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GESELLSCHAFT

Zu viel, zu wenig oder gar nichts? So gibt man Trinkgeld auf Reisen

In jedem Land herrschen andere „Trinkgeld-Regeln”. [Foto: Saskia Ziemacki]

19.05.2022 08:20 - Saskia Ziemacki

In Deutschland ist Trinkgeld geben Gang und Gäbe und für viele Kellner:innen eine wichtige zusätzliche Einnahmequelle. Die ungeschriebene Regel lautet dabei: Zehn Prozent der Rechnung. Doch wie wird es in anderen Ländern gehandhabt? Für unsere Redakteurin kommt es auf ihren Reisen immer wieder zu spannenden Momenten am Ende des Restaurantbesuchs. 

Eine Kolumne von Saskia Ziemacki

Jeder kennt diesen Moment. Man sitzt im Restaurant, der:die Kellner:in schaut einen erwartungsvoll an und durch den Kopf schießen die wildesten Zahlen, nur nicht der korrekte Betrag für ein angemessenes Trinkgeld. In Deutschland ist es inzwischen kein Problem mehr für mich. Zehn Prozent sind eine einfache Rechnung und die Kellner:innen bleiben meist freundlich, egal was man gibt. Obwohl ich weiß, dass sich viele nach Feierabend über zu wenig Trinkgeld ärgern. Vor allem, wenn Menschen aus Ländern bezahlen, in denen ein Trinkgeld nicht üblich ist. 

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In Italien steht „coperto“ auf der Rechnung, eine Gebühr für Gedeck und serviertes Brot. Der Betrag hat jedoch nichts mit dem Service zu tun, sondern geht direkt an das Restaurant. Ein zusätzliches Trinkgeld sollte also bezahlt werden. Doch das macht in der Regel niemand, wie mir eine italienische Kellnerin erzählt. „Man muss Glück haben, dass man etwas bekommt“, so die Kellnerin aus Rom. Eine unangenehme Situation ist mir daher bisher erspart geblieben, da man sich in Italien umso mehr über Trinkgeld freut. 

Auch in China ist es unüblich, Trinkgeld zu geben. Das liege an der Selbstbedienung, wie mir ein Einheimischer verrät. In China habe man keine Lust auf Service, da man viel zu tun hat und nur schnell mit dem Handy zahlen will. „Es ist eine andere Kultur. In Deutschland zahlt man für das Gefühl im Restaurant, in China geht es nur ums Essen“, sagt er. 

Kein Tip in den USA? Undenkbar. 

Um im Vorhinein zu vermeiden, dass zu wenig oder sogar kein Trinkgeld gegeben wird, steht der sogenannte „Tip“ in den USA meist bereits als „service charge“ oder „gratuity included“ auf der Rechnung. Von unseren gewohnten zehn Prozent muss ich mich dort jedoch schnell verabschieden. Bei einem Frühstück in Miami bleibt mir beim Blick auf die Rechnung der letzte Bissen fast im Hals stecken. Miami zählt zu einer der zehn teuersten Städte der USA. Steht auf der Karte 25 Dollar für das Frühstück, kommen zusätzlich neun Prozent Steuern und ein Tip von 20 Prozent obendrauf. Wenn man Pech hat, auch noch eine Gebühr für das Besteck. Aus einem eh schon viel zu teuren Frühstück wird mit 32,25 Dollar eine Mahlzeit, die ich mir nur einmal leisten kann. 

Die Kellner:innen in den USA sind auf das Trinkgeld angewiesen, erzählt mir eine Amerikanerin. Sie verdienen so wenig, dass sie allein mit ihrem Gehalt nicht überleben könnten. Steht der Tip also nicht auf der Rechnung und man gibt weniger als 15 Prozent, ist einem nicht nur der Ärger der Kellner:innen sicher, sondern man ist gefühlt auch für ihren geringeren Lohn verantwortlich. Ein System, das frustriert, wenn man länger reist. Dadurch wird Essen gehen fast unmöglich oder hinterlässt zumindest einen faden Beigeschmack und ein großes Loch im Portemonnaie.  

Laut Reiseführer muss man für alle Dienstleistungen in den USA Trinkgeld geben. Natürlich ist das verständlich, doch häufig wird ein Tip verlangt, selbst wenn ein Service gar nicht benötigt wird oder es überhaupt keinen gibt. So wird in einem Hotel mein kleiner Reiserucksack ins Zimmer getragen, obwohl ich darauf bestehe, es selber zu tun. Sogar für Selbstbedienung im Restaurant oder in einer Bar muss man auf dem EC-Gerät ein Trinkgeld zwischen 15 und 25 Prozent auswählen. Alles Kosten, die man bei einer Reise mit einberechnen muss, aber doch meist vergisst. 

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