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GESELLSCHAFT

Beziehungsweise

Wenn der beste Freund plant, wegzuziehen

14.10.2019 15:25 - Redaktion

Manchmal lernen wir im Leben Leute kennen, die genauso ticken wie wir selbst. Man versteht einander von der ersten Sekunde an intuitiv und ohne viele Worte. Mit meinem besten Freund und mir war das nicht so: Wir liebten zwar dieselben Partys, draußen in der Nacht schwammen wir im selben Takt. Doch abgesehen davon, waren wir so unterschiedlich, dass wir es nicht immer leicht miteinander hatten. Den bisherigen Schwierigkeiten kommt jetzt noch eine weitere hinzu: Uns werden bald 500 Kilometer Luftlinie trennen.

Einerseits bin ich untröstlich darüber, dass ich für mein Masterstudium in Essen bleibe und mein bester Freund für seines nach Berlin ziehen wird. Andererseits gönne ich ihm die Abenteuer, die sein neues Leben für ihn bereithalten wird. Dort zu leben war schon lange sein Traum. Und doch würde ich am liebsten wie ein kleines Kind mit dem Fuß aufstampfen und lauthals darüber wehklagen, dass ich physisch nicht so weit von ihm getrennt sein will. Wir beide interagieren am liebsten persönlich mit Menschen und sind schrecklich darin, schriftlich Kontakte zu pflegen. Aktionen wie ein spontanes Bier unter der Woche oder auf der Fußmatte stehen, wenn es beim anderen brennt, gestalten sich über die Entfernung schwierig. 

Wie löst man so etwas am besten? 

Mein bester Freund zumindest sieht seinen Umzug nicht als das Ende unserer gemeinsamen Zeit an: Wir müssten nun halt das Schreiben lernen sowie uns angewöhnen, bei jeder sich bietenden Gelegenheit in den nächstbesten Fernreisebus zu springen, außerdem regelmäßig miteinander telefonieren. Wenn man einander wichtig ist und sich genug bemüht, kann man es schaffen, sich nicht aus den Augen zu verlieren - und auch nicht den Anschluss an das, was im Leben des anderen passiert. Dann wird  alles so sein, als sei er nie weg gewesen, sobald wir uns wiedersehen. Das lindert meine Bedenken ein bisschen. 

Diesen Konsens mussten wir uns hart erarbeiten. Wir sind beide nicht nur komplexe Persönlichkeiten, sondern zu allem Übel auch noch grundlegend verschieden. Einander zu verstehen war, wie eine fremde Sprache zu lernen. Unsere Beziehung war deswegen anfangs einerseits voller Streitigkeiten, andererseits von Grund auf unverstellt und liebevoll. Wir halten einander sehr hoch und stehen bedingungslos füreinander ein.

Ein Umzug bedeutet nicht das Ende unserer gemeinsamen Zeit.

Um Missverständnissen vorzubeugen, brauchte es rabiate Kommunikation: Bis heute begegnen wir uns mit brutaler Ehrlichkeit und spucken uns stets die ungeschönte Wahrheit vor die Füße, mittlerweile ohne böse zu werden. Dieser Umgang brachte uns in kürzester Zeit eine große Nähe, trotz aller Differenzen: Bereits ein Jahr nach unserem Kennenlernen dachten Leute, die uns erstmals trafen, fälschlicherweise, dass wir uns schon von klein auf kennen würden.

Das Ende vom Kreis 

Die letzten Jahre waren von Extremen gekennzeichnet: Ekstase und tiefes Leid, bodenlose Langeweile und Lawinen grundsätzlicher Lebensveränderungen innerhalb kürzester Zeit gaben sich die Klinke in die Hand. Durch all das hindurch stärkten wir einander den Rücken. Er kritisierte mich schonungslos, aber er war auch der Einzige, der mich wieder zum Lachen bringen konnte, wenn ich weinte. Bis heute wächst unser Vertrauen zueinander mit allem, was wir über den anderen lernen.

Dass sich unsere Wege ab hier logistisch trennen, hat etwas vom Schluss eines Kreises: Mein bester Freund war eigentlich schon vor fünf Jahren mit einem Bein aus der Tür Nordrhein-Westfalens getreten, als sein bereits damals geplanter Berlinumzug platzte. Er blieb. Und traf zeitgleich mich. Einen Freund wie ihn habe ich noch nie gehabt: Sein Humor ist pechschwarz und seine Art patzig, aber trotzdem charmant. Manchmal möchte ich ihn umarmen und ihm gleichzeitig eins auf die Nase geben. Aber egal, ob ich mich gerade über ihn ärgere oder freue; ich komme nie umhin, ihn trotzdem zu mögen.

Mein Alltag ohne ihn wird einsamer werden. Gerade verbringen wir möglichst viel Zeit miteinander, und sei es nur, dass wir beide im selben Raum an unseren Laptops arbeiten. Wir besuchen Partys von damals, die es immer noch gibt, und unterhalten uns so viel persönlich miteinander, wie es geht. Für die Zukunft erhoffe ich mir, dass alles, was wir uns vorgenommen haben, so auch klappen wird.

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