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GESELLSCHAFT

Was Spätakne mit der Seele macht

Akne verursacht nicht nur äußerlich Schmerzen. [Foto:pixabay]

23.01.2022 18:08 - Helena Wagner

Unsere Redakteurin leidet mit 21 Jahren an Spätakne. Diese Krankheit frisst nicht nur an ihrem Selbstwertgefühl, sondern auch ihr Umfeld reagiert darauf. Wie sehr sie es triggert, darauf angesprochen zu werden und was das mit der Psyche anstellt.

Eine Kolumne von Helena Wagner

„Sie haben aber schlimme Akne. Kommt das von der Maske oder ist das einfach so?“ Mir bleibt fast der Mund offenstehen. Ich sitze bei einem Bewerbungsgespräch und das ist der erste Satz, den meine vielleicht zukünftige Chefin nach der Begrüßung zu mir sagt. Es fühlt sich an, als würde ich auf dem Präsentierteller sitzen. Ich habe nicht damit gerechnet, von einer fremden Person so direkt auf mein Hautbild angesprochen zu werden, erst recht nicht im Rahmen eines Bewerbungsgesprächs. Ich reagiere mit einem schüchternen Lächeln und dem Kommentar „Ja, das kommt wohl von der Maske.“ Mir ist es unsagbar peinlich und ich schäme mich sofort. Als ich die Situation verlasse, fühlt sie sich wie ein Übergriff an.

Ich habe seit meiner Kindheit immer wieder mit Hautkrankheiten zu kämpfen. Als ich in der Pubertät war, bekam ich das erste Mal einen Akneschub. Damals wurde mir dagegen die Pille verschrieben, diese habe ich aber vor zwei Jahren absetzt. Seitdem habe ich immer wieder mit kleineren Unreinheiten zu tun, doch seit einem halben Jahr verschlimmert sich der Zustand meiner Haut immer mehr, die betroffenen Stellen werden größer und vor allem schmerzhafter. Was mit Pickelchen anfing, hat sich zu entzündeten und eiternden Pusteln und Zysten unter der Haut entwickelt. Es schmerzt bei jeder Bewegung.

„Wie siehst du denn aus?“

Seitdem merke ich wie ich langsam anfange zu überprüfen, ob mein Gegenüber mir in die Augen schaut oder meine Haut abscannt. Ich registriere, wie ich beim Sprechen oft die Hand vor meinen Mund und das Kinn halte, damit man nicht auf die betroffenen Hautstellen schauen kann. Ich habe aufgehört auf Dates zu gehen, weil es mir unangenehm ist, jemanden näher an mein Gesicht zu lassen als unbedingt nötig. Dass mich die Spätakne in meinem sozialen Leben so einschränkt, hätte ich niemals gedacht. Mit 21 nochmal so unsicher fühlen wie mit 13? Nein, danke.

Die vergangenen Feiertage waren eine besondere Tortur für mich. Ich habe Verwandte besucht, die mich lange nicht gesehen haben. Bei allen Besuchen kam in den ersten fünf Minuten ein Kommentar zu meiner Haut: „Wie siehst du denn aus? Früher war das aber nicht so schlimm!“ Ja, Tante, wie soll ich wohl aussehen? Als würde ich das nicht selbst wissen. Dem folgten meistens irgendwelche Tipps, weil es anscheinend alle besser wissen: „Hast du es schon mit mehr Wasser trinken versucht? Vielleicht isst du zu viel Zucker oder Milchprodukte! Oder hast du mal versucht, das Gesicht nur mit Wasser zu waschen?“ Solche Kommentare lösen bei mir innerliches Augenrollen aus, trotzdem treffen sie mich, weil mir jeder Kommentar zeigt, wie sehr Leute darauf achten.

Doch was solche Bemerkungen mit meiner Seele machen, haben die meisten nicht auf dem Schirm. Dabei ist Spätakne häufiger verbreitet, als man glauben mag. Der Mythos einer lupenreinen Haut, wie sie auf Social Media präsentiert wird, ist jedoch leider immer noch sehr präsent in den Köpfen, und das merke ich auch bei mir. Ich freue mich nicht darüber, wenn ich morgens aufwache und ich merke, dass die Creme vom Hautarzt etwas angeschlagen hat, weil man der betroffenen Haut immer noch ansieht, dass sie krank ist. Geduld ist wohl etwas, was man bei einer solchen Krankheit lernen muss. Dabei würde es mir reichen, morgens aufzuwachen und zu wissen, dass ich heute nicht zusätzlich von außen mit meiner Krankheit konfrontiert werde.

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