Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

GESELLSCHAFT

Wer zahlt beim ersten Date?

Zusammen oder getrennt? [Foto: unsplash]

25.03.2022 12:36 - Saskia Ziemacki

 

Die Debatte ist uralt – und doch nicht veraltet. Es gibt viele verschiedene Meinungen dazu, wer beim ersten Date die Rechnung übernehmen sollte. Wir haben bei Studis nachgefragt und die Hintergründe erforscht.

Getrennt oder zusammen? Häufig entsteht ein unangenehmes Schweigen, wenn diese Frage von Kellner:innen am Ende des Dates kommt. Man wartet, bis das Date das Portemonnaie herausgekramt hat oder jemand die Entscheidung übernimmt. Gibt es ein Richtig oder Falsch oder ein Verhalten, das definitiv zu einem zweiten Date führt? Laut Knigge gibt es das: Es zahlt die Person, die zum Date eingeladen hat. Doch ist das immer so eindeutig? Bei den meisten Dates in Zeiten von Tinder und Co. lädt nicht eine Person die andere explizit ein. Es wird gemeinschaftlich beschlossen, „mal etwas zu machen“.

Der Ort des Dates kann bei der Entscheidung eine Rolle spielen. Laut einer Statistik aus dem Jahr 2017 gehen die meisten Befragten aus Europa und Amerika beim ersten Date in ein Café oder Restaurant. Nur rund 45 Prozent der Frauen und rund 53 Prozent der Männer haben angegeben, in einer Bar ein erstes Date haben zu wollen. „Wenn man nur etwas Trinken geht, dann zahle ich meistens. Wenn man aber für zwanzig bis dreißig Euro Essen geht, dann zahle ich getrennt, weil ich es übertrieben finde fürs erste Date“, erzählt der Student Joel. Seine Meinung teilt auch Studentin Giovanna: „Wenn es ein sehr teures Restaurant ist, erwarte ich nicht, dass er zahlt. Aber wenn es nur ein Kaffee oder ein Drink ist, ist es peinlich, wenn er nicht zahlt.“ 

Ist der Gentleman noch gesellschaftskonform?

„Weil es gesellschaftlich so verankert ist, dass der Mann bezahlt“ oder „es ist einfach ein ungeschriebenes Gesetz“, sind häufige Antworten auf die Frage, wer beim ersten Date zahlen sollte. „Es geht nicht ums Geld. Es geht darum, ein Gentleman zu sein“, sagt auch Giovanna. Dass ein so veraltetes, stereotypisches Bild noch in den Köpfen der Generation Y und Z verankert ist, scheint verwunderlich. „Ich zahle fast immer oder zumindest, wenn ich was von dem Mädel will. Eigentlich bin ich der Meinung, dass Hälfte Hälfte besser ist, gerade in Anbetracht der Gleichberechtigung. Aber damit sinkt die Erfolgsquote“, sagt Student Henning. Vielen Frauen geht es dabei nur um die Geste. So wie Studentin Kim: „Du willst, dass der Typ dir anbietet zu zahlen, um dann zu sagen: Hälfte Hälfte.“ Auch Amina findet es nett, wenn der Mann bezahlt, ist von dem Grund jedoch genervt: „Solange es nicht heißt, dass ich nicht allein für mich sorgen kann, nur weil ich eine Frau bin. Der Mann hat dadurch auf jeden Fall nicht mehr oder weniger Chancen.“

Eine Studie aus dem Jahr 2018 zum Bezahlen der Rechnung in Deutschland zeigt, dass es rund 45 Prozent der Single-Frauen gut finden, wenn man beim Date die Rechnung teilt, während dies nur bei rund 39 Prozent der Männer auf Zustimmung trifft. Knapp jede vierte Frau sagte aus, dass sie Wert darauf legt, beim Date eingeladen zu werden. Etwa 47 Prozent der Single-Männer gaben an, dass sie beim Date meistens einladen. Alle Statistiken beziehen sich dabei auf ein heteronormatives Bild. Doch auch das ist, genau wie das Bild vom „ritterlichen Gentleman“, längst überholt. Statt die Entscheidung also nur vom Geschlecht abhängig zu machen, sollte geschaut werden, was eine Person mit höflichen Umgangsformen, denn so wird der Gentleman definiert, überhaupt ausmacht.

Queer Dating

Onur geht es beim Daten mit anderen Männern um Fairness: „Seit ich erwachsener geworden bin und einen Job habe, kann ich auch zahlen. Gerade in Corona-Zeiten sollte derjenige sich verantwortlich fühlen, zu zahlen, der Geld verdient.“ Haben beide einen Job, gehe es um den Charakter, so Onur: „Derjenige, der weiß, wohin die ‚Energy‘ zwischen uns führt und was nach dem Date passieren soll, zahlt.“ Ist das jedoch auch ebenbürtig, befolgt Onur folgendes Motto: „Clear bills, clear friendship.“ Eine getrennte Rechnung zeugt von einer Freundschaft auf Augenhöhe. Die Betonung liegt jedoch auf Freundschaft, denn meist führt das nicht zu einem zweiten Date. Der Student erzählt von seiner Taktik, mit der er direkt das nächste Date ausmacht: „Ich versuche zwar immer zu zahlen, doch meistens nimmt die andere Partei es nicht an. Ich biete dann den Deal an, dass ich dieses Mal zahle und mein Date beim nächsten Mal.“

Wie queer sind die Streamingdienste? - Disney+

In unserer Reihe zeigen wir euch, welche queeren Inhalte die Streamingdienste anbieten. Jetzt ist Disney+ dran.
Von Selome Abdulaziz in Kultur
 

Musti datet Männer getreu nach der Devise: „Wer einlädt, muss auch zahlen.“ Entscheidend für ihn ist dabei jedoch, wie das Date läuft. „Wenn mir das Date nicht gefällt, zahle ich meinen Teil selbst. In ein bis drei Stunden weiß man meistens schon, wie die andere Person tickt“, erzählt er. Es gehe nicht darum, wer der „dominantere“ Part sei, sondern einfach, ob man sich mag oder nicht. Doch genau das ist seine Ansicht über Dates von Frauen und Männern: „Die Frau ist eine Blume, da sollte der Mann mit dem Zahlen entgegenkommen.“

Studentin Samira kommt aus Palästina und ist strikt dagegen: „Bei uns ist es eigentlich so, dass der Mann alles zahlen muss. Es wäre unhöflich, wenn er erlaubt, dass die Frau zahlt. Ich lasse das nicht mit mir machen.“ Für sie spielt es keine Rolle, ob sie einen Mann oder eine Frau datet: „Entweder zahlen wir getrennt oder ich bezahle selbst und biete an, dass die andere Person das nächste Date zahlt.“

Getrennte Rechnung – ein deutsches Phänomen?

„Es war ein Kulturschock, als ich nach Deutschland kam und mit dem Daten anfing“, erzählt Giovanna. Denn in Italien zahle immer der Mann. „Diese Mentalität kann ich schwer ändern“, so die Erasmus-Studentin. Getrennte Rechnungen waren für sie etwas sehr Befremdliches. Denn in vielen anderen Ländern ist es verpönt, getrennt zu zahlen. Es ist eine Selbstverständlichkeit, dass eine Person die Rechnung übernimmt oder der gesamte Betrag durch die Personen am Tisch geteilt wird, egal, was der:die einzelne verzehrt hat. Diese Art, Rechnungen zu bezahlen, nennt man im Englischen auch Going Dutch. Damit wird den Niederländer:innen jedoch unrecht getan, denn sie zahlen entweder zusammen oder jede:r gleich viel.

„Die beste Gelegenheit, sich in der Seele eines anderen einen Ehrenplatz zu sichern, ist es, große Züge zu machen und Kleingeistiges zu unterlassen. Großzügigkeit ist eine sehr angenehme Eigenschaft“, heißt es im Knigge. Die Rechnung zu übernehmen, ist also eine nette Geste. Vorausgesetzt, jede:r Datingpartner:in darf es tun, nicht nur der Mann. Es liegt kein Problem darin, eine Einladung anzunehmen, egal welches Geschlecht man hat. Auch wenn die getrennte Rechnung ebenfalls zu einem zweiten Date führen kann, sind sich die meisten befragten Studis einig: Sie zahlen getrennt, wenn es nicht gefunkt hat. Im Idealfall übernimmt also eine Person die Rechnung und die andere bietet an, beim nächsten Mal zu zahlen. So steht einem zweiten Date nichts mehr im Wege.

Forschung an der UDE: Gestärkt durch Allianzen

Gemeinsam mit UDE-Rektorin Prof. Dr. Barbara Albert haben wir einen Blick auf die Arbeit und Entstehung der Research Alliance Ruhr geworfen.
 

Top of the Week 05. - 11. September 2022

Ihr wisst noch nicht, was ihr diese Woche unternehmen möchtet? Werft einen Blick in unsere Übersicht an Events!
 

Phänomen Open-Air – Was Kino unter freiem Himmel so besonders macht

Die Open-Air-Kinosaison hat begonnen – unsere Redakteurin berichtet.
 
Konversation wird geladen