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GESELLSCHAFT

Zwischen den Stühlen — Part 2

Der erste Schritt nach einem Streit ist der schwierigste. [Foto: pixabay]
01.03.2022 17:00 - Helena Wagner

Unsere Redakteurin erzählte im Beziehungsweise “Zwischen den Stühlen” von ihrer zerstrittenen Familie. Der Streit war so weit fortgeschritten, dass sie nicht mehr auf eine Versöhnung hoffte. Doch kurz vor Weihnachten wurde sie eines Besseren belehrt.

Eine Kolumne von Helena Wagner

„Ich hatte heute hohen Besuch.” Dieser Satz lässt mich aufhorchen. Bei meinen täglichen Telefonaten mit meiner Oma antwortet sie auf die Frage, was es denn so Neues gäbe, immer mit einem „nicht viel”. Mit dieser Antwort hatte ich nicht gerechnet. „Dein Vater war heute hier.” Ich kann nicht glauben, was ich höre.

Beziehungsweise: Zwischen den Stühlen

Unsere Redakteurin erzählt, wie sie mit ihrer zerstrittenen Familie umgeht.
Von Helena Wagner in Gesellschaft
 

Meine Oma und meine Eltern haben seit drei Jahren nicht miteinander gesprochen. Ich hatte mich langsam damit abgefunden, dass ein Familienleben, so wie es vor dem Streit existierte, nicht mehr möglich sein würde. Als meine Oma mir erzählte, dass mein Vater zu Besuch war, habe ich mit dem Schlimmsten gerechnet. Doch es stellte sich heraus, dass mein Vater nicht zum Streiten zu seiner Mutter gefahren war, sondern um etwas Altes aus der Garage zu holen und mit ihr in Ruhe zu sprechen. Mich wunderte es, dass er nicht mich darum gebeten hatte, die Sachen abzuholen. Er wollte selbst hinfahren.

„Ich habe lange mit ihm darüber gesprochen und er hatte die Erkenntnis, dass es nicht ewig so weitergehen kann. Irgendwann muss man das Kriegsbeil begraben“, sagte meine Mutter. Und auch mein Vater sagte mir, er habe eingesehen, dass es einen geben muss, der den Schritt in Richtung Versöhnung macht. Meine Großmutter erzählte mir, dass sie erst skeptisch war, aber sich doch sehr gefreut hat, denn sie hätte sich das nach den Jahren nicht mehr getraut. Alle Familienmitglieder wirkten sehr erleichtert.

Ein Weihnachtswunder

Ich war etwas überrumpelt. Ich hatte nicht mehr damit gerechnet, dass sich die Fronten glätten. Ich traute der Sache nicht. Kann man nach so langer Zeit wieder den Kontakt herstellen, ohne dass eine Partei die Wut herauslässt und der Streit doch wieder von vorne beginnt? Eine Aussprache gab es nicht und diese war von beiden Seiten nicht erwünscht, um keine alten Wunden aufzureißen. Als meine Oma mir erzählte, dass meine Eltern sie zu Heiligabend eingeladen hatten, war ich auf einmal ganz aufgeregt. Ich freute mich auf der einen Seite riesig, doch auf der anderen Seite hatte ich Angst davor, dass an Weihnachten ein Streit ausbrechen würde.

Und dann stand Weihnachten vor der Tür. Als ich mit meiner Oma das Haus meiner Eltern betrat, hielt ich die Luft an. Das war das erste Mal seit drei Jahren, dass ich meine Eltern und meine Oma in einem Raum erlebte. Meine Oma ging ins Esszimmer, wo mein Vater wartete - und sie umarmten sich. Mein Vater half ihr aus dem Mantel, sie freuten sich, sich zu sehen und fingen direkt an zu quatschen. Ich blieb im Flur und musste mich kurz wegdrehen, weil mir die Tränen kamen. Das war mein Weihnachtswunder. Meine Angst war unberechtigt.

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