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GESELLSCHAFT

„Zum Kongress? Die rechte Tür!“

14.11.2018 17:24 - David Peters

„Netzwerke bilden, Lösungen erarbeiten, handeln“ – so wurde der vierte Alternative Wissenskongress (AWK) in der Einladung angekündigt. Im beschaulichen Fröndenberg versammelten sich zirka 80 Teilnehmer*innen hinter verschlossenen Türen, um über Verschwörungstheorien, YouTube-Kanäle und vermeintlichen „Linksextremismus“ zu sprechen.

Gerade einmal zwölf Stunden vor Beginn wurde den Teilnehmer*innen der Ort des Alternativen Wissenskongress bekannt gegeben. Im Stiftskeller in Fröndenberg bei Unna sollte die Veranstaltung  des Vereins zur Förderung des politischen Dialogs stattfinden. Auf der Tagesordnung standen Themen wie „Friedensfahrten nach Russland“ oder „Wie man Freunde, die noch Mainstream-Medien konsumieren, auf alternative Medien aufmerksam macht“.

Pressevertreter*innen waren unerwünscht. Vor Ort wies Ingo Schuhmacher, AfD-Bezirksvorstand aus Köln und Pressesprecher des Alternativen Wissenskongress, die Journalist*innen darauf hin, dass sie sich über die Internetseite des Kongresses hätten akkreditieren sollen. Nur gab es diese Möglichkeit auf der Seite gar nicht. Später stellte sich Schuhmacher dann doch den Fragen der Presse. „Uns geht es heute um Gebrauchsanweisungen, wie man sich politisch betätigen kann“, erklärte Schuhmacher.

Wortkarger AfD-Bundestagsabgeordneter

Was genau das heißt, beschrieb Schumacher so: „Man muss den Leuten aufzeigen, was für Möglichkeiten zur politischen Information es gibt. Dazu gehören eben auch Medien, die nicht die Mainstream-Medien sind.“ Damit sind YouTube-Kanäle wie beispielsweise Ken.FM gemeint, die auf der Seite des Wissenskongress verlinkt werden. Ken.FM wird von Ken Jebsen betrieben, der vermehrt durch Verschwörungstheorien, mehrfach auch antisemitischer Natur auffiel. Jebsens Videos sind in der Reichsbürgerszene und bei Rechten sehr beliebt.

Die Frage, ob es Verbindungen zur Reichsbürgerszene gebe verneinte Schuhmacher, obwohl Bundestagsmitglied Udo Hemmelgarn (ebenfalls AfD), laut Rheinische Post, diesem Spektrum zuzuordnen ist. Hemmelgarn, der auch Vorsitzender des Vereins zu Förderung des politischen Dialogs ist, wollte sich vor Ort nicht äußern. „Er hat keine Lust dazu“, so Schumacher.

Die Referent*innen gehörten mit Eberhard Hamer oder Myriam Kern vom rechten Frauenbündnis Kandel, zu Personen, denen immer wieder extrem rechtes Gedankengut und Antisemitismus vorgeworfen wird.

Gegendemonstrant*innen veröffentlichen Ort des AWK

Trotz langer Geheimhaltung des Veranstaltungsortes versammelten sich Gegendemonstrant*innen unter dem Motto „Keine Bühne für Aluhüte“ in der Nähe des Stiftskellers. Zum Veranstaltungsort selbst durften sie nicht. Hier kontrollierte die Polizei, ob man eine Eintrittskarte besaß, und wies den Teilnehmer*innen den Weg: „Zum Kongress? Rechte Tür!”

Nach Abstimmungsschwierigkeiten mit der angereisten Polizeihundertschaft über die Demo-Route zog der Gegenprotest durch die Innenstadt und ein Wohngebiet Fröndenbergs. In den Reden wiesen die Antifaschist*innen immer wieder auf mutmaßliche Verbindungen zwischen AfD und des Alternativen Wissenskongress hin. Steffi Kleienkampf, Sprecherin des Bündnis, zog ein positives Fazit: „Die Demonstration bewerten wir als kleinen Erfolg. Bei 40 Teilnehmer*innen ist sicherlich noch Luft nach oben, aber in Anbetracht der widrigen Umstände sind wir mit der Anzahl zufrieden.”

Zusätzlich hielten Mitglieder der Partei Die Partei eine Mahnwache ab. Zwei ihrer Mitglieder hatten sich außerdem für die Veranstaltung angemeldet. Stefan Dondrup von der Partei wollte den lange geheim gehaltenen Ort der Veranstaltung herausfinden: „Wir haben im Netz zwei Karten gekauft. Wir haben uns gewundert, dass wir die Karten überhaupt bekommen haben. Wenn die so vorsichtig sind, dann würde man jeden Teilnehmer zumindest mal googlen.“ Nachdem lokale Antifa-Gruppierungen den Veranstaltungsort des Wissenskongress geleakt hatten, rief der Veranstalter bei Dondrup an: „Er fragte mich direkt, ,Herr Dondrup, Sie sind doch von der Partei‘, aber er freue sich auf den Dialog.“ Die Teilnehmer*innen des Kongresses beschrieben die Parteimitglieder als „bürgerliche Mitte“ und „40 plus“. Nach einem Vortrag über die Russlandfahrten, bei dem auch der Nobelpreis für Donald Trump gefordert wurde, und einem über Networking, in dem eine Frau über ihren Schrebergarten berichtete, verließen die beiden Parteimitglieder den Kongress. „Wir hatten genug“, so Dondrup.

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