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GESELLSCHAFT

Beziehungsweise

„Warum seid ihr kein Paar?“: Freundschaft zwischen Frau und Mann

03.06.2019 13:06 - Lena Janßen

Ist eine rein platonische Freundschaft zwischen Frauen und Männern wirklich möglich? Oder kommt es automatisch zu einer sexuellen Anziehungskraft zwischen beiden Parteien? Mittlerweile gibt es einige Studien zu dieser Thematik und die Ergebnisse liefern keine rein eindeutige Antwort. Wir haben mit Tessa* gesprochen, die eine ganz eigene Meinung zu Freundschaften zwischen Männern und Frauen hat.

„Ich kann die Frage wirklich nicht mehr hören“, sagt Tessa*. Seit mittlerweile zehn Jahren ist sie mit Lukas befreundet: „Zehn Jahre sind wirklich eine lange Zeit, um sich immer wieder der Frage zu stellen, warum wir denn nur befreundet sind oder sich gegenüber Aussagen zu erklären, das wir ein absolutes Traumpaar wären“. Tessa und Lukas, beide 25, kennen sich schon aus der Kindergartenzeit. Allerdings entwickelte sich die enge Freundschaft erst auf einer Ferienfreizeit 2009. Seitdem sind die Beiden unzertrennlich.

Sie teilen denselben Humor und viele Interessen, verreisen gemeinsam und es vergeht kein Tag, an dem sie sich nicht über ihr Erlebtes austauschen. „Wenn ich etwas Lustiges, Schönes oder Trauriges erlebe, dann ist meist mein erster Impuls es Lukas zu erzählen“, sagt Tessa. „Er ist eben mein bester Freund.“ Doch immer wieder kommt es zu Situationen, in denen sie sich für ihre Freundschaft rechtfertigen müssen. Stellt sich die Frage: Können Frauen und Männer einfach nur befreundet sein oder ist dies ein Ding der Unmöglichkeit? Betrachtet man die Sache aus rein biologischer Perspektive, würde einer Freundschaft immer wieder der Sexualtrieb im Wege stehen.

Eine amerikanische Studie aus dem Jahr 2013 zeigt, das eine enge Freundschaft ein Techtelmechtel überleben kann. Ein Fünftel der in der Studie beobachteten Freundschaften zerbrachen nach Beendigung des sexuellen Kontaktes, 80 Prozent hingegen blieben bestehen. Die Hälfte der befragten Personen waren der Meinung, dass das Verhältnis sich danach sogar noch verbessert hätte und sie sich der Freundin oder dem Freund noch näher gefühlt hätten. Wiederum  empfinden es jedoch viele Frauen und Männer als unangenehm, wenn die Attraktivität des Gegenübers im Miteinander immer wieder in den Vordergrund rückt – auch wenn ein körperliches Verhältnis gar nicht zur Debatte steht.

Falsche Erwartungshaltungen

Alles Quatsch, findet Tessa: „Natürlich empfinde ich Lukas als einen schönen und attraktiven Menschen, weil ich ihn in und auswendig kenne. Doch meine Liebe zu ihm ist platonisch und Sex käme da niemals in Frage. Gerade das schätze ich so sehr an unserer Freundschaft. Und ich weiß, dass er das genauso sieht.“ Außerdem ärgert es sie, dass Menschen in ihrem sozialen Umfeld so oft betonen, dass sie nur mit Lukas befreundet sei. Für Tessa ist diese Freundschaft eine Bereicherung, eine Bindung auf die sie sehr stolz ist, so wie auf jede andere Freundschaft in ihrem Leben auch: „Wenn ich mit meiner besten Freundin viel Zeit verbringe, wir uns gut verstehen, in einem Bett schlafen, dann fragt mich niemand, warum wir noch kein Paar sind. Doch das könnte genauso gut passieren, wie zwischen Lukas und mir. Ich möchte da einfach keine Unterschiede machen, nur weil wir nicht vom gleichen Geschlecht sind.“

Es wird viel zu viel in Schubladen gedacht.

Es bestehen mit Sicherheit Freundschaften zwischen Frauen und Männern, in denen es mit der platonischen Liebe nicht klappt. Mittlerweile gibt es genügend Studien, die genau das zeigen. Doch die Freundschaft von Tessa und Lukas kann ein Beispiel dafür sein, dass es doch funktionieren kann: „Ich glaube, das ist vielleicht auch so ein von der Gesellschaft gemachtes Klischee. Es wird viel zu viel in Schubladen gedacht. Und es muss sich auch nicht immer direkt alles um Sex, Liebe und Partnerschaft drehen. Eine tolle, enge Freundschaft ist genauso viel Wert, wie eine romantische Beziehung“, meint Tessa. „Und ich möchte mir nicht absprechen lassen, selbst darüber zu entscheiden, wen ich mir als potenzielle*n Partner*in vorstellen kann und wen nicht. Klar scherzen wir manchmal, dass wir mit 35 heiraten, wenn wir bis dahin keine*n Partner*in gefunden haben. Doch viel lieber hätte ich ihn als meinen Trauzeugen und ein Leben lang als platonischen besten Freund an meiner Seite.“

*Namen von der Redaktion geändert
 

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