Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

HOCHSCHULPOLITIK

Lucke - nur ein unpolitischer Wissenschaftler?

Darf hier ein AfD-Gründer lehren? [Symbolbild: UHH/Schell]
​​​​​​​05.11.2019 11:23 - Sophie Schädel

Bernd Lucke kehrt in die Lehre der Wirtschaftspolitik an der Uni Hamburg zurück. Beziehungsweise er versucht es. Studierende protestierten gegen den AfD-Gründer und verhinderten zweimal seine Vorlesung zur Makroökonomik.

Die Uni Hamburg stellt sich gegen den Protest. Es sei Luckes Pflicht, seine Lehre und Forschung nach der Beurlaubung während seiner Zeit bei der AfD und im EU-Parlament fortzuführen, so eine Stellungnahme. Die Uni beruft sich darauf, das Grundgesetz umzusetzen, das freie wissenschaftliche Lehre garantiert. Unabhängig davon seien Universitäten aber auch Orte der Kontroverse, „insbesondere vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte“. Zusammengefasst will die Uni also: Protest ja, aber bitte keine Be- oder gar Verhinderung der Vorlesung.

Bernd Lucke selbst bezeichnet die Pressemitteilung der Uni in einer Talkshow als missraten: „Der Protest war kein Diskurs“, sagt er. „Die Studenten dürfen ihre Meinung sagen, aber es ist keine Meinung, über die man diskutieren könnte, wenn man mich als ‚Nazischwein‘ bezeichnet.“ Lucke wirkt enttäuscht über den Umgang mit ihm: „Ich dachte, dass es akzeptiert wird, dass ich die AfD heute nicht mehr als meine Partei ansehe.“

Ganz anders sieht das der Freie Zusammenschluss von Student*innenschaften (fzs), in dem auch die Studierendenschaft der Universität Duisburg-Essen vertreten ist und der sich nun ebenfalls mit einer Pressemitteilung zu Wort meldet. „Lucke nutzt die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit zur Selbstinszenierung. Er verkehrt die Kritik an seiner Lehre zu einer Gefahr für die Meinungsfreiheit, obwohl er seine Meinung jederzeit in 20 Tageszeitungen und bei Maischberger frei äußern kann“, kritisiert Leonie Ackermann, Vorstandsmitglied des fzs. Sie wünscht sich stattdessen eine Debatte darüber, ob Lucke seine Ideologie auch in Lehre und Forschung umsetzt.

Als Beispiel dafür nennt der Vorstand Luckes Forderung nach einer Kürzung von Löhnen und Sozialleistungen von Geringverdienenden. Amanda Steinmaus, die vom Vorsitz des UDE-AStA in den Vorstand des fzs gewechselt ist, erklärt: „Natürlich hat Lehre auch immer einen politischen Gehalt und Professor*innen sollten ihre Rolle als gesellschaftliche Akteur*innen ernst nehmen. Das bedeutet aber keinen Freifahrtschein für Menschenfeindlichkeit unter dem Deckmantel der Freiheit der Forschung.“

Mit Rechten reden an der Uni Siegen

„Denken und Denken lassen“ heißt die Vortragsreihe mit Thilo Sarrazin (SPD) und Marc Jongen (AfD).
 

Studiwerk Bonn trennt sich von True Fruits

Wegen rassistischer und sexistischer Werbekampagnen habe man das Produkt aus dem Regal genommen, so das Studierendenwerk.
 

Protest gegen Dortmunder Thor Steinar-Laden

350 Menschen demonstrierten gegen den Laden. Die Marke Thor Steinar ist bei Nazis sehr beliebt.
 
Konversation wird geladen