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GESELLSCHAFT

Wenn die Aura die Sinne raubt

Die Sehstörungen bei einer Aura können aus blinden Flecken oder Strahlenkränzen bestehen. [Foto: pixabay]

08.10.2021 16:34 - Mona Belinskiy

Rund 10 Prozent aller Migräne Patient:innen leiden vor ihrer Migräne-Attacke unter einer Aura. Unsere Redakteurin gehört zu dieser kleinen Gruppe. Seit sie fünfzehn ist, leidet sie zu Beginn jeder Attacke unter Seh- und Sinnesstörungen. Die Aura kann sie jederzeit unangekündigt aus dem Alltag reißen und die Angst vor der nächsten Attacke ist ein ständiger Begleiter.

Wochenendstimmung in der Stadt. Es ist Freitagabend, es regnet und die Lichter der Autos reflektieren im Feierabendverkehr auf der nassen Straße. Auch ich habe Feierabend und muss so schnell es geht nach Hause. Auf dem Weg zum Bahnhof halte ich meine Augen fest zusammengekniffen und nur einen kleinen Spalt geöffnet, zu hell ist alles um mich herum. Hinter mir liegt eine stressige Woche, mein Kopf kam nur in der Nacht zur Ruhe. Für diesen Lebensstil bedankte sich mein Körper eine halbe Stunde vor Wochenendbeginn mit einer Aura, die den Beginn einer langen Migräne-Attacke einläuten sollte.

Die positive Wirkung des Waldes auf die Psyche

Schon wenn man nur kurz in der Natur ist, setzen positive Effekte ein. Hierfür gibt verschiedene Erklärungsansätze.
 

Augen zu und ausharren

In der Bahn ist jedes Geräusch zu laut, jeder Geruch zu intensiv und vor allem: jedes Licht zu hell. Mittlerweile sehe ich auf meinem linken Auge nur noch einen hellen Strahlenkranz, der sich langsam rüber in mein rechtes Blickfeld schleicht. In fünfzehn Minuten würde ich dann gar nichts mehr erkennen können. Ich schaffe es nach Hause, lasse alles auf den Boden fallen, verdunkle die Wohnung und lege mich ins Bett. Ist meine Sehstörung überstanden, darf ich mir endlich mein Migräne-Medikament einwerfen.

Nach ein bis zwei Stunden gehen die hellen Zick-Zack Formen vor meinen Augen langsam in einen stechenden Kopfschmerz über. Auch wenn der pochende Schmerz hinter meinen Augen kaum auszuhalten ist, freue ich mich immer auf diesen Moment, denn das bedeutet: Ich kann wieder sehen. Ich werfe mir eine Tablette ein, ziehe mir die Decke über den Kopf und versuche zu schlafen. Jetzt heißt es ausharren, bis das Gröbste überstanden ist.

Der Nachtmodus ist mein bester Freund

„Das Gröbste“ bedeutet der unaushaltbare Schmerz im Kopf. Überstanden ist für mich nach einer Attacke noch lange nichts. Es folgen Tage, in denen jeder Blick ins Licht ein Trigger ist. Besonders schlimm ist jede Form von unnatürlichem Licht. Ob Handy, Laptop oder Fernsehen, jedes Gerät muss im Nachtmodus laufen, um das grelle Licht zu dämpfen. Das blaue Licht eines Bildschirms ist für mein Auge kaum auszuhalten. Aber auch im realen Leben hilft mir in den Tagen nach einer Attacke eine Blaufilterbrille. Jeder Autoscheinwerfer oder jede Spiegelung muss so gut es geht vermieden werden.  

Der Attacke machtlos ausgeliefert

Die letzte Migräne-Attacke war eindeutig die Quittung für die hinter mir liegende Woche, in der ich meinem Körper keine ruhige Minute gegönnt habe. Die Attacke hätte ich also vorhersehen können. Trotzdem beschert mir mein Kopf auch immer wieder in unvorhersehbaren Momenten eine Attacke. Ob beim Autofahren, im Urlaub oder auf der Couch, wie aus dem Nichts sehe ich plötzlich die Zick-Zack Formen in mein Sichtfeld fliegen und sehe kurz darauf gar nichts mehr. Wenn mein Kopf will, kann er mich jederzeit unangekündigt aus dem Leben reißen. 

Neben der Angst vor der nächsten Attacke ist die Sorge groß, nicht ernst genommen zu werden. Sobald die Aura einsetzt, ist in meinem Kopf Alarmstufe rot. Aber dass ich nichts mehr sehe ist für die Außenwelt nicht sichtbar. Ohne Vorwarnung und ohne sichtbare Krankheitserscheinung könnte mein Umfeld denken, ich spiele ihnen etwas vor. Egal in welcher Situation, es kann passieren, dass ich von jetzt auf gleich alle Zelte abreißen muss und meine Mitmenschen denken, dass ich einfach keine Lust mehr habe.

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