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HOCHSCHULPOLITIK

Heike Mauer gewinnt Preis für exzellente Genderforschung

Die politische Dimension von Geschlecht
beschäftigt Menschen weltweit.
[Symbolfoto: pixabay]

30.01.2020 12:12 - Erik Körner

Dr. Heike Mauer arbeitet für die Koordinations- und Forschungsstelle des Netzwerks Frauen- und Geschlechterforschung NRW, mit Sitz an der UDE. Am 15. Januar hat sie für ihre bisherigen Forschungen einen der beiden Wissenschaftspreise für exzellente Genderforschung vom Ministerium für Wissenschaft und Kultur NRW erhalten. Der Preis wurde dieses Jahr erstmalig verliehen.

„Geschlechterfragen haben mich als Politikwissenschaftlerin schon fast 20 Jahre lang begleitet“, erzählt Mauer. Bereits in ihrer Magisterarbeit hat sich die Wissenschaftlerin mit dem Verhältnis von Feminismus und Multikulturalismus am Beispiel der ersten Kopftuchdebatte in Deutschland befasst.

Mit ihrer Dissertation hat Mauer einen Blick auf die Prostitution in Luxemburg vom Anfang bis Mitte des 20. Jahrhundert geworfen. Darin behandelte sie beispielsweise, wie Prostituierte seitens des Staates behandelt und wie die Rolle der Frau durch die Prostitution beeinflusst wurde. „Gegenüber verschiedenen Bevölkerungsgruppen wurden unterschiedliche Machttechniken eingesetzt“, erklärt Mauer. So wurden ausländische Frauen, die der Prostitution verdächtigt wurden, ausgewiesen. Andererseits wurde versucht, mittels eines konstruierten moralischen Idealbildes Bürger*innen anzusprechen. „Frauen sollten gute Hausfrauen sein, um ihre Ehemänner von den Verführungen des Wirtshauses und der Prostitution zu bewahren“, so Mauer.

Wer entscheidet was?

Damit einher geht die Transformation sozialer Probleme zu moralischen. Im Kontext Luxemburgs heißt das: Der Grund für Armut und soziale Ungleichheit wurde beispielsweise von katholischen Vereinen in einer fehlenden Moral gesehen. „Es wurde letztlich impliziert, dass Armut ein selbstverschuldetes Problem ist“, konstatiert Mauer. Sie fügt hinzu: „Frauen, die ihre vermeintlichen Pflichten als Hausfrauen vernachlässigten, so der Tenor, brauchen sich nicht zu wundern, wenn der Mann nie zu Hause und dadurch kein Geld da ist.“

„Geschlecht kann nicht allein als Identität oder ‚biologische Tatsache‘ verstanden werden.“

Neben ihrer Forschung über Prostitution hat Dr. Heike Mauer ihren Blick darauf gerichtet, wie Politik, Geschlecht und Macht miteinander verbunden sind. Bereits die Konstitution der modernen Nationalstaaten im Zuge der  Französischen Revolution verknüpft politische Macht und Repräsentation mit der Geschlechterordnung, wie sich am Wahlrecht zeigen lässt. „Historisch war das Wahlrecht zunächst auf weiße, arbeitende Männer beschränkt und schloss Frauen, Jüd*innen oder Menschen aus Kolonien aus“, merkt Mauer an.

Auch die aktuelle Debatte um das dritte
Geschlecht zeigt, dass Politik und Geschlecht miteinander verknüpft sind, so die Forscherin. „Einerseits ist die eigene Geschlechtlichkeit etwas Höchstpersönliches. Zugleich reguliert jedoch das Personenstandsrecht die Zuweisung zu einem Geschlecht. Dies zeigt, dass das Private mit dem Öffentlichen verknüpft ist“, erläutert Heike Mauer. „Geschlecht kann somit nicht allein als Identität oder als ‚biologische Tatsache‘ verstanden werden, sondern muss auch als politisch hergestellt begriffen werden.“

Bildquelle: lizenzfreies Bildmaterial von pixabay

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