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HOCHSCHULPOLITIK

Kein Verhütungsmittelfonds mehr für Niederrhein-Studis

Die Qual der Wahl: chemisch, hormonell oder durch eine Barriere – es gibt viele Verhütungsmethoden. Eine Beratung kann oft hilfreich sein. [Foto: Lorenza Kaib]
11.02.2019 12:10 - Sophie Schädel

Im April 2018 startete der AStA der Hochschule Niederrhein einen Verhütungsfonds für seine Studierenden (akduell berichtete). Das Programm kam gut an, wurde aber schon nach einem Semester wieder eingestampft.

Hendrik Sachtler (verdi Hochschulgruppe) rief den Fonds als damaliger AStA-Vorstand ins Leben. Der Plan: Alle Studierenden, die unterstützt werden wollen, lassen sich bei einer Beratungsstunde am Campus informieren, danach übernahm der AStA die Kosten für die Verhütung. „4.000 Euro aus unserem Sozialfonds waren dafür vorgesehen. Innerhalb von drei oder vier Sitzungen war das Geld schon aufgebraucht“, erzählt Sachtler. „Danach mussten wir alle neuen Anfragen dann auf eine Warteliste setzen.“ Sachtler kam die Idee zum Fonds, weil bislang nur in manchen Fällen die Kosten für Verhütung von der Kommune Krefeld übernommen worden waren.

Bis zum Alter von 20 Jahren tragen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten, so Sachtler. Bei Älteren kommt die Modellkommune Krefeld auf – wenn sie dort gemeldet sind. Doch als Pendleruni hat die Hochschule Niederrhein viele Studierende, auf die das nicht zutrifft. Für sie bezahlte der AStA ein Semester lang alles außer Kondome, die sowieso zum Mitnehmen auslagen. „Sich für Frauen einzusetzen war für uns als AStA ein wichtiges politisches Statement.“ Auch nicht-weibliche Studierende konnten sich beraten lassen.

Anderer AStA, andere Ausgaben

Zum Wintersemester dann stampfte der neue AStA, nun bestehend aus ver.di, Liste 03, Liste 07 und nicht.die, den Fonds zugunsten einer Buchhaltungsstelle ein. Der aktuelle Vorstand begründet dies damit, dass die extrem hohe Nachfrage die Kosten schlichtweg zu groß gemacht habe. „Die Warteliste war bereits vor Beginn des neuen Wintersemesters so voll, dass der neue Fonds bereits ausgeschöpft gewesen wäre, bevor neue Student*innen sich eintragen konnten", erklärt Patrick Wendtland vom Vorsitz.

Dabei war das Projekt laut Sachtler so gut gestartet: „Die Beratung hat eine Ärztin von Pro Familia durchgeführt. Die Kooperation hat echt Spaß gemacht, und Pro Familia war auch Feuer und Flamme“, erinnert er sich. Die Beratung bot neben dem Zugang zum Fonds auch den Raum für allgemeine Fragen zu Sexualität. „Wir haben damals auch über eine Kooperation mit dem gynäkologischen Krankenhaus nachgedacht. Da können Ärzte in Ausbildung die Spiralen wesentlich günstiger einsetzen.“ Doch obwohl der Fonds noch auf der Homepage des AStA aufgeführt ist, wird er nicht mehr angeboten. „Wir haben aber allen, die in Erwartung einer Kostenübernahme in Vorleistung gegangen sind, unsere Hilfe für eine gemeinsame Lösung angeboten", so Wendlandt.

„Bis heute melden sich bei mir Frauen, die auf die Liste wollen. Denen muss ich dann erstmal verklickern, dass es den Fonds gar nicht mehr gibt. Der neue Vorstand hat auch die Leute auflaufen lassen, die noch auf der Warteliste standen“, wirft Sachtler aber vor. An einen Fall erinnert er sich noch besonders gut: „Eine Studentin war damals bei der Beratung und hat sich für eine Hormonspirale entschieden.“ Diese Spiralen können nur gegen Ende der Menstruation eingesetzt werden, daher verschob sich der Eingriff und die Studentin landete zurück auf Platz Eins der Warteliste. „Sie wurde vom AStA erst zum Wintersemester vertröstet, dann wurde ihr ganz abgesagt“, erzählt Sachtler enttäuscht.

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