind wie durch ein Wunder 15 Monate im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau überlebte. In Gedenken an die Opfer der Vernichtungsmaschinerie des Nationalsozialismus druckt die akduell im Folgenden einen Teil ihrer Geschichte ab, die sie im Rahmen der Gedenkstättenfahrt der Sozialistischen Jugend Deutschlands – Die Falken erzählte.
 

Im Geisterdorf

Menschenleere Straßen, zugemauerte Hauseingänge, verlassene Gärten. Es ist ein schauriges Bild, das sich im kleinen Dorf Immerath im rheinischen Braunkohle-Revier bietet. Am vergangenen Wochenende zog wieder Leben in das Dorf: Mit einer 7,5 Kilometer langen Menschenkette demonstrierten rund 6.000 Menschen am 25. April gegen den Braunkohletagebau von RWE.
 

Mehr Ohnmacht als Wut

Am vergangenen Samstag demonstrierten knapp 200 Personen in Düsseldorf gegen die sogenannte „Festung Europa“, an deren Grenzen in den vergangenen Wochen ungefähr 1.000 Menschen ums Leben kamen. Die Veranstalter*innen, vorwiegend antifaschistische und studentische Gruppen aus dem Ruhrgebiet, kritisierten das Desinteresse der politisch Verantwortlichen und sprachen sich für globale Bewegungsfreiheit aus. Auch in der kommenden Woche wird es in Düsseldorf Protest gegen die EU-Grenzpolitik geben: Die Essener Künstlerin Anabel Jujol organisiert mit weiteren Träger*innen einen Trauermarsch, bei dem nicht der politische Appell im Zentrum steht, sondern Ohnmacht und Mitgefühl.
 

Platanen platt

Nachdem BUND, Grüne, Piraten und die Facebookseite „Occupy Mercator“ seit gut einer Woche Unterschriften für einen Bürgerentscheid gegen die Abholzung einer Baumreihe vor dem Duisburger Hauptbahnhof gesammelt hatten, schuf die Stadtverwaltung Anfang vergangener Woche unvermittelt Fakten und ließ die Bäume fällen. Aber nicht alle Platanen fielen der Säge zum Opfer. Zwei von ihnen stehen noch immer, weil sie einen Vogel haben. Anscheinend ein verbreitetes Problem in Duisburg.
 

Ein Stück Willkommenskultur

Lisa Müller-Arnold von der AWO-Duisburg e.V. möchte mit einem Projekt für Flüchtlingskinder dem in Duisburg in vielen Teilen grassierenden Rassismus entgegenwirken. Es stellt ein Gegenstück zu Demonstrationen rechtsextremer Parteien, Fremdenfeindlichkeit in einigen Stadtteilen und wöchentlichen Pegida-Märschen dar.
 

Ein Messer, viele Ungereimtheiten

In der Nacht des 16. April, einem Samstag, findet im Autonomen Zentrum in Wuppertal eine Party statt. Die Veranstaltung findet jedoch ein jähes Ende: Vor der Tür wird 53-jähriger Mann mit einem Messer niedergestochen, versuchter Mord lautet der Tatvorwurf der Staatsanwaltschaft. Der medizinische Zustand des Betroffenen ist weiterhin kritisch. Kritik wird auch an der Rolle des Notarztes laut.