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HOCHSCHULPOLITIK

Der falsche Name auf dem Wahlzettel?

(Foto: Symbolbild: Matt Buck, flickr.com, CC BY-SA 2.0 )

26.11.2018 12:39 - Maren Wenzel

Bei der Wahl zum Studierendenparlament (StuPa) vom 26. bis 30. November werden Listen ausgehändigt, auf denen die Kandidat*innen und Listen gewählt werden können. Dieses Jahr ist aber etwas anders: Der Wahlausschuss lässt nur amtliche Namen zu. Das betrifft vor allem trans und nicht-binäre Menschen, die den bei der Geburt gegebenen Namen nicht mehr benutzen.

Das war in den vergangenen Jahren anders. Die Kandidat*innen konnten bisher bei der StuPa-Wahl neben ihrem amtlichen Namen immer einen weiteren Namen angeben. Wie mit diesen Namen konkret umgegangen werden soll, ist nicht in der Wahlordnung festgelegt. Jeder Wahlausschuss muss also jedes Jahr eine neue Entscheidung treffen. Der derzeitige Wahlausschuss entschied Ende Oktober, dass nur amtliche Namen gelistet werden.

Dass andere als die amtlichen Namen auf den Stimmzetteln stehen, ist zwar auch wichtig für Menschen, die Spitznamen haben, aber noch wichtiger für Menschen, die sich nicht mit dem bei der Geburt zugeordneten Geschlecht (meist männlich oder weiblich) identifizieren können und wollen. Ist das nicht möglich, werden sie diskriminiert und haben noch dazu einen Nachteil bei der Wahl.

„Sie sind mit ihrem richtigen Namen unter ihren Kommiliton*innen bekannt und nicht oder nur gegenüber wenigen Kommiliton*innen mit ihrem dead name bekannt. Daher werden diese Menschen weniger Stimmen erhalten, als sie bei Verwendung ihres richtigen Namens erhalten hätten“, erklärt Kandidat*in Niki* dazu. Wenn Niki „dead name“ sagt, dann meint sie den Namen, den ihr ihre Eltern gegeben haben, den sie aber nicht mehr nutzt.

Zwangsouting durch den Wahlausschuss

Das Problem ist nicht nur, dass potenzielle Wähler*innen Niki auf dem Stimmzettel nicht erkennen könnten. „Die Entscheidung dead names zu benutzen, finde ich schlecht, da dies zu einem Fremdouting durch den Wahlzettel führt, also das alleinige Nutzen des dead names Outings erzwingt.“ Das heißt: Lesen Kommiliton*innen, Dozierende oder Professor*innen den Wahlzettel und die Wahlergebnisse und sehen einen anderen Namen als Niki, könnten sie erfahren, dass sie trans ist. Niki wird damit die Möglichkeit genommen, es den Menschen selbst zu erzählen oder eben nicht – falls sie es nicht möchte.

Neben Nachteil und Outing verletzt es Niki auch, wenn man sie mit dem ehemaligen Namen anspricht. „Die Konnotation meines dead names mit dem männlichen Geschlecht ist dabei das verletzende für mich.“ Deniz* sieht das genauso: „Als nicht-binäre Transperson bekommt man eh überall zu spüren, dass man laut Gesetzeslage gar nicht existiert, nicht mal der momentane Gesetzesentwurf zur dritten Option lässt da eine Möglichkeit zu. Man ist immer auf den Good Will anderer angewiesen, sei es im Seminar, dass Dozierende einen mit dem selbstgewählten Namen aufrufen, sei es mit Behörden, Banken oder bei Arztbesuchen.“

„Die Konnotation meines dead names mit dem männlichen Geschlecht ist dabei das verletzende für mich.“

„Schlag in die Magengrube“

Auch Deniz tritt bei der StuPa-Wahl an und steht mit falschem Namen auf dem Zettel. Deniz sieht sich weder als männlich noch als weiblich. In der öffentlichen Wahrnehmung seien Transpersonen immer noch die Paradiesvögel, fehlerhaft, eine Abweichung von der Norm, so Deniz. Und für eine Person wie die nicht-binäre Kandidat*in, die nirgendwohin „transitionieren“, also wechseln könne, werde es dieses Problem immer geben, wenn sich daran nicht etwas ändere. „Ich muss halt immer und überall damit rechnen, dass genau sowas passiert. Das es jetzt bei der StuPa-Wahl genauso ist, ist halt ein Schlag mehr in die Magengrube“, sagt Deniz.

Die konstante Nicht-Anerkennung führe dazu, dass man sich zurückziehe. Die Isolation und Ausgrenzung führten zu psychischen Problemen wie Depressionen. „Man findet sich damit ab, dass man gegen Wände rennt, immer und immer gegen dieselben Widerstände ankämpfen muss, in einer Bittsteller*innen-Position ist. Und das kostet Kraft. Viel Kraft“, sagt Deniz. Manchmal könne man die Kraft dann nicht mehr aufbringen, finde sich damit ab und resigniere – obwohl das nicht so sein sollte. „Es bleibt von einem selbst nichts mehr übrig. Das führt soweit, dass man am öffentlichen Leben, an Wahlen, gar nicht mehr teilnehmen will. Man steckt einfach fest, irgendwo, wo man nicht sein will“, erklärt Deniz.

Ende dieser Diskriminierung in Sicht

Auf Anfrage der akduell, entschuldigt sich die Vorsitzende des Wahlausschusses, die die StuPa-Wahl mitorganisiert: „Es tut uns wahnsinnig leid. Die Betroffenen haben absolut Recht, wir hätten zu der Sitzung, auf der das entschieden wurde, transparenter einladen können“, so Celina Solano. Man hätte sich nach den Wahlen zum Bundestag gerichtet, bei der nur amtliche Namen und keine „Spitznamen” verwendet würden und dabei nur an Namensabkürzungen und nicht an Transpersonen gedacht. Für Solano sei das Thema Neuland gewesen, denn in den vergangen Jahren sei es wegen der Möglichkeit mehrere Namen anzugeben, gar nicht aufgekommen.

Auf die Frage, ob nicht doch noch eine Ausnahmeregelung für Betroffene hätte organisiert werden können, antwortet Solano, dass es dafür zu spät gewesen sei. Sie und die acht weiteren Mitglieder des Ausschusses befürchten dadurch Ungleichbehandlungen: „Wir wissen nicht, wer zusätzlich einen Spitznamen oder tatsächlich aufgrund des Geschlechts einen anderen Namen angegeben hat“, erklärt sie. Bekämen nun einzelne die Möglichkeit, einen anderen Namen anzugeben, hätten diejenigen das Nachsehen, die davon nicht wussten und nur ihren amtlichen Namen angegeben hatten. Solano wünscht sich, dass es für die Zukunft in der Wahlordnung fest geregelt werde, damit sich der Fehler nicht wiederhole.

Und das könnte auch passieren, denn Niki, eine der betroffenen Kandidat*innen, wird im Studierendenparlament einen Antrag auf Änderung der Wahlordnung stellen. Damit wäre dann zumindest auf den Wahlzetteln der StuPa-Wahlen an der UDE ein Ende der Diskriminierung von Transpersonen in Sicht.

*Namen der Redaktion bekannt

I’m too old for this shit – Ich bin zu alt für diesen Scheiß

Hört auf euch alt zu fühlen, ihr seid keine 65. Und nehmt meine Sorgen ernst, auch wenn ich in euren Augen noch viel Zeit habe.
 

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