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HOCHSCHULPOLITIK

Wie die Universität Leipzig mit Neonazis umgeht

Symbolbild: Dennis Pesch

26.09.2018 11:57 - Dennis Pesch

 

Kurz nach den rassistischen Hetzjagden in Chemnitz Anfang September entdeckten Studierende ein Foto militanter Neonazis des „Imperium Fight Team“, die im Mai auf dem Sportgelände der Universität Leipzig trainierten. Schon einmal hatte die extrem rechte Gruppe sich dort im April 2015 eingemietet: für eine Freefight-Veranstaltung. Dieses Mal trainierten sie wohl ohne Anmeldung. Der StudentInnenrat (StuRa) fordert ein Hausverbot, doch die Universität will dieser Forderung nicht nachkommen.

„Mit einem Sprinttraining in die neue Woche gestartet. Danke an die Uni für die Möglichkeit“, heißt es auf dem Instagram-Profil des Imperium Fight Team am 7. Mai. 16 Neonazis posieren auf der blauen Laufbahn, zeigen ihre Muskeln. Sie wollen provozieren und deutlich machen, dass sie das Gelände jederzeit für sich vereinnahmen können. Gleichzeitig ist es auch eine Drohung, insbesondere an internationale Studierende. Denn die Geschichte des Imperium Fight Team ist eine voller (rassistischer) Gewalt. Es ist ein Zusammenschluss rechter MMA-Kämpfer, der aus dem „Boxclub Lokomotive Leipzig“ hervorgegangen ist. Trainer des Teams ist mit Benjamin Brinsa, eine  wichtige Person der Neonaziszene in Leipzig und Sachsen.

Teile seines rechten Kampfsportvereins waren beispielsweise an den Angriffen auf den alternativen Stadtteil Connewitz in Leipzig am 11. Januar 2016 beteiligt. Brinsa soll auch an den rassistischen Demonstrationen in Chemnitz beteiligt gewesen sein. Sie sind Folge eines mutmaßlichen Totschlags und halten bis heute die Stadt, aber vor allem mutmaßliche Migrant*innen in Atem, die in den letzten Wochen häufig Übergriffe auf sich erleben mussten. Weil die Rechten auf dem Sportgelände der Universität trainiert hatten und das offenbar auch kurz nach den Ausschreitungen in Chemnitz, hat sich das StuRa eingeschaltet. Anfang September schickte die Studierendenvertretung einen Offenen Brief an die Kanzlerin Birgit Dräger. Darin fordert sie ein Hausverbot für die rechten Schläger.

Aus der Uni wird keine Burg

Nicolas Leible, Referent für Öffentlichkeitsarbeit im StuRa erklärte der akduell die Motivation: „Wir als verfasste Studierendenschaft haben eine eindeutige Position und wir haben mit dem offenen Brief versucht, auf die Situation einzuwirken“, sagt er. Dass Neonazis am Campus trainieren, könne nicht geduldet werden. Die Universität reagierte später: Man stehe für Weltoffenheit, Toleranz und einen friedlichen Diskurs. „Dass eine Gruppe namens ‚Imperium Fight Team‘ […] nun mindestens zwei Mal das Trainingsgelände, konkret offenbar die Laufbahn, unserer Sportwissenschaftlichen Fakultät genutzt hat, gefällt uns gar nicht“, so die Uni. Eine Genehmigung habe es dafür nicht gegeben, auch eine Anfrage liege nicht vor.

Die Hochschule verweist auch auf den Fall von vor drei Jahren, als die Universität die Kampfsportveranstaltung verhinderte, indem sie den Nutzungsvertrag aufgekündigt hatte. Weitere Maßnahmen wolle man vorläufig nicht ergreifen. Die Uni-Kanzlerin Birgit Dräger sieht auf Nachfrage der akduell keinen Anlass für ein Hausverbot. „Wir möchten immer wieder betonen, dass wir uns von rechtsextremen politischen Ansichten deutlich distanzieren. Wir wollen Veranstaltungen rechtsextremer Gruppen keinen Raum bieten“, sagt sie. Die jüngste Aktion bewertet die Uni als Provokation. Eine Burg werde man aus der Uni allerdings nicht machen, zur Freiheit der Wissenschaft gehöre auch der freie Zugang zum Gelände.

Die Studierendenschaft erwartet weiterhin eine klarere Antwort auf die rechten Umtriebe am Campus. „Wir wollen uns gegen solche Tendenzen wehren“, sagen die Studierenden. Mit dem Training sei eine Grenze überschritten worden. Sorgen mache man sich folglich auch um die internationalen Studierenden. „Die schreckt sowas natürlich ab. Es ist ein Zeichen, dass es in Leipzig ebenfalls solche Probleme gibt und dass es ein Unsicherheitsgefühl ist, das hier geprägt wird“, erklärt Leible. Zudem habe das StuRa ja auch ein Referat für Antifaschismus, das sich um solche Fälle kümmere und von dem auch der offene Brief ausging. Eine Fotoaktion Mitte September solle zudem unterstreichen, dass die Studierenden Präsenz zeigen werden, wenn es nötig sei. Aus der Uni eine Burg zu machen, hatte übrigens niemand gefordert.
 

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