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HOCHSCHULPOLITIK

Teureres NRW-Ticket: So argumentiert der Anbieter

Bahnfahren wird für Studierende immer teurer. [Foto: Jacqueline Brinkwirth]
01.02.2021 11:30 - Sophie Schädel

Das NRW-Semesterticket soll teurer werden – wieder einmal. Das macht, gerade während der Coronakrise, viele Studierende wütend. Wir haben mit den Verkehrsbetrieben und dem Landes-ASten-Treffen über das Für und Wider der Preiserhöhung gesprochen.

Das Semesterticket soll teurer werden. Der Nahverkehrsanteil für Fahrten im VRR bleibt gleich, doch das NRW-Ticket wird im Sommersemester 57,40 Euro kosten, 1 Euro mehr als zuvor. Danach soll es sich bis 2024 schrittweise weiter verteuern. Insgesamt soll es bis zum Sommersemester 2023 dann 61,50 Euro kosten, also 5,10 Euro mehr als zuletzt. In der Kritik steht unter Studierenden und in der Studierendenvertretung, also Parlament und Studierendenausschuss (AStA), dass das Ticket gerade jetzt teurer wird. Das Problem: Die Coronapandemie sorgt für geschlossene Hochschulen und ein Studium im Homeoffice. Zusätzlich hat sie viele Studierende durch Jobverluste in einen finanziellen Engpass gebracht. 

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Die Preiserhöhung hält der Verkehrsverbund Rhein-Sieg trotzdem für gerechtfertigt. Pressesprecher Benjamin Jeschor argumentiert stellvertretend für alle Verkehrsverbünde in NRW, die gemeinsam das Semesterticket anbieten: „Auch wenn zurzeit vielerorts keine Präsenzveranstaltungen in den Hochschulen stattfinden, ist die Nutzung des ÖPNV für Freizeitfahrten und andere Zwecke weiterhin möglich“, begründet Jeschor die Entscheidung. „Mit der nahezu vollständigen Aufrechterhaltung des ÖPNV-Angebots fallen laufende Fixkosten bei den Verkehrsunternehmen an, die durch die pandemiebedingt stark gesunkenen Einnahmen durch andere Ticketverkäufe nicht kompensiert werden können.“

Die Einnahmen der nordrheinwestfälischen Verkehrsbetriebe seien im vergangenen Jahr durch Corona in einigen Ticketsegmenten um teilweise bis zu 95 Prozent gesunken, berichtet Jeschor. „Preismaßnahmen, wenn auch moderat, leisten einen wichtigen Beitrag zur Finanzierung.“ Daher habe man sich dagegen entschieden, das Ticket weiterhin zum aktuellen Preis anzubieten. Außerdem sei die Erhöhung niedriger als zuvor geplant war: Man habe vor vier Jahren geplant, so Jeschor, dass das Ticket 2021 58,50 Euro kosten sollte; nun kostet es nur 57,40 Euro.

AStA muss immer häufiger finanziell einspringen

Wenn sich Studierende das Ticket nicht leisten können, hat das frappierende Folgen: Da die Bezahlung an die Rückmeldung für das anstehende Semester gekoppelt ist und aufgrund der Solidarstruktur niemand aus dem Ticket aussteigen kann, führt eine Zahlungsunfähigkeit zur Exmatrikulation. An der Universität Duisburg-Essen (UDE) springt der AStA mit einem Härtefallfonds ein und übernimmt auf Antrag zumindest bei den Studierenden, die unvorhergesehen in einen finanziellen Engpass geraten sind, die Zahlung für das Ticket. In der Coronakrise nahmen das viel mehr Studierende in Anspruch, berichtet AStA-Finanzreferent Pascal Winter. 

 „Normalerweise benötigen wir für diese Härtefälle 40.000 Euro pro Haushaltsjahr, und damit war der Posten auch eingeplant.“ Über das Haushaltsjahr verteilt war der Topf immer wieder leer und musste aus den Geldern des AStA aufgefüllt werden. Insgesamt landete die Kostenstelle so bei satten 215.000 Euro. Amanda Steinmaus sieht dringenden Änderungsbedarf. Die Koordinatorin vom Landes-ASten-Treffen (LAT), in dem auch der AStA der UDE vertreten ist, befürchtet: „Wenn der Preis über kurz oder lang ins Unermessliche steigt, können sich das gerade die nicht mehr leisten, die als Erste aus ihrer Familie studieren.“

Solidarticket bleibt günstiger als Alternativen

2013 kostete das NRW-Ticket 44 Euro. Seither stieg der Preis jährlich um jeweils rund  2 Euro und betrug zuletzt 56,40 Euro. Nun soll die schrittweise Verteuerung bis 2023 fortgesetzt werden bis zu einem Preis von 61,50 Euro. Damit hätte sich das Ticket innerhalb von zehn Jahren um fast die Hälfte verteuert. Das Semesterticket ist aber immer noch weitaus günstiger als vergleichbare Tickets für Nichtstudierende. Das wird nur dadurch möglich, dass es ein Solidarticket ist: Alle Studierenden einer Universität bezahlen es, egal ob sich das für jede:n Einzelnen von ihnen individuell lohnt. Dadurch ist das Ticket vergleichsweise günstig für alle. „So rechnet sich das SemesterTicket NRW beispielsweise bereits bei drei Fahrten pro Monat in der VRR-Preisstufe C oder nur einer Fahrt im NRW-Tarif von Duisburg nach Köln und zurück“, rechnet Jeschor vor. 

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Amanda Steinmaus koordiniert das ASten-Treffen NRW. [Foto: Lorenza Kaib]
 

Sollten sich die Verkehrsbetriebe auf Verhandlungen mit den Studierendenvertretungen NRWs einlassen, könnten diese eine starke Verhandlungsposition haben: Nach Angaben der Verkehrsbetriebe nutzen aktuell rund 600.000 Studierende das NRW-Semesterticket. Sie machen rund 37,6 Prozent im Einnahmenanteil aus dem NRW-Tarif aus.

Das Landes-Asten-Treffen schmiedet Pläne, um gemeinsam gegen die Preiserhöhung vorzugehen. Welche Pläne das sind, kann Steinmaus noch nicht verraten. Sie fordert allerdings jetzt schon: „Der Semesterbeitrag darf nicht endlos weiter steigen. Das Land muss eingreifen und Verantwortung übernehmen.“ Damit meint sie nicht nur die Ticketpreise: „Es geht auch um einen gut ausgebauten, für alle zugänglichen Nahverkehr allgemein und um Bildungsgerechtigkeit und Hochschulzugang.“
 

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