Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

HOCHSCHULPOLITIK

Geht‘s noch?

Sexismus darf nicht so stehen gelassen werden - auch nicht im Fall von Naketano. (Foto: Metro Centric/flickr.com/CC BY 2.0)

17.03.2017 14:30 - Mirjam Ratmann



Ein Kommentar von Mirjam Ratmann

Das in Essen ansässige Klamottenlabel Naketano gilt als hip und cool, besonders bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Aber ist es noch hip, wenn beispielsweise Männerartikel „Tadellos abgespritzt“, „Muschiflüsterer“ oder „Stuck on pussy“ heißen? Ist es cool, wenn Pullover für Frauen „Versehentlich reingesteckt“, „Spreiz mal mit Gemütlichkeit“ oder „Gezielt poppen“ betitelt werden? Klare Antwort: Nein!

Zu Recht war der Aufschrei in den Medien in den vergangenen Wochen groß. In Sozialen Medien hingegen sind die Meinungen geteilt: Während die einen die Namen „witzig“ finden und fragen „ob man nicht größere Probleme hätte“ und „seit wann denn alle so prüde geworden wären?“, sind andere empört und wütend. Naketano selbst äußerte sich zu den Sexismus-Vorwürfen bisher nicht,  man rede generell nicht mit der Presse.

Auf ihrer Website verweisen sie hingegen auf ihre „künstlerische Freiheit“: „Es soll sich durch unsere Produktnamen niemand vor den Kopf gestoßen fühlen“, heißt es dort. Wirklich? Sitzen denn da pubertierende Jugendliche in der Marketing-Abteilung? Genauso nämlich klingen die Artikelnamen: pubertär, abstoßend und absolut nicht witzig. Ausgerechnet ein Label wie Naketao, das eine junge Zielgruppe anspricht, sollte es besser wissen.

Sexismus fängt in der Sprache an – was gesagt wird, wird in der Regel auch gedacht und verbreitet. Es ist genau diese Sprache, die in Zeiten, wo Rape-Culture allgegenwärtig ist und die „Schluss-mit-Political-Correctness“- Bewegung stetig Zulauf erhält, dafür sorgt, dass sexualisierte und gewaltverherrlichende Sprache wieder gesellschaftstauglich wird. Wahrscheinlich ist es auch das, was sich Naketano davon verspricht: einerseits mehr mediale Aufmerksamkeit, aber andererseits auch ein Zeichen zu setzen gegen Political Correctness, gegen vermeintlichen “Über-Feminismus” und gegen „überzogene“ Sexismus-Debatten.

Aber Sexismus und allen voran sexualisierte Gewalt darf nicht verharmlost gesprochen werden. Sie dürfen nicht noch alltäglicher werden. Und vor allem dürfen sie in unserem alltäglichen Sprachgebrauch nicht noch mehr als sowieso schon toleriert werden. Das hat auch damit nichts zu tun, „prüde“ oder „verklemmt“ zu sein, sondern mit gesundem Menschenverstand. Einige Käufer*innen haben das wohl auch begriffen, zumindest ließen sie auf Facebook verlautbaren: „Früher gern gekauft, jetzt nie wieder“.

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