Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

GESELLSCHAFT

Wenn Frauen und Männer reden

Schweigsam oder Plappermaul? [Foto: Magdalena Kensy]

12.07.2021 13:00 - Magdalena Kensy

Diese Klischees sind bekannt: Frauen hören nicht auf zu reden und Männer sind die Schweigsamen. Unzählige Redewendungen der deutschen Sprache  bestärken diese Stereotypen. Doch reden Frauen wirklich mehr als Männer? 

Angeblich sprechen Frauen 7.000 Wörter pro Tag, Männer hingegen nur 2.000. Andere Behauptungen geben das Verhältnis mit 30.000 zu 12.000 pro Tag an. Diese Zahlen, die ursprünglich aus einer Publikation der Neuropsychiaterin Brizendine stammen, haben sich tief eingeprägt. Heute glaubt fast jede:r an diese Klischees. Doch der große Unterschied zwischen den Zahlen lässt annehmen, dass diese Stereotypen  auf unsicherem Fundament stehen.

„Ist nicht böse gemeint, aber...“ - Ungebetene Ratschläge auf Instagram

Menschen neigen dazu, Ratschläge zu geben, um die sie niemand gebeten hat. Besonders häufig passiert das Influencer:innen wie Ricardo und Rebecca.
 

Bis 2007 hat es keine wissenschaftlichen Studien zu dem Thema gegeben. Matthias Mehl, Psychologie Professor an der Universität Arizona, hat zusammen mit seinem Team die erste empirische Beobachtungsstudie durchgeführt. 
Von 1998 bis 2004 nahmen 396 Studierende, darunter 210 Frauen und 186 Männer im Alter von 17 bis 29 Jahren aus den USA und Mexiko, an der Studie teil. Die Proband:innen mussten einen selbst entwickelten portablen Audiorekorder mehrere Tage lang, durchgehend bei sich tragen. Dieses Gerät zeichnete fünfmal pro Stunde, also alle 12,5 Minuten, unbemerkt für 30 Sekunden alle Gespräche im Umfeld der Probanden auf. Da die Tonaufnahmen unbemerkt durchgeführt wurden, bestand keine Möglichkeit die Wortmenge bewusst zu beeinflussen. Denn die Proband:innen mussten das Audiogerät bei sich tragen ohne zu wissen welchen Nutzen es besitzt. „Sicherlich wäre es besser gewesen, mehr aufzunehmen“, sagt Projektleiter Mehl. „Allerdings wird die Anzahl der zu transkribierenden Wörter dann überwältigend, und die Probanden hätten das als Eingriff in ihr Privatleben empfunden.“

Highscore 47.000 Wörter 

Bei der Auswertung der akustischen Tagebücher wurde die Wortzahl pro Teilnehmer:in pro Tag hochgerechnet. Das Ergebnis: Frauen kamen im Schnitt auf 16.215 Wörter, Männer auf 15.669. Die Differenz ist für die Forscher:innen marginal und statistisch nicht signifikant. Die Gesprächigkeit der Geschlechter ist demnach im Alltag gleich. Denn beide kommen auf durchschnittlich 16.000 Wörter pro Tag. 

Ein deutlich verblüffendes Ergebnis gab es dennoch. „Was ist ein 500-Wörter-Unterschied im Vergleich zu einem 45.000-Wörter-Unterschied zwischen den am meisten und am wenigsten gesprächigen Personen?“, fragt Mehl. Bei der Auswertung kam es zu einem Höchstwert von 47.000 Wörtern am Tag. Die gesprächigste Person war dabei männlich, was eindeutig gegen das Klischee spricht. Der schweigsamste Proband kam auf 500 Wörter. Dem zu Folge gibt es gewaltige Unterschiede in der verbalen Aktivität einzelner Menschen, so die Forscher:innen - aber die seien geschlechtsunabhängig.
Die Forschung wurde zwar nur unter Studierenden aus Mexiko und der USA durchgeführt, dennoch interpretieren die Forschenden ihre Ergebnisse als Enttäuschung für die Anhänger:innen des geliebten Stereotyps. 

Gleichstellung an Hochschulen

Eine Studie der UDE beschäftigt sich mit der Gleichstellung von Frauen an Hochschulen.
 

Frauen* an der Uni – So steht es um die Gleichstellung an der UDE

Wie steht es um die Geschlechtergerechtigkeit an der UDE? Wir haben nachgefragt.
 

Bitte nicht anfassen

Unsere Redakteurin wurde vor kurzem für schwanger gehalten. Eine Kolumne über die Problematik dahinter.
 
Konversation wird geladen