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HOCHSCHULPOLITIK

Rechte darf Schmuddel-Mord nicht feiern

„Kein Vergeben, kein Vergessen!“ – Ein Plakat vom Straßenmagazin bodo e.V., vom Bochumer Polit-Café Azzoncao und der Rosa-Luxemburg-Stiftung. (Foto: mac)

11.03.2015 14:00 - Maren Wenzel







Die Dortmunder Neonaziszene ist in den vergangenen Monaten wiederholt in die bundesweiten Schlagzeilen gekommen. Der Gipfel der Geschmacklosigkeit war dabei die Anmeldung eines Rockkonzerts, mit dem das zehnjährige Jubiläum des Mordes an Thomas „Schmuddel“ Schulz gefeiert werden sollte. Der noch immer militante Naziskin Sven Kahlin erstach den zweifachen Vater am 28. März 2005 an der Haltestelle Kampstraße und wurde wegen Totschlags zu einer Jugendstrafe verurteilt. Seitdem finden jährlich antifaschistische Demonstrationen statt, die an Schmuddels Tod erinnern.

Dass das Thema rechte Gewalt in Dortmund aktueller ist denn je, zeigt der . Nach einer Nazi-Aufmarsch in Derne verfolgten zwei auffällig rechts gekleidete Menschen den Journalisten Marcus Arndt durch die Innenstadt. Schließlich bewarfen die beiden mutmaßlichen Neonazis den gegen rechts engagierten Journalisten mit Steinen und drohten ihn umzubringen. Sie trafen Arndt unter anderem am Kopf, der Journalist musste ambulant in einem Krankenhaus behandelt werden.

Arndt gehörte zu den Dortmunder Journalisten, die eine in Eving sind gegenüber den oft tödlichen Konsequenzen rechter Gewalt in Dortmund bloße Provokationen. Und auf diese ist man in der Szene noch stolzer als auf Deutschland. Ende vergangenen Jahres hatten Anhänger*innen der Partei „Die Rechte“ einen Demonstrationszug und ein Rechtsrockkonzert am Todestag des Punkers angekündigt.

Die Neonazis wollten von der Geschäftsstelle der Partei in Huckarde nach Dorstfeld ziehen, wo bei einem Open-Air-Konzert unter anderem die Landser-Nachfolgeband „Die Lunikoff-Verschwörung“ auftreten sollte. Seit Jahren haben sich rechte Strukturen im Stadtteil Dortmund-Dorstfeld niedergelassenen. Nach dem Verbot ihrer Gruppe „Nationaler Widerstand Dortmund“ verlagerten die Neonazis ihre Strukturen 2012 in die neugegründete Partei „Die Rechte“.






Polizei: Recht auf Menschenwürde endet nicht mit dem Tod

Die Dortmunder Polizei scheint bemüht, den Nazi-Aufmarsch am 28. März zu verhindern: . Die Polizei sehe nach „akribischer Ermittlungsarbeit“ konkrete Anhaltspunkte dafür, dass gegen Strafgesetze verstoßen werden solle, so die offizielle Pressemitteilung. „Hier soll eingeschüchtert, Gewalt verherrlicht und die NS-Ideologie offen zur Schau getragen werden“, heißt es dort.






Auch das Grundrecht auf Menschenwürde, das nicht mit dem Tod ende, werde verletzt. „Die Durchführung der Versammlung trage den Keim der Unfriedlichkeit schon in sich.“ Dortmunder Antifaschist*innen reagierten positiv auf das Verbot der Polizei: “In ihrer Argumentation folgt die Polizei als Versammlungsbehörde in weiten Teilen der in unserem Aufruf skizzierten Sichtweise,” sagt Iris Bernert-Leushacke, Pressesprecherin des antifaschistischen BlockaDO-Bündnis. „Was die Neonazis am 28. März organisieren ist eine Jubelfeier für einen Mord”, so Bernert-Leushacke weiter. Frühere Versuche Neonazi- Aufmärsche zu verhindern zeigen jedoch, dass solche Entscheidungen oft wieder durch Verwaltungsgerichte gekippt werden. “Ob das Verbot vor Gericht Bestand hat, wird sich in den nächsten Wochen zeigen. Falls nicht, werden wir mit vielen Dortmunderinnen und Dortmundern mit kreativen Aktionen und zivilem Ungehorsam gegen den Aufmarsch aktiv”, so BlockaDo weiter.




Dortmunder Polizei und die „NSDAP“

In den letzten Monaten war die Dortmunder Polizei jedoch mehrfach durch fragwürdige Entschei- dungen in der Kritik und setzte fatale Zeichen. So wurde nach der Schändung eines Holocaust- Mahnmals in Dortmund-Dorstfeld an Neujahr eine antifaschistische Kundgebung gegen Antisemitis- mus verboten. Die Rechte dage- gen durfte mit der  – kurz NSDAP, am dritten Januar in Dorstfeld aufmarschieren.




Die Demonstrationen rund um Schmuddels Todestag sollen zeigen, dass sich hinter der derzeitigen Partei die Rechte, die durch Dennis Giemsch auch im Dortmunder Stadtrat vertreten ist, weiterhin aggressive und gewalttätige Tendenzen verstecken. Ein Verbot der neonazistischen Partei wurde vielfach wieder diskutiert, während die Polizei die Rechtsextremen zuletzt demonstrativ an der langen Leine laufen ließ.

Die Einschüchterungen und Provokationen der vergangenen Monate und der Überfall auf den Journalisten Marcus Arndt von Montagabend sprechen dabei eine eindeutige Sprache: Rechte Gewalt kann in Dortmund auch am zehnten Todestag von Schmuddel noch tödlich enden und ist mit Sicherheit kein Thema von Gestern.





Der Mord an Schmuddel:

Thomas „Schmuddel“ Schulz verließ am Ostersonntag 2005 die U-Bahnhaltestelle Kampstraße in Dortmund. Er und weitere Freund*innen waren auf dem Weg zu einem Konzert. Auf der gegenüberliegenden Rolltreppe fuhren ihnen Sven Kahlin, ein bekannter Dortmunder Nazi-Skin und eine Freundin entgegen. Zwischen Kahlin und den Punker*innen entspann sich ein Wortgefecht. Tho- mas Schmuddel Schulz ging daraufhin Sven Kahlin nach, um ihn zur Rede zu stellen. Da hatte der Neonazi jedoch schon ein Messer gezogen, das er in Schmuddels Brust stach. Der Punker verstarb noch am selben Abend. Sven Kahlin wurde daraufhin zu einer Jugendstrafe von insgesamt sieben Jahren Gefängnis verurteilt: Wegen des Totschlags von Thomas „Schmuddel“ Schulz und wegen einem weiteren Gewaltdelikt. Der Skinhead wurde bereits im Jahr 2010 wegen „guter Sozialprognose“ vorzeitig aus der Haft entlassen. Bis heute ist Kahlin in der Neonazi-Szene aktiv und hat weitere Straftaten verübt. Kurz nach seiner Entlassung war er zum Beispiel an einem Überfall auf die Punkrockkneipe Hirsch-Q beteiligt.

Gedenk- und Infoveranstaltungen

Rund um den Todestag von Schmuddel sind in mehreren Ruhrgebietsstädten Veranstaltungen angekündigt:

“Schwarz-Rot-Braun – Genese und Gegenwart von rechter Gewalt in Deutschland”

Die Duisburger Initiative veranstaltet unter diesem Namen eine fünfteilige Veranstal- tungsreihe zum Thema rechter Gewalt.

Am Mittwoch, 11. März beschäftigt sich die Referentin Christiane Ritte von NSU-watch NRW mit dem NSU Untersuchungsausschuss. 20 Uhr, Syntopia, Gerokstraße 2, Duisburg

Am Donnerstag, 19. März, geht es um den Brandanschlag von Mölln. Bei einer Filmvorführung und Diskussion soll es 15 Jahre nach der Tat um rechte Brandstifter gehen. 20 Uhr, Syntopia, Gerokstraße 2, Duisburg

Am Dienstag, 24. März, referiert die Antifaschistische Union Dortmund dann unter dem Titel “10 Jahre danach...Der Mord an Thomas Schulz und die rechten Strukturen”. 20 Uhr, Syntopia, Gerokstraße 2, Duisburg

Demonstrationen am 28. März in Dortmund

Ein breites antifaschistisches Aktionsbündnis plant am 28. März ab 14 Uhr einen Demonstrationszug vom Dortmund-Dorstfelder S-Bahnhof zur U-Bahnstation Kampstraße. Auf den vorherigen Info-Veranstaltungen wird über die Ereignisse rund um den Totschlag von Punker Schmuddel, sowie über die geplante Demonstration informiert. Hier die Termine:

24. März, ab 20 Uhr, Syntopia, Gerokstraße 2, Duisburg
26. März, ab 19 Uhr, Nordpol, Münsterstraße 99, Dortmund

Außerdem plant das Aktionsbündnis BlockaDo, falls das Verbot des Nazi-Aufmarsches gerichtlich gekippt wird, bunte Gegenaktionen und Blockaden. Infos dann zeitnah unter .










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