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GESELLSCHAFT

Weniger Belastung für Kinder durch Therapie für Eltern?

19.09.2018 16:14 - Britta Rybicki

Kinder von psychisch kranken Eltern leiden mit. Wie sich eine Psychotherapie der Eltern auf die Kinder auswirkt, will das Forschungsteam der Studie „Compare Family“ herausfinden. Neben den Hochschulambulanzen Bielefeld, Braunschweig, Gießen, Landau, Mainz und München beteiligt sich auch die Ruhr Universität Bochum (RUB).

„Insgesamt wollen wir in ganz Deutschland an insgesamt sieben Universitäten eine Stichprobe aus mindestens 600 Familien erheben“, sagt die Sprecherin des Forschungs- und Behandlungszentrums der RUB, Maike Küppers. Dadurch möchte man herausfinden, ob es auch den Kindern nützt, wenn man den Eltern eine Psychotherapie nach dem aktuellen Goldstandard anbietet. Goldstandard meint eine im gegebenen Fall bewährteste und beste Lösung in einem diagnostischen oder therapeutischen Verfahren. Neue Verfahren werden an diesem Standard gemessen.

Dafür suchen die Wissenschaftler*innen derzeit noch Teilnehmer*innen. Die einzige Bedingung: Die Lebensgemeinschaft muss aus mindestens einem Elternteil und einem (nicht leiblichen) Kind bestehen, das zwischen 1,5 und 6 Jahre alt ist. „Es geht schließlich hauptsächlich um das gemeinsame Leben und Umfeld“, sagt Küppers. Es reicht ebenfalls aus, wenn nur ein Elternteil teilnehmen möchte. Die Philipps-Universität Marburg übernimmt die Federführung. Gefördert wird die Studie vom Bundesforschungsministerium (BMBF).

Weitere Informationen zur Teilnahme

Informationen gibt es telefonisch unter 0234 32 28168 oder per Mail an compare-fbz@rub.de. Vor jeder möglichen Behandlung gibt es ein persönliches Telefongespräch, in dem beide Seiten die Möglichkeit haben, Rückfragen zu stellen.

Für die gesamte Studie sind drei Jahre eingeplant. „Die Zusammenarbeit mit einer Familie dauert so lange, wie auch ihre Therapie angemessen ist. Wobei die Krankenkassen uns dafür maximal 18 Monate Finanzierung zugesagt haben“, sagt Küppers. Diese wird zudem in drei Phasen eingeteilt. In der Diagnostik wird zunächst erhoben, wie sehr Eltern und Kinder belastet sind. Fachleute schätzen, dass etwa 25 Prozent aller Jugendlichen in Deutschland ein psychisch erkranktes Elternteil besitzen. Liegt eine Beeinträchtigung wirklich vor, wird der allgemeine Umgang mit psychischen Erkrankungen in der Familie erfragt und beobachtet. Um teilzunehmen reicht also erstmal die bloße Vermutung, dass eine Belastung vorliegt. Eine vorherige Diagnose durch dritte Psychotherapeut*innen ist dafür nicht erforderlich. Kann keine behandlungsbedürftige Diagnose festgestellt werden, vergibt die Krankenkasse keine Therapie, Teilnehmer*innen fallen dann wieder aus dem Programm heraus. „Trotzdem kümmern wir uns dann darum, wie man die Familien zum Beispiel mit anderen Angeboten wie Erziehungshilfen unterstützen können. Wir wollen niemanden unglücklich nach Hause schicken“, so Küppers

Nach einer kleinen Wartezeit, folgt die kognitive Verhaltenstherapie. „In der Pause wollen wir zusätzliche Entwicklungen abwarten.“ Die Hälfte der Familien bekommt zudem ein positives Elterntraining namens „Triple P“, wo ihnen zusätzliches Wissen und Fähigkeiten für einen besseren und schöneren Umgang mit Kindern vermittelt werden soll. Durch die Vergleichsgruppe möchte man auch hier die Effizienz ermitteln, da das Kursangebot bereits deutschlandweit kostenpflichtig angeboten wird. Betroffene erlernen dabei, wie sie ihre Kinder im Alltag trotzdem unterstützen, mit ihnen Probleme bewältigen und eher kurzfristige positive Zeitfenster intensiver nutzen können. Die Schwerpunkte dabei werden den Altersklassen angepasst.                      

Nach der Therapie wird der Zustand für den Vorher-Nachher-Vergleich erhoben. In einem sogenannten Follow Up – also sechs Monate später – gibt es dann die letzte Erhebung, die prüfen soll, ob langfristige Effekte erhalten bleiben.  

Ziel der Studie soll neben der Erkenntnis, dass Therapien Kinder wieder weniger belasten vor allem die Enttabuisierung von Krankheiten wie Depressionen, Angststörungen, Sucht oder Schizophrenie sein. „Oft wird in betroffenen Familien nicht über die Krankheit gesprochen. Kinder merken aber, dass etwas anders ist und geben sich selbst die Schuld daran“, sagt Küppers. Informationen über das Krankheitsbild können sie bereits entlasten. Wodurch außerdem die Risiken, dass Betroffene in der Schule versagen, stressverbunden erkranken oder unter anderen Verhaltensauffälligkeiten leiden, gesenkt werden können.

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