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HOCHSCHULPOLITIK

Semesterticket soll teurer werden

Bahnfahren – für Studierende ein immer teureres Vergnügen. [Fotos: David Peters]
21.01.2021 15:48 - Sophie Schädel

Über alle Listengrenzen hinweg sprachen bei der StuPa-Sitzung Parlamentarier:innen ihren Unmut über die geplante Preiserhöhung aus. Der Preis soll über mehrere Jahre schrittweise steigen. NRW-weit beraten nun Studierendenvertreter:innen gemeinsam über mögliche Gegenmaßnahmen.

Das wollen Mitglieder der Studierendenvertretung nicht mit sich machen lassen: Das NRW-Ticket soll teurer werden. Im kommenden Sommersemester soll das Ticket 57,40 Euro kosten, 1 Euro mehr als zuvor, und sich dann bis 2024 schrittweise weiter verteuern. Der Mobilitätsbeitrag für NRW- und VRR-Ticket wird mit 209,38 Euro auch im kommenden Sommersemester mit Abstand der teuerste Posten im Semesterbeitrag an der Universität Duisburg-Essen (UDE) sein. Insgesamt soll das Ticket bis zum Sommersemester 2023 dann 61,50 Euro kosten, also 5,10 Euro mehr als bislang. Und bislang ist nicht bekannt, ob die Verkehrsunternehmen das NRW-Ticket danach noch weiter verteuern wollen. 

Wie teuer soll das NRW-Ticket werden?

SS 2021               57,40 Euro
SS 2022               59,40 Euro
SS 2023               61,50 Euro

Dass die Studierenden ausgerechnet in der Pandemie mehr zahlen sollen, obwohl die Unis geschlossen sind und viele Studierende ihre Jobs verloren haben, löste auf der vergangenen Studierendenparlamentssitzung (StuPa) Unverständnis aus. „Ich finde es sehr gut, etwas dagegen zu tun, gerade wenn die Verkehrsunternehmen versuchen, trotz Corona eine Erhöhung durchzuziehen“, sagte Carlotta Behle (Grüne Hochschulgruppe, GHG). „Viele Studierende sind durch die Krise in einer prekären Situation, und wir nutzen die Tickets gerade oft sowieso kaum.“

Auch aus der Opposition im StuPa waren nur negative Stimmen zum Preisanstieg zu hören. „In der Pandemie konnten viele ihr Monatsticket aussetzen. Das konnten wir nicht“, kritisierte auch Jonathan Berrisch (Liberale Hochschulgruppe, LHG). „Die Unternehmen profitieren also massiv von uns, weil wir gerade jetzt in der Pandemie sicheres Geld bringen. Schade, dass wir trotzdem weiter belastet werden sollen.“ Sein Listenkollege Johannes Brill war optimistisch, dass sich für Gegenmaßnahmen im Parlament eine Mehrheit finden dürfte. „Da müssen wir auf jeden Fall etwas machen. Ich werde versuchen, über den Landesverband der Liberalen Hochschulgruppen zu gehen, damit wir unseren Draht in die Landesregierung nutzen.“ Beata Broda vom RCDS kündigte an, über ihre Liste die CDU-Fraktion in der Landesregierung anzusprechen, um so Einfluss auf die Verkehrsunternehmen nehmen zu lassen.

Ganz auf das NRW-Ticket verzichten?

Der Mobilitätsreferent des Allgemeinen Studierendenausschusses Gustav Berger (GHG) erklärte die formalen Hintergründe: „Beim VRR-Ticket wird der Vertrag über längere Zeit abgeschlossen. Wenn der Preis erhöht werden soll, muss ein neuer Vertrag her.“ In solchen Fällen könnte die Studierendenschaft in Verhandlungen mit dem Anbieter eintreten. „Beim NRW-Ticket erhöht sich der Preis aber einfach konstant“, echauffierte sich Berger. Die anstehende schrittweise Verteuerung steigt sogar in den kommenden Semestern, darum sprach Berger von einem exponentiellen Preisanstieg. „Das kann dann also eine steile Kurve werden“, warnte er. 

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Vielleicht sollen am Ende die Studierenden selbst entscheiden, ob ihnen das Ticket den Preis wert ist.
 

Gegen die erste Erhöhung zum anstehenden Sommersemester kann niemand mehr etwas unternehmen. Die geplante Preissteigerung wurde dem Präsidium des Parlaments erst so spät mitgeteilt, dass es am selben Tag noch zustimmen musste. Normalerweise wird diese Zustimmung vom gesamten StuPa erteilt, doch die Rückmeldephase und damit die Zeit, in der UDE-Studierende den Semesterbeitrag inklusive Ticket bezahlen, hatte schon begonnen. In solch eiligen Fällen kann das Präsidium stellvertretend für das StuPa abstimmen. Einfach abzulehnen war in diesem Schritt keine Option, denn das hieße, dass die Studierenden kein Ticket mehr hätten. Dafür wäre eine Urabstimmung nötig, an der große Teile der Studierendenschaft teilnehmen müssten. Nur wenn viele von ihnen lieber auf das NRW-Ticket verzichten wollen, als den steigenden Preis zu zahlen, kann das Parlament dem folgen.

Studiengebühren 2.0

Ob das ausgerechnet im auf Mobilität angewiesenen Nordrhein-Westfalen der wahrscheinliche Ausgang einer solchen Urabstimmung sein könnte, ist ungewiss. Die Verkehrsunternehmen wissen das sicherlich, was die Verhandlungsposition der Studierendenvertretung schwächen dürfte. Berger sieht hier jedoch eine Möglichkeit: Angesichts der teureren Preise könnten viele Studierende bereit sein, auf das NRW-Ticket zu verzichten, da sie ohnehin die häufigsten Fahrten mit dem VRR-Ticket erledigen können. Gerade die an der Pendeluniversität UDE wichtige Verbindung zwischen Essen und Duisburg bliebe damit weiterhin mit dem günstigen Ticket auf Solidarbasis möglich.
Seine Listenkollegin Amanda Steinmaus warnte davor, dass der Preisanstieg beim Ticket und ein ebenfalls anstehender wachsender Beitrag für das Studierendenwerk sich bald wie Studiengebühren auswirken könnten – ein System, gegen das Studierendenvertretungen in Deutschland lange bis zu seiner Abschaffung protestierten, da es den Zugang zu Universitäten für Geringverdienende zusätzlich erschwerte. 

Nicht nur an der UDE regt sich daher Widerstand. Das Landes-ASten-Treffen (LAT) hat sich bereits bei einem Treffen mit der Frage befasst, was NRWs Studierendenvertretungen gegen die Preiserhöhung unternehmen können. Weitere Treffen stehen noch aus, das erste ist für Ende Januar anberaumt. Die im LAT versammelten 15 ASten vertreten insgesamt rund 450.000 Studierende – ein großer Anteil an den Einnahmen der Verkehrsunternehmen. Das könnte ihnen eine starke Verhandlungsposition verschaffen, wenn sie geeint gegen die Preissteigerung vorgehen.
 

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