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HOCHSCHULPOLITIK

Studierendenwerk: „Es ist ernst, aber nicht hoffnungslos“

25.09.2018 12:49 - Maren Wenzel

Immer noch keine neue Mensa in Duisburg, Preiserhöhungen in den Wohnheimen, geschlossenes KKC: Das Studierendenwerk Essen-Duisburg hat massive Baustellen. Jetzt hat ein alter Bekannter, Jörg Lüken, als Interimsgeschäftsführer die Leitung übernommen. Der Vorsitz des Verwaltungsrats nennt die Situation im Werk derweil „ernst“ und Studierendenvertreter*innen hoffen zumindest auf Besserung.

Eine neue Mensa ist eigentlich eine schöne Idee. Sie stammt noch von Jörg Lüken, der zuletzt bis 2012 das Studierendenwerk Essen-Duisburg geleitet hatte. Nur ist nichts passiert, nicht mal ein Spatenstich. „Die Mensa war mit 4000 Essen geplant. Das sind eigentlich Spitzenwerte, sonst waren wir bei 2000 bis 2500 Essen. Die Grundlage der Kalkulation hat dazu geführt, dass die Mensa zu groß geworden wäre“, erklärt Joey Strasdat, Vorsitz im Verwaltungsrat des Studierendenwerks.

Statt der ursprünglich geplanten 24 Millionen war die Rede von 40 Millionen Euro: „So eine große Summe ist für das Studierendenwerk nicht realisierbar“, sagt auch der neue Geschäftsführer Lüken, der sich über die Kalkulation wundert. Jetzt gehe man von 3.000 Essen aus. Wie teuer die Mensa jetzt wird, wolle Lüken noch nicht verraten. Man sei mit Vollgas am Projekt. Studierendenvertreter*innen bezeichnen die Versorgungssituation seit der Schließung der Mensa im L-Bereich derweil als desaströs. Es sei nicht möglich, innerhalb einer halben Stunde zur Mensa und wieder zurück zu gehen und dann noch etwas zu essen, so Amanda Steinmaus, Vorsitzende des Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA).

KKC: Bald wieder offen?

Ebenfalls Stillstand herrscht beim Kunst- und Kulturcafé KKC, das seit dem Wintersemester 15/16 geschlossen ist. Die kulturelle Einrichtung auf dem Campus Essen wurde bis 2012 in einer GmbH von Studierendenvertreter*innen eines ehemaligen AStAs betrieben, dann übernahm das Studierendenwerk diese unter der Leitung Lükens. 2013 übernahm Sabina de Castro, Lükens Nach- und Vorgängerin, und schloss es später. Wegen Brandschutzmängeln durften nur noch 199 statt 800 Studierende gleichzeitig den Raum nutzen. Eine Sanierung würde in die Millionen gehen.

Lüken will eine kleine Kehrtwende: „Ein Betrieb auf kleiner Flamme würde zunächst ausreichen. Da möchte ich eigentlich wieder hinkommen.“ Auf einen Wiedereröffnungstermin wollte er sich nicht festnageln lassen – auch dort seien zu viele Zusagen gemacht worden. Eine Kooperation mit dem AStA sei denkbar. „Der AStA möchte auf jeden Fall insofern kooperieren, als dass wir gemeinsam mit dem Studierendenwerk Konzepte für das KKC diskutieren möchten“, sagt dazu Studierendenvertreterin Steinmaus. Was dabei herauskomme, sei unklar, aber auch ihr Ziel sei, das KKC so gut wie möglich schnell wieder nutzbar zu machen.

Auch die Wohnheime stehen in der Kritik. Zimmer im Rahmen der BAföG-Wohnpauschale von 250 Euro seien mehr als rar, meint Steinmaus. „An den Mietpreisen ist nichts schönzurechnen, wenn man bedenkt, in welchem Zustand einige Wohnheime sind, die sich in der mittleren Preiskategorie befinden“, so die AStA-Vorsitzende. Strasdat aus dem Verwaltungsrat pflichtet bei: „Es gibt nur ein Wohnheim, dass unter 300 Euro liegt. Das teuerste  über 400 Euro. Politisch gesehen ist das ein Unding. Der Auftrag ist ja, günstigen Wohnraum zu schaffen.“ Erfüllt das Studierendenwerk noch seinen sozialen Auftrag? Darauf sagt Lüken: „Wir haben ja auch den Auftrag, diesen Wohnraum überhaupt anzubieten. Das tun wir.“

Das Werk müsse die Wohnheime kostendeckend betreiben. „Unsere Mieten sind inklusive Nebenkosten. Die meisten Zimmer werden möbliert vermietet. Wenn man die Kosten für Strom, Internet und TV von der Gesamtmiete abzieht, liegt man schon ganz woanders“, so der Interimsgeschäftsführer. Dazu käme eine hohe Fluktuation – also viele Aus- und Einzüge – von 20 bis 25 Prozent, die das Mobiliar stark abnutze.

Die Bedingungen bekäme man vom Land NRW serviert. „Gerade beim Thema Wohnanlagen hat das Land früher mehr dazu gegeben. Heute läuft vieles über Kreditaufnahmen“, so Lüken. In Essen habe man neue oder sanierte Wohnheime in Toplagen. „Das Studierendenwerk sollte stärker den Fokus auf bezahlbaren Wohnraum für finanziell knapp ausgestattete Student*innen legen“, sagt dagegen Steinmaus vom AStA. Einig sind sich der neue Geschäftsführer und die Studierenden bei den Preiserhöhungen in den Wohnheimen: Diese seien zu abrupt gewesen.

Auf Kredit: Zimmer in Toplagen

Möchte man ein Bild bemühen, wären die Probleme des Studierendenwerks Gerichte in der Mensa und Jörg Lüken hätte ein mehr als volles Tablett zu tragen. Und nicht nur eines: Nebenbei leitet er noch das Akademische Förderungswerk in Bochum (AKAFÖ). In Essen ist er nach dem Ausscheiden de Castros als Zwischenlösung nur in Teilzeit angestellt. Im Januar soll eine Nachfolge gefunden sein. Strasdat aus dem Verwaltungsrat kommentiert den knapp bemessenen Zeitraum mit „sportlich“. Lüken ist daran gelegen, Fettnäpfchen für die Nachfolge zu beseitigen. Ob er länger bleibe, werde man sehen.

„Es ist ernst, aber nicht hoffnungslos. Wenn man jetzt Entscheidungen trifft, kann das alles behoben werden“, schätzt Strasdat die Situation ein. Die Studierendenvertreterin Amanda Steinmaus hofft, „dass Maßnahmen ergriffen werden, um die verschiedenen Probleme schnell zumindest zu lindern.“ Lüken will sich erst ein Bild machen. „Ich bin aber immer optimistisch. Das würde ich mir auch nicht nehmen lassen.“, kommentiert Lüken. Auch wenn seine Anfangsphase holprig sei.

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