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HOCHSCHULPOLITIK

Semesterticket: Es bleibt vorerst bei App und Papier

Foto: caro

14.07.2018 08:36 - Sarah Dannehl

Seit das Semesterticket für viele Studierende der Universität Duisburg-Essen (UDE) nur noch über die myUDE-App zugänglich ist, mehren sich die Beschwerden. Die meisten wünschen sich das Ticket auf die Chipkarte zurück. Nun beschloss der Senat in der Sitzung am Freitag, 6. Juli eine neue Einschreibungsordnung, die den Weg zurück zur Chipkarte offen lässt. Eine Klage seitens des AStAs, gegen die nicht einvernehmliche Ticketumstellung, ist nicht geplant.

Ursprünglich lag dem Senat ein Beschlussvorschlag vor, der vorsah, dass das Semesterticket nur noch über die App und den QR-Code als Papierausdruck nutzbar ist. Die entsprechenden Passagen, die ein E-Ticket auf der Chipkarte vorsehen, sollten entfernt werden. Das Änderungsvorhaben begründet Ludwig Ciesielski, Leiter des Einschreibungswesens, damit, dass „die Verkehrsbetriebe die Einführung einer neuen Technologie zur Bereitstellung des Semestertickets („Smartphonebasiertes Ticketing“) beschlossen haben, durch die das bisherige Semesterticket auf den Studierendenausweisen sukzessive bis zum Jahr 2021 abgelöst werden soll“.

In der Diskussion zeigte sich aber auch Verständnis für die Studierendenschaft. Der Vorstand der Kommission für Informations-, Kommunikations und Medientechnik (IKM)  wurde zuvor beauftragt, sich mit dem an die Verkehrsbünde übermittelten Datenpaket und den Problemen mit der Nutzung des Tickets auseinander zu setzen. Beschlossen wurde dabei, „dass technische Schwierigkeiten nicht auf dem Rücken der Studierendenschaft ausgetragen werden sollten“. Zudem soll die Menge und Art der Datenübertragung auf ein Minimales reduziert werden.

Unklar bleibt nach wie vor, warum der Wechsel von der Chipkarte zur App stattgefunden hat. Laut Vertrag müssen alle Vertragspartner einer Änderung zustimmen. AStA-Vorsitzender Marcus Lamprecht erklärte im Senat: „Die Verkehrsbünde  müssen im Einvernehmen mit der Studierendenschaft eine Lösung finden, die mit der alleinigen App-Lösung nicht hergestellt wurde.“ 

Theoretisch bleibt Chipkarte eine Option

Maik Hetmank aus der Gruppe der akademischen Mitarbeiter*innen im Senat erklärte, er fühle sich über die Vorgänge nicht ausreichend informiert, um eine Entscheidung über die Änderung der Einschreibungsordnung zu treffen. „Es gibt die Aussage der Uni, dass die Verkehrsbetriebe verantwortlich sind. Die des AStAs, dass es keine Absprache gab und die der Verkehrsbetriebe, dass die Uni sich das Ticket auf der App wünscht.“ Hetmank kritisierte, es gäbe keine belastbaren Informationen. „Hier sind so viele Äußerungen, die nur mündlich getätigt werden. Legen Sie uns die entsprechenden Schreiben vor.“

Letztlich entschieden die Mitglieder des Senats im Einvernehmen mit den studentischen Vertreter*innen, die Ordnung so zu verändern, dass sowohl die smartphonebasierte Lösung als auch weiterhin die Chipkarte theoretisch für die Nutzung des Semestertickets möglich sind. Damit folgte der Senat der Empfehlung der IKM-Kommission, der Studierendenschaft für künftige Verhandlungen, die eine Rückkehr zur Chipkarte zum Ziel haben könnte, keine Steine in den Weg zu legen.

Zunächst bleibt es also dabei, dass spätestens ab Oktober alle Studierenden nur noch über die App und den Papierausdruck auf das Semesterticket zugreifen können. Die Daten, die dabei übermittelt werden, sind die Identifikationsnummer, Vor- und Nachname, Geburtsdatum, Geschlecht und die Gültigkeitsdauer des Tickets.

Kritik am AStA

Neben der Ticketumstellung richtete sich bereits auf der AStA-Sitzung im Juni auch Kritik gegen den AStA, die Studierenden nicht transparent genug über den aktuellen Stand der Dinge zu informieren. Auf akduell-Nachfrage erklären die Vorsitzenden Lamprecht und Carlotta Kühnemann: „Transparenz ist natürlich ein wichtiges Anliegen, um Hochschulöffentlichkeit zu schaffen. Allerdings machen wir das nicht ohne gesicherte Informationen.“ Darüber hinaus ließen sie wissen, dass sie keine Klage anstreben.

Severin Görgens vom Autonomen Fachschaftenreferat bemängelt dennoch die Informationsdichte auf allen Ebenen – auch seitens der UDE: „Man weiß kaum, was Sache ist und erst recht nicht, wieso. Wer welchen Standpunkt vertritt, kriegt man nur einseitig und vom Hörensagen her mit.“ Er würde sich eine Gesprächsrunde zwischen AStA und Verkehrsbetrieben wünschen sowie „Statements zu Sachverhalt und Hergang von Uni und Verkehrsbetrieben fordern und darüber hinaus ein Informationsschreiben für die Studierenden von der UDE erstellen lassen“.

„Deshalb bestehen nur die Möglichkeiten einer – besseren – App oder der Chipkarte. Für letztere fehlt seitens der anderen Seite der politische Wille.“

Corinna Kalkowsky, studentische Senatorin, beklagt, „es gab eine große Welle durch die Studierendenschaft und dann Stille“. In den Monaten zuvor hatte die Studierendenschaft mit einer Petition rund 2.200 Unterschriften gesammelt, für das Ticket auf der Chipkarte. Gerade ab dem Punkt, wo die Gespräche nicht mehr öffentlich waren, also nur noch sehr wenige den Stand mitbekommen haben. Zumindest minimale Kommunikation zu den Studierenden oder bisherigen Beteiligten wie den Fachschaften, Fakultätsräten oder auch dem Senat hätte ein anderes Zeichen vermittelt. Nämlich, dass man weiter dran ist.“ Nun könne man nur noch Schadensbegrenzung betreiben.

Rechtliche Schritte?

Dass für den AStA-Vorsitz keine Klage in Frage kommt, stößt sowohl bei Görgens als auch bei Kalkowsky auf Unverständnis. Letztere meint aber, es sei aus ihrer Sicht „kein wünschenswertes Ziel, dass Studierendenschaft und Universität Probleme über Klagen lösen“. Der AStA-Vorsitz beruft sich auf eine anwaltliche Einschätzung, dass eine Klage „weder sinnvoll noch erfolgversprechend“ sei, führt die Gründe dafür aber nicht weiter aus.

Stattdessen schätzen die Vorsitzenden die Chancen einer Klage von einzelnen Studierenden als realistischer ein. „Es gab kein Einvernehmen zur App als alleiniger Ticketform, allerdings ist dieses Einvernehmen auch schwerer erschwingbar und ein neues Einvernehmen ließe sich eher multilateral als rechtlich durchsetzen. Dieses muss übrigens zwischen Verkehrsunternehmen und AStA unter Inkenntnissetzung (!) der Uni erfolgen.“ Görgens hält dagegen, dass er als Student „mit den Informationen und Mitteln, die mir zur Verfügung stehen, keine richtige Klagemöglichkeit“ sehe. Zu den fehlenden finanziellen Mitteln und eine mögliche Unterstützung einzelner klagender Studierende durch den AStA schreiben die Vorsitzenden, sie werden dies „wohlwollend prüfen“.

Zu einem möglichen Kompromiss in der Ticketfrage, sagen die AStA-Vorsitzenden, dass eine parallele Lösung nicht möglich sei. „Deshalb bestehen nur die Möglichkeiten einer – besseren – App oder der Chipkarte. Für letztere fehlt seitens der anderen Seite der politische Wille.“

|Theorieklatsche|

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/Beyond Borders/

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Some things are just not reliable in Ireland. Yet, Mirjam wouldn’t want to be anywhere else for her internship abroad than in Dublin.
 

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