Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

GESELLSCHAFT

Beziehungsweise

Wir mussten uns zuerst verlieren, bevor wir zueinander fanden

08.04.2019 14:58 - Lena Janßen

Geschwisterbeziehungen sind nicht immer einfach und können sich im Laufe des Lebens stetig verändern. Doch auch wenn Geschwister sich von Zeit zu Zeit auseinander entwickeln, sich am Tiefpunkt ihrer Beziehung wiederfinden, können sie wieder zueinander finden und sich mit mehr Respekt und Zuneigung begegnen, als jemals zuvor.

Der Tag,an dem mein Bruder das Licht der Welt erblickte, war für mein dreijähriges Ich auf den ersten Blick gar kein erfreulicher Tag. Mein Vater stand in der Tür des Hauses meiner Großeltern, ich ihm gegenüber auf dem Treppenabsatz und als er verkündete, dass ich soeben die große Schwester eines Bruders geworden war, war meine erste Reaktion folgende: Ich fing an, zu heulen und schrie ihn an, dass ich mir doch so unbedingt eine kleine Schwester gewünscht hatte. Als er mich dann mit ins Krankenhaus nahm und ich meinen Bruder zum ersten Mal im Arm hielt, war all das jedoch vergessen.

Wir hatten eine schöne Kindheit. Die ersten Jahre teilten wir ein Zimmer, fuhren gern mit unseren Inlinern zum benachbarten Bauernhof, spielten und erfanden gemeinsam Fantasiewelten, in denen wir uns stundenlang verloren. Neben all dem Spaß und Blödsinn machte er allerdings auch den ein oder anderen Kummer wegen mir durch. Ich steckte ihn in Prinzessinnenkleider und ihm Spangen in sein Haar. Was er jedoch geduldig ertrug. Einmal hielt ich, ohne böse Absicht, seine Hand auf eine heiße Herdplatte und trennte ihm beinah seinen Zeigefinger mit einem Cityroller ab.

Als wir noch klein waren, ließen sich unsere Eltern scheiden. Danach befand sich unsere Beziehung in einer Phase, die eine Herausforderung darstellte und für uns beide mitnichten einfach war. Wir begannen, oft und heftig zu streiten, warfen uns Gemeinheiten, wie du fettes Schwein und Abschaum, an den Kopf und viel zu häufig knallten laut Zimmertüren. Die meisten blauen Flecken hatten wir von Prügeleien miteinander. Doch war das nicht irgendwie normal und liegen nicht in keiner anderen Beziehung Liebe und Hass so nah beieinander, wie bei Geschwistern? Pack schlägt sich, Pack verträgt sich? Wohl offenbar nicht, fand unsere Mutter und steckte uns kurzer Hand in eine Geschwistertherapie, die uns helfen sollte, den Umgang miteinander wieder zu verbessern, sowie das allgemeine Familienklima, das unter unseren Streitigkeiten beträchtlich litt. Denn bei gemeinsamen Abendessen oder Ausflügen eskalierte die Situation immer wieder zwischen uns.

Doch vieles veränderte sich erst, als wir älter wurden. Und je mehr Verständnis wir für den jeweils Anderen entwickelten. Als ich an Depressionen erkrankte, war mein Bruder immer an meiner Seite. Er hörte sich meinen Kummer an und suchte wiederum auch oft meinen Rat. Streitereien wurden immer seltener, wir klauten uns mal gegenseitig das Essen oder stritten um die Fernbedienung, doch nach wenigen Stunden war aller Groll wieder vergessen. Wir waren erwachsen geworden.

Gut Ding will Weile haben

Wenn ich heute darüber nachdenke, was mir am Wichtigsten ist, was mich ausmacht, was mich bewegt und kümmert, dann denke ich immer an ihn. Er ist mein zweites Ich, für ihn würde ich durchs Feuer gehen, er ist mein größter Rückhalt, mein Partner in Crime,  das größte Geschenk. Ich schaue stolz auf einen Menschen mit einer großen Portion Humor, der immer ehrlich seine Meinung sagt und sich nicht verstellt.

Denn die Wahrheit ist, mein zu Hause wäre nicht dasselbe, ohne ihn.

Der für die Menschen, die er liebt, sein letztes Hemd geben würde und unbeirrbar seinen Weg geht. Er ist offen, freundlich, charmant, für jeden Spaß zu haben. Ein Mensch, wie ihn sich wohl jede*r in seinem Leben wünschen würde.

Ich bin dankbar dafür, dass er nicht nur mein Bruder, sondern auch mein bester Freund ist. Dass wir heute noch gemeinsam in einem Bett schlafen und kuscheln, wenn ich in der Heimat bin. Dass er mich bei Traurigkeit zum Lachen bringt, mir aber auch ehrlich sagt, wenn ich Mist gebaut habe. Wir teilen die Liebe zur Musik und zu gutem Wein miteinander, verreisen zusammen, kochen oder schauen stundenlang gemeinsam Serien.

Wir verzeihen uns Fehler, fangen uns gegenseitig auf und begegnen uns auf Augenhöhe und mit Respekt. Das war nicht immer so. Klar, wir sind sicherlich keine Bilderbuchgeschwister. Das müssen wir aber auch gar nicht sein, denn so wie wir sind, sind wir uns genug. Wir teilen eine große, bedingungslose Liebe zueinander, die sich im Laufe der Jahre immer mehr ausgeprägt und entwickelt hat. Deswegen ist es okay, dass wir auch durch schwere Zeiten gegangen sind, denn sonst wären wir vielleicht nicht an diesem Punkt in unserer Beziehung, an dem wir heute sind. Denn die Wahrheit ist, mein zu Hause wäre nicht dasselbe, ohne ihn. Und das wird wohl auch in der Zukunft immer so bleiben!

 

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