Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

GESELLSCHAFT

Beziehungsweise

Wenn der Partner eigentlich eine Partnerin ist

21.10.2019 21:26 - Anna Riemen

Wie fühlt es sich an, wenn einem der Freund nach jahrelanger Beziehung anvertraut, dass er im falschen Körper geboren wurde? Und wie verändert sich eine Beziehung während seiner*ihrer Transformation und nachdem der*die Partner*in nun offiziell als Frau lebt? Akduell hat nachgefragt.

Mai* und Luce* sind seit vier Jahren ein Paar. Ihre Beziehungsgeschichte ist besonders: Mai ist transsexuell und lebt seit etwa einem Jahr offen als Frau. Luce lernte seine Partnerin kennen und lieben, als diese noch in ihrem Geburtsgeschlecht lebte.
In den Monaten, bevor Mai sich Luce anvertraute, habe sie bedrückt, beinahe depressiv gewirkt. Luce machte sich Sorgen, kam aber nicht darauf, was ihr fehlen könnte.

„Das war wie ein Klotz, der zwischen uns stand“, erinnert es sich. Nach Mais Geständnis war Luce zunächst überfordert – wenn auch nicht von der Materie an sich. „Ich wollte eh gerne einmal eine Freundin haben,“ lacht Luce. „Aber normalerweise bin ich so ein Mensch, der keine Geheimnisse für sich behalten kann. Ich weiß noch, am nächsten Tag in der Uni, da hatte ich das Gefühl, ich platze.“ Ein Jahr lang war Luce Mais einzige Vertraute. „Luce ist meine Lieblingsperson und ich hatte ein hohes Maß an Sicherheit, dass es es verstehen würde", lächelt sie.

Aber: „Es läuft nicht nach dem Motto ‚Ich spreche das jetzt einmal aus, ziehe ‘nen BH an und bin eine Frau‘“. Sie habe Zeit gebraucht, um in die weibliche Rolle hineinzuwachsen, bevor sie sich öffentlich outete. Dies habe ihre Beziehung verändert. „Wir sind uns seitdem emotional um einiges näher. Mit hinein spielt dabei auch, dass wir das alles zusammen durchgemacht haben,“ so Luce. Auch von den Effekten des Östrogens, das Mai seit Jahren nimmt, profitieren beide. Es habe nicht nur ihren Körper weiblicher gemacht, sondern es ihr auch ermöglicht, ihre eigenen Gefühle besser zu verstehen und zu kommunizieren, findet Mai.

Fragile Männlichkeit

Sowohl Luces als auch Mais Umfeld reagierten durchweg positiv auf Mais Coming Out. In der Trans-Community sei dies traurigerweise nicht die Regel, sagt Mai. „Oftmals hört man nach dem Outing: Wohnung weg, Job weg, Partner*in weg, Freundeskreis weg, von der Familie verstoßen.“ Das einzig Unangenehme: Luce fühlt sich jetzt, wo sie beide als weiblich gelesen werden, nachts auf den Straßen weniger sicher. Mai fügt dem hinzu, dass sie dennoch froh ist, sich als Frau überzeugend präsentieren zu können.

Als Mai noch als Mann lebte, habe sie sich dauerhaft verstellen müssen.

„Wenn erkannt wird, dass man trans ist, wird es gefährlich. Vor allem als Transfrau. Männlichkeit ist so fragil.“ Ein Bartschatten, eine zu tiefe Stimme genügen als Provokation. „Die Leute haben dann auch gar keine Hemmungen mehr. Sie fassen an die Brust, fragen, ‚Ist das echt?‘, packen in den Schritt, fragen ‚Was hast du denn da unten?‘. Ich kenne Leute aus der Community, die auf der Straße krankenhausreif geprügelt wurden.“

Als Mai noch als Mann lebte, habe sie sich dauerhaft verstellen müssen – auch früheren Partnerinnen gegenüber. Jeden Gedanken habe sie darauf kontrollieren müssen, ob er „männlich" genug sei, bevor sie ihn in Worte fasste. In der Vergangenheit sei sie oft von Frauen verlassen worden, weil sie ihnen zu wenig „Herr im Haus“ gewesen sei. Nicht so von Luce. „Luce hat mich für meine Person geliebt und nicht dafür, dass ich ein Mann bin“, sagt sie. Es gab Mai nie das Gefühl, eine typische Männerrolle einnehmen zu müssen.

Stattdessen habe Luce Mai vor jedem einzelnen Schritt auf ihrem Weg, sich auch in der Gesellschaft als Frau zu etablieren, motiviert. Es habe sich selbst in alle relevanten Themen der Transition eingelesen, um seine Partnerin so gut wie möglich unterstützen und ihr beratend zur Seite stehen zu können. Das schafft Transparenz und stärkt das Vertrauen der Partner*innen ineinander. „Ich finde es gut, dass Luce immer im Detail weiß, was mit mir passiert und was genau noch passieren wird. Auch gut finde ich, dass es seine Ideen mit einbringt. Ich erzähle ihm alles“, sagt Mai.

*Namen von der Redaktion geändert. Luce ist agender, d.h., fühlt sich keinem Geschlecht zugehörig. Am liebsten ist ihm daher das Pronomen „es“.

Beziehungsweise

Eine Beziehung, die über die Grenzen von DDR und BRD hinaus ging

Nach über 30 Jahren trifft Dana* ihre Jugendliebe aus DDR-Tagen zufällig wieder.
 

Beziehungsweise

Wenn der beste Freund plant, wegzuziehen

Wenn der beste Freund ans andere Ende des Landes zieht, braucht es einen gemeinsamen Schlachtplan.
 

Beziehungsweise

Sind wir jetzt zusammen? Warum man eine Beziehung nicht zwangsläufig als solche bezeichnen muss

Warum es okay ist, eine Beziehung nicht zu labeln und was beide Parteien dann beachten müssen.
 
Konversation wird geladen