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HOCHSCHULPOLITIK

Transplantationsskandal: Senatsvorsitzender verteidigt Kollegen

(Foto: mallix/flickr.com / CC BY 2.0 / https://flic.kr/p/6v8VNL)

12.09.2018 08:55 - Daniel Veutgen

Nachdem bereits im Sommer 2017 eine Kommission Unregelmäßigkeiten bei Lebertransplantationen im Essener Uniklinikum festgestellt hatte, wurde am Dienstag, 4. September, der Direktor der Klinik für Transplantationschirurgie festgenommen. Auf der Senatssitzung in Essen äußerte sich Vorsitzender Ulf Dittmer, der selbst am Uniklinikum tätig ist, drei Tage nach der Verhaftung zu den Vorwürfen.

Die Staatsanwaltschaft Essen erhebt schwere Vorwürfe gegen einen 61-jährigen Chirurgen des Essener Uniklinikums: Verstoß gegen das Transplantationsgesetz, gefährliche Körperverletzung in fünf Fällen sowie in einem Fall Totschlag. Der Mediziner soll von 2012 bis 2015 bei sechs Patient*innen Lebern transplantiert haben, obwohl ein hohes Risiko bestand, dass sie nicht überleben. Ein*e Patient*in verstarb bei der Operation. Der Chirurg bestreitet die Vorwürfe. Der Fall wird auch an der Universität Duisburg-Essen (UDE) diskutiert. Jüngst äußerte sich Vorsitzender des Senats Ulf Dittmer.

Dittmer ist dabei nicht nur Vorsitzender des Senats an der UDE. Er ist auch Professor an der Medizinischen Fakultät, arbeitet am Uniklinikum im Institut für Virologie und

Die NRZ hatte den Fall als Aufhänger genutzt um über die gesunkenen Organspenden des vergangenen Jahres zu berichten. Auch in WAZ und FAZ las man davon, dass genau solche Fälle das Vertrauen von Spender*innen erschüttern. Beide Nachrichtenorganisationen stießen auch eine Änderung der Gesetzeslage sowie strengere Regelungen für Mediziner*innen an.

Natürlich mahnt Dittmer deswegen erst einmal zur Ruhe an. Schließlich steht auch der Erhalt des Transplantationszentrums am Uniklinikum Essen auf dem Spiel. Es ist bundesweite das größte. Man dürfe keine vorschnellen Urteile fällen, weil die Bewertung der Heilungsmethoden des Kollegen zu schwierig und komplex sei. Verständlich, dass Dittmer erst einmal den Ausgang des Verfahrens abwarten will. Dafür spart er nicht an anderer Stelle mit Kritik.

Man müsse die Fälle sicherlich prüfen, trotzdem gebe es bereits eine starke mediale Vorverurteilung. „Wie mit dem Kollegen in U-Haft umgegangen wird, übersteigt ihre Vorstellungskraft“, sagt Dittmer zu den anderen Senatsmitgliedern. Er werde „schlimmer behandelt“, als einige der übelsten Verbrecher in Nordrhein-Westfalen. „Wenn er bis zum Prozessbeginn in U-Haft bleiben sollte, wäre das schon ein Unding“, fügt er hinzu. Die Staatsanwaltschaft hatte den Mann in Untersuchungshaft genommen, da sie von Fluchtgefahr ausging. Man hat das Gefühl, dass die Solidarität Dittmers mit seinem Kollegen ausufert, betrachtet man noch einmal nüchtern die Vorwürfe gegen ihn. Seine Verteidigung geht jedoch weiter.

Zum einen seien Transplantationen in Deutschland stets von besonderer medialer Aufmerksamkeit begleitet. Wenn anstatt der Transplantation „eine halbe Leber entfernt worden wäre, hätte das niemand hinterfragt.“ Zum anderen gehe es um Patient*innen mit Leberkrebs. Da dieser konservativ nicht zu heilen sei, sei bei ihnen auch bei guter Prognose nicht von einer Heilung auszugehen. Es gehe also lediglich darum, wie lange die Patient*innen mit einer schonenderen Behandlung überlebt hätten. Das klingt fast so, als sei wildes Operieren an todkranken Patient*innen in Ordnung.  Die anwesenden Senatsmitglieder lassen Dittmers Aussagen im übrigen unkommentiert.

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