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GESELLSCHAFT

Beziehungsweise

Wie es ist, keine Lust auf Sex zu haben

21.05.2018 14:18 - Sophie Schädel

Alina* und Nico* sind asexuell. Was Asexualität ist, wie sie zu Sex stehen, was besser als Sex ist und was Asexualität für ihre Familienplanung bedeutet, erzählen sie in unserem Format Beziehungsweise.

„Für mich ist es total okay, Sex zu haben. Hatte ich auch schon ab und zu“, erzählt Nico, ein 24-jähriger Student der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. „Es ist nicht unangenehm, sondern ganz nett. Es hat für mich aber einfach keine große Bedeutung.“ Asexualität ist ein Sammelbegriff. Darunter fallen Menschen wie Nico, die Sex nicht interessant finden, aber auch die, die körperliche Anziehung nicht kennen oder keinen Sex mögen.

„Ich zum Beispiel kann mir überhaupt nicht vorstellen, mit jemandem zu schlafen. Wenn ich Sex in Filmen sehe, denke ich immer ‚Boah, was kann daran denn bitte schön sein?‘ Mag ja sein, dass das für andere schön ist, aber ich finde Sex einfach nur eigenartig“, sagt Alina. Sie studiert an der Fachhochschule in Dortmund und wohnt mit Nico zusammen. „Außerdem bin ich aromantisch. Ich kann mit Beziehungen gar nichts anfangen. Früher dachte ich immer, das kommt schon noch. Aber wenn ich dann einen Partner hatte, konnte ich die Nähe nicht ertragen.“

Alina und Nico sind seit neun Jahren eng befreundet. Seit zwei Jahren wissen sie gegenseitig von ihrer Asexualität. Damals entdeckte Alina den Begriff und merkte, dass er sie exakt beschreibt. Das habe ihr geholfen, sich zu erklären, erzählt sie: „Viele meinen, ich müsste unbedingt einen Freund haben und sind total schockiert, weil ich mit 24 noch Jungfrau bin. Wie andere eben sagen konnten‚ ‚ich bin lesbisch, ich stehe nicht auf Männer*‘, kann ich jetzt sagen ‚ich bin asexuell‘“.

Diese Erfahrungen kennt Nico ebenfalls: „Gerade in der Schule ging es ständig um Sex und Beziehung. Alle dachten, ich wäre schwul, weil ich nie eine Freundin hatte. Als ich dann doch mal mit einer zusammen war, war die Verwirrung groß“, erzählt er lachend.

Wenn Asexuelle in einer Beziehung sind, kann es noch komplizierter werden. Nicht alle Partner*innen haben Verständnis, wenn man Sex oder körperliche Nähe nicht mag. „Wenn ich mal jemanden geküsst oder gestreichelt habe, war das immer total gezwungen und mechanisch. Ich musste mir alles von anderen abschauen, weil ich das alles nicht intuitiv aus einem schönen Gefühl heraus kann“, sagt Alina. „Ich mochte die Menschen irgendwie und dachte, da könnte sich etwas entwickeln. Aber mit der Nähe kann ich nicht umgehen.“

„Ich finde viele Menschen attraktiv. Aber darum will ich nicht gleich meinen Penis in ihnen drin haben.“

Asexualität bedeutet nicht Abstinenz und auch nicht, dass Sex nur ohne Konsens funktioniere. „Ich laufe beim Sex eben nur nicht vor Erfüllung über. Trotzdem kann es schön sein, zu wissen, dass meine Freundin gerade Spaß hat“, erklärt Nico. „Ich finde auch viele Menschen attraktiv. Aber darum will ich nicht gleich meinen Penis in ihnen drin haben. Käse essen oder gute Gespräche sind mir viel wichtiger“, sagt er schmunzelnd. „Manchmal bin ich körperlich erregt, aber immer nur in sehr geringem Maße.“

Alina hingegen kennt sexuelle Erregung gar nicht. Für die Außenwelt ist das nicht immer leicht nachvollziehbar. Die wohl häufigste Aussage, mit der asexuelle Menschen konfrontiert werden: „Das kannst du doch nicht sicher wissen. Du hast nur noch nicht den*die Richtige*n gefunden.“ Dazu sagt Nico nur: „Heterosexuellen sage ich ja auch nicht, sie könnten gar nicht wissen, ob sie nicht doch homo-, bi- oder pansexuell sind, ohne alles ausprobiert zu haben.“ Abgesehen von einigen klärenden Gesprächen in seinem Umfeld habe für ihn die Asexualität keine großen Konsequenzen in seinem Alltag gehabt, erzählt er. Kinder will er ohnehin schon aus gesundheitlichen Gründen nicht bekommen.

Alina hingegen hat es sehr mitgenommen, sich als asexuell zu identifizieren. „Ich musste mir erst bewusst werden, was das für mein Leben bedeutet: Ich will keinen Freund, obwohl ich mir das mein Leben lang ausgemalt habe. Ich wollte immer irgendwann doch noch den Richtigen finden und nicht alleine alt werden. Nach ein paar Wochen habe ich mich aber schon ganz gut damit abgefunden. Vielleicht taucht das Thema später nochmal auf, wenn alle um mich herum heiraten. Aber aktuell ist alles ok.“

Auch Nico hat kein Problem mit seiner sexuellen (Nicht-)Orientierung. „Mir fehlt ja nichts. Vielleicht werde ich irgendwann sexuell erleuchtet, das Label asexuell muss nicht für immer gelten. Das wäre dann auch ok.“

*Namen von der Redaktion geändert

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