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HOCHSCHULPOLITIK

Streit um das Bochumer Semesterticket

14.11.2018 16:50 - Sophie Schädel

Der Bochumer Studierendenausschuss (AStA) sieht sich schweren Vorwürfen ausgesetzt. Er soll wichtige Informationen zum Semesterticket verspätet und falsch an Studierende und Studierendenparlament (StuPa) kommuniziert haben. Die Liste GRAS postet nun eine Zusammenfassung geleakter Mails und wirft dem AStA Versagen und eine schlechte Fehlerkultur vor.

Seit dem 01. Oktober müssen Studierende der Ruhr-Universität Bochum (RUB) im VRR statt dem Ausweis auch das ausgedruckte NRW-Ticket vorzeigen. Schon seit Jahren war klar, dass der Studierendenausweis bald nicht mehr gelten würde. Daher verhandelten AStA, Bogestra und die Universitätsverwaltung über Alternativen. Doch dabei machte der AStA entscheidende Fehler.

„Aus dem Umfeld des AStA wurden uns Mails zugespielt, als wir versucht haben, an Infos zu kommen“, erklärt Lennart Brinkmann, der für die Liste GRAS in der Opposition des Bochumer StuPa sitzt. Eine Zusammenfassung der Informationen in Form eines Zeitstrahls hat die Liste auf Facebook veröffentlicht. Sie zeigen, dass die Gesprächsrunde mit den drei Verhandlungspartner*innen bereits im April davon sprach, dass das Semesterticket auf dem Studierendenausweis ab Oktober nicht mehr gültig sein würde, so Brinkmann. Bei diesem Termin habe die Bogestra laut Mails auch eine Alternative angeboten: das Ticket per App und PDF, ähnlich der Lösung an der UDE.

AStA versäumt Fristen

Der AStA sollte bis Ende Mai die Studierendenschaft zu diesem Angebot befragen.  Diese Frist versäumte er laut dem Leak und bekam eine Erinnerungsmail der Bogestra mit einer zweiten Frist für Mitte Juni. „Zum Glück hat sich die Bogestra erbarmt, noch einmal abzuwarten“, sagt Brinkmann.

Der AStA vertröstet die Verkehrsbetriebe jedoch noch einmal bis zur nächsten StuPa-Sitzung Ende Juni, da das StuPa noch kein Votum zur App-Lösung angegeben habe. Das StuPa konnte allerdings noch gar nicht abgestimmt haben: Der AStA hatte das Angebot der Bogestra dort mit keinem Wort erwähnt, obwohl das Parlament seit der Gesprächsrunde zweimal getagt hatte. Auch der AStA hatte sich in der Zwischenzeit viermal getroffen, sein Vorstand ebenfalls.

Mangelnde Fehlerkultur im AStA

Bei der nächsten StuPa-Sitzung am 20. Juni schließlich spricht der AStA über das Angebot der Bogestra. „Aber heute wissen wir, dass der AStA das grandios falsch dargestellt hat“, ärgert sich Brinkmann. Laut AStA habe die Bogestra nämlich das Ticket ausschließlich per App vorgeschlagen, ohne Alternative für Studierende ohne Smartphone. „Darum haben wir das Angebot im StuPa einstimmig abgelehnt“, erklärt Brinkmann. Der AStA meldete der Bogestra daraufhin zurück, leider müsse man mitteilen, dass die Studierendenschaft das Angebot, vor allem wegen mangelnder Alternativen für Studierende ohne Smartphone, abgelehnt habe.

Die Verkehrsbetriebe reagierten irritiert, schließlich wurde auf ihr Angebot des Tickets per PDF und Ausdruck neben der App überhaupt nicht eingegangen. „Ein paar Tage später hat die Bogestra dem AStA noch einmal den Alternativvorschlag aus den Gesprächen im April gemailt“, fasst Brinkmann den Leak zusammen. Selbst wenn dem AStA also das Angebot der Bogestra vom April durch ein Missverständnis oder Versehen nicht ganz klar gewesen sollte, wusste er spätestens hier von der möglichen Alternative zum reinen App-Ticket.

Doch der AStA informierte das StuPa weiterhin nicht über die eigentliche Lage und korrigierte die Fehlinformation nicht. „Da frage ich mich schon, was sich der AStA gedacht hat“, kritisiert Brinkmann. „Statt einen kleinen Fehler zuzugeben, hat der AStA gewartet, bis er immer größer wurde“, bemängelt Brinkmann. „Das liegt an der Abwesenheit von Fehlerkutur in der aktuellen Koalition. Man hat einfach den Kopf in den Sand gesteckt.“

Verspätete Information an die Studierenden

Weitere vier Monate samt Sitzungen von Parlament und Ausschuss verstreichen so. Am 13. September, zwei Wochen vor der Umstellung, informiert die RUB die Studierenden schließlich im Alleingang per Newsportal und Rundmail. Der AStA teilt in den Tagen danach die Information auf seinen Kanälen, äußert sich jedoch zum Hergang nicht.

Dass alles so kurzfristig und ohne für StuPa und Studierendenschaft transparente Gespräche kommuniziert wird, führt zu Problemen. „Früher reichte für Fahrten im Nahbereich der Studierendenausweis“, erklärt Brinkmann. Nun müssten viele Studierende Bearbeitungsgebühren zahlen, weil sie durch mangelnde Kommunikation ohne gültiges Ticket fahren, so der Parlamentarier. „Die Gebühren dafür sollte der AStA übernehmen“, fordert GRAS nun.

AStA ruft Polizei, um Information zu stoppen

Nach dem Newsletter der RUB bekommt die Liste GRAS Einsicht in die Mails des AStA und bringt Ausdrucke daraus zur nächsten StuPa-Sitzung am 30. Oktober mit, um den Rest des Parlaments zu informieren. AStA-Vorsitzende Zeynep-Fatma Dikmann von der Internationalen Liste (IL) versucht, die Verteilung der Mails zu verhindern, und ruft die Polizei. Die Beamt*innen fahren jedoch unverrichteter Dinge wieder ab, da sie keinen Handlungsbedarf sehen. „Das war eine Strohfeuer-Aktion, um vom eigenen Fehler abzulenken, und um die Opposition mit Repression zu behindern“, beschuldigt Brinkmann den AStA.

„Da war dann großer Aufruhr“, erinnert er sich an die Sitzung. „Der AStA hat sich der Diskussion komplett verweigert und nur eine vorformulierte Stellungnahme verlesen, in dem die Falschinformation zum Angebot der Bogestra wiederholt wurde.“ Ein Versuch, die eigenen Fehler zu vertuschen, vermutet Brinkmann – und fühlt sich machtlos. „Die Sitzung ging nach der Weigerung, über das Ticket zu sprechen, einfach mit anderen Themen weiter. Mehr als auf den Fehler hinzuweisen, konnten wir da nicht tun. Wir fordern jetzt sofort ein App-Ticket und mittelfristig die Reintegration des Tickets auf den Studierendenausweis.“

Der AStA war trotz mehrfacher Kontaktversuche bis Redaktionsschluss für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Wofür gibt der AStA das Geld der Studis aus?

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