Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

HOCHSCHULPOLITIK

Schutzlos in der Massenunterkunft

Schließung einer Notunterkunft in Bochum. Zuvor mussten 300 Menschen in einer Turnhalle wohnen. Privatsphäre: Fehlanzeige. (Foto: mac)

30.03.2017 16:38 - Maren Wenzel

Ein Kommentar von Maren Wenzel



Eine von 20 Frauen* in Massenunterkünften für geflüchtete Menschen hat starke Selbsttötungsgedanken. Das ergab eine Befragung der Charitè Berlin und der Integrationsbeauftragten der Bundesregierung, Aydan Özoguz (SPD). Über die Hälfte der 639 befragten Frauen* bezeichnet die Zufriedenheit der Wohnbedingungen entweder als „schlecht“ oder „sehr schlecht“. Dabei gehören Frauen* und Familien (über 80 Prozent der Befragten waren Mütter) zu den besonders schutzbedürftigen Gruppen. Artikel 6 des Grundgesetzes sagt: „Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung.“

Wer die Ergebnisse der neuen Studie liest, muss sich fragen, welcher besondere Schutz da gemeint ist. Denn bisher wird wenig bis gar nichts für Frauen* und Familien in Unterkünften getan. Es gibt in den allermeisten Fällen keine Schutzräume, keine Privatsphäre, keine ausreichende psychologische Betreuung und kaum angemessene Übersetzung.Trotz ärztlichem Attest werden sogar Frauen* mit Hochrisikoschwangerschaften weiter in Massenunterkünften statt Wohnungen untergebracht – so beispielsweise in einem Fall in Bochum. Immer wieder werden Familien durch Abschiebungen aus- einander gerissen, immer wieder berichten Betroffene von massiven Gewalteinwirkungen bei den Abschiebungen – auch gegen Frauen*.

Eine Frau, die in einer Unterkunft in Burbach untergebracht worden war, wo weitere geflüchtete Menschen in einem Raum mehrfach eingesperrt und geschlagen worden sein sollen, schilderte Anfang 2016 sogar von Security-Personal verschleppt worden zu sein. Nachdem sie mit den Mitarbeitern etwas getrunken habe, sei sie ohnmächtig geworden. Nach zwei Tagen sei sie nackt in einem ihr unbekannten Raum zu Bewusstsein gekommen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Auf die Äußerungen von Betroffenen, wie etwa Women in Exile, einer selbstorganisierten Gruppe geflüchteter Frauen, wird seit Jahren nicht eingegangen. Sie fordern schon seit 2010 in einer Kampagne: Keine Lager für Frauen – alle Lager abschaffen! Die aktuellen Zahlen und die immer wieder alarmierenden Fälle von Übergriffen geben ihnen Recht. Es gibt keinen ausreichenden Schutz und kein menschenwürdiges Leben in Massenunterkünften. Und wer die Familie wirklich schützen will, der trennt sie auch nicht durch Abschiebung.

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