Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

HOCHSCHULPOLITIK

UDE-Kanzler Meinen im Interview

Kanzler Meinen (hier bei seiner Begrüßung im September) will ein Programm für Aufenthaltsflächen initiieren.

 [Foto: David Peters]

18.11.2019 16:33 - David Peters

Seit August ist Jens Andreas Meinen der neue Kanzler der Universität Duisburg-Essen (UDE). Wir haben mit ihm über die Herausforderungen des neuen Jobs, die Studierenden und gesellschaftliche Verantwortung in Zeiten von Fridays for Future gesprochen.

ak[due]ll: Herr Meinen, Sie sind seit dem 1. August im Amt, wie haben Sie sich bisher an der UDE eingelebt?

Meinen: Ich habe mich sehr gut eingelebt. Ich fühle mich auch sehr gut aufgenommen, werde breit unterstützt und laufe als neuer Kanzler überall offene Türen ein. Das fühlt sich gut an und macht viel Spaß. Es ist natürlich eine große Universität, die man erstmal verstehen muss, auch 5.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind eine ganze Menge und von daher dauert es sicherlich noch ein wenig, bis ich alle Facetten und Bereiche der Universität kenne. Ich glaube aber, schon einen guten Überblick bekommen zu haben. Am Anfang muss man sich auch mit den „Spezialitäten“ der Universität vertraut machen, aber bislang hatte ich keine größeren Herausforderungen, mit denen ich nicht gerechnet hätte.

ak[due]ll: Sie waren vorher an der Fachhochschule Münster. Wo sehen Sie die größten Unterschiede zur UDE?

Meinen: Es gibt schon gewisse Unterschiede zwischen Fachhochschulen und Universitäten. Ich kenne  aber auch aus meiner Tätigkeit an der Universität Osnabrück die Universitätslandschaft und ich war zweimal an Fachhochschulen tätig. Da gibt es Unterschiede: Sei es der höhere Stellenwert des Forschungsbereichs an Universitäten, sei es die schiere Größe oder Karrierewege, die Wissenschaftler an Universitäten oder Fachhochschulen haben, die sich unterscheiden. Aber es gibt auch viele gemeinsame Themen, wie die bauliche Entwicklung oder die Problematik der befristeten Beschäftigung.

ak[due]ll: Sie hatten angekündigt auch den Kontakt zu den Studierenden suchen zu wollen, wie sieht es damit bisher aus?

Meinen: Das hat aus terminlichen Gründen bisher noch nicht so gut geklappt. Ich habe jetzt mit dem AStA mehrere Termine vereinbart um ins Gespräch zu kommen. Die Studierenden sind einer, wenn nicht sogar der wichtigste Bestandteil einer Universität. Von daher ist es mir ganz wichtig, dort in den Austausch zu kommen und mal zu hören, wo den Studierenden ‚der Schuh drückt‘ und wie ich da als Kanzler etwas tun kann.

ak[due]ll: Der größte Teil der Amtszeit liegt noch vor Ihnen. Welche Projekte haben Sie sich vorgenommen?

Meinen: Es zeichnen sich bereits einige Dinge ab. Das sind unter anderem die Digitalisierung. Wie setzen wir die Prozesse, die wir in der Verwaltung haben, vernünftig und nutzbringend mit den Möglichkeiten der Digitalisierung um? Auch die bauliche Entwicklung der UDE ist ein zentraler Punkt. Wie gehen wir mit den Sanierungsvorhaben um? Wie gehen wir mit Forschungsbauten um? Ich möchte ein kleines Programm für Aufenthaltsflächen initiieren. Gerade für die Studierenden, wo sie sich in Ruhe hinsetzen und arbeiten können, damit sie eben nicht mit dem Laptop auf den Knien auf der Heizung sitzen müssen. Wir werden deshalb uns auch die bestehenden Flächen genauer anschauen, ob man in den langen Fluren etwas machen könnte. Auch die Orientierung ist insbesondere in Essen ein beliebtes Thema. Der Campus soll als Aufenthaltsraum erlebbar werden. Die neue Mensa in Duisburg wird hoffentlich für eine ganz andere Campusatmosphäre sorgen. Bei diesen Projekten will ich die Studierenden miteinbeziehen, damit wir nicht am Bedarf der Studierenden vorbeiplanen. Es ist mir sehr wichtig, dass wir studentisches Leben am Campus haben und dieses auch fördern.
Natürlich ist auch die Personalgewinnung und -entwicklung für die UDE als Arbeitgeber ein wichtiges Thema.

ak[due]ll: Die Uni DUE ist die Universität mit zwei verschiedenen Standorten. Wie kann man das noch näher zusammenbringen?

Meinen: Das Thema der zwei Standorte wird immer sehr hervorgehoben, aber wenn man sich andere große Universitäten anguckt, die über die ganze Stadt verteilt sind, dann haben die ganz ähnliche Probleme. Ich habe auch schon von den Problemen mit den Shuttlebussen gehört. Wenn die Nachfrage wirklich so ist, dass es zu Engpässen kommt, muss man sich das nochmal ansehen. Ich habe aber auch viel positives gehört. Ich werde es demnächst mal selbst ausprobieren.

ak[due]ll: Die StuPa-Wahlen stehen bevor. In den letzten Jahren war die Wahlbeteiligung sehr schlecht. Sind die Studierenden unpolitischer geworden?

Meinen: Es wird jungen Menschen gerne vorgeworfen, dass sie weniger politisch interessiert seien, aber da glaube ich nicht dran. Ich bin seit 17 Jahren im Hochschulbereich tätig und die Wahlbeteiligungen bei den Studierenden waren schon immer schlecht. Das ist sehr schade, aber woran das liegt kann ich nicht genau sagen. Wir haben ja auch schon mal überlegt, ob wir auf Onlinewahlen umstellen, das wird teilweise sehr kritisch gesehen, aber vielleicht wäre das eine Lösung, um eine höhere Wahlbeteiligung zu erreichen. Ich glaube aber, dass die UDE da nicht schlechter dasteht als andere Universitäten. Es ist schade, weil es eine Möglichkeit der Studierenden ist, sich an der Hochschulpolitik hier zu beteiligen und auch Entscheidungen, die sie betreffen, zu beeinflussen.

ak[due]ll: Aktuell sind Themen wie Klimaschutz, gerade durch Fridays for Future, sehr präsent. Ist man da als Universität auch in der Verantwortung?

Meinen: Wir sind da in einer  großen Verantwortung. Fridays for Future wird gerade sehr stark von Schülern geprägt. Diese Schüler werden die sein, die in zwei oder drei Jahren an den Universitäten sind und die Fragen, die sie jetzt auf der Straße stellen auch hier in der Hochschule stellen werden. Was können wir konkret leisten? Sei es die Energieversorgung oder die Fragen der Mobilität. Als ehemaliger Münsteraner frage ich mich natürlich auch, ob wir hier im Ruhrgebiet nicht auch mal die Mobilität anders denken müssten. Also nicht immer nur ans Auto denken. Ich habe selbst zwei Töchter, bei denen ich merke, dass sie sehr kritisch mit meiner Generation umgehen und fragen: ‚Wieso kümmert ihr euch nicht?‘. Teilweise ist das natürlich überspitzt, aber die Frage ist auch berechtigt. Wir müssen uns im Bezug auf den Klimaschutz anders aufstellen und auch als Universität können wir da einen Beitrag leisten. Wir haben als UDE das Thema Nachhaltigkeit auf die Tagesordnung gesetzt und werden das als Rektorat sicherlich auch nochmal aufgreifen.

ak[due]ll: Apropos Mobilität, wie kommen Sie denn eigentlich zur Arbeit?

Meinen: Ich fahre mit der U-Bahn zur Universität. Ich wohne in Essen und merke natürlich auch, dass es für mich sehr einfach ist, wenn ich in die U-Bahn steige und nur ein paar Stationen fahren muss. Wenn man von weiter außerhalb kommt, dann hat man hier schnell Probleme. Da frage ich mich als Ruhrgebietsneuling, warum man im Bereich des ÖPNV nicht schon früher mehr getan hat. Da haben wir sicherlich noch Nachholbedarf. Ich versuche immer mehr auf das Auto zu verzichten und lege auch im Privaten viele Wege zu Fuß oder mit dem Rad zurück.

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