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Warum Podcasts schlimmer sind als endlose Insta-Storys

Auf Spotify tummeln sich Tausende Podcasts. [Foto: Jaqueline Brinkwirth]

06.02.2020 14:12 - Jacqueline Brinkwirth

Podcasts sind nichts weltverändernd Neues, haben aber in den letzten Jahren einen Hype erlebt. Jede*r halbwegs bekannte oder unbekannte Künstler*in „kreiert“, wie sie*er die Welt betrachtet oder was sie*er erlebt hat. Aber wieso eigentlich? Das fragt sich auch unsere Redakteurin Jacqueline und hat zusammengefasst, warum Podcasts für sie nur ein weiteres überschätztes Phänomen der Social-Media-Welt sind. 

Ein Kommentar von Jacqueline Brinkwirth

Ob Businessmenschen, Instagram-Models, Influencer*innen oder Martina Mustermann von Nebenan – gefühlt hat Jede*r, die*der sich in irgendeiner Funktion auf den verschiedenen Social-Media-Plattformen bewegt, mittlerweile einen Podcast. Die hörbaren Tagebücher müssen zwei Kriterien erfüllen: unterwegs auf einem mobilen Endgerät (damals iPod) abspielbar sein und als Video- oder Audiodatei ausgestrahlt (broadcasted) werden. Der Gestaltung des Inhalts sind keine Grenzen gesetzt. Die Freiheit, die dieses Format eröffnet, wurde in den Anfängen vor allem für Musiksendungen, zur Archivierung von Radio-und Fernsehsendungen oder von Zeitungen als Ergänzung zum Textangebot genutzt. Solche Podcasts existieren auch heute noch, werden aber zunehmend von Formaten verdrängt, die ausschließlich der Selbstdarstellung dienen. Betrachtet man die Podcast-Charts auf Spotify, sind unter den Top 5 ganze vier Sendungen, die lediglich Gespräche von Personen wie Jan Böhmermann, Felix Lobrecht und Charlotte Roche mit ihren jeweiligen Sendungspartner*innen aufzeichnen.

Den Unterhaltungswert bestimmt dann letztlich nur, wie witzig oder interessant der Inhalt verpackt wird, was allzu häufig damit gleichzusetzen ist, wie witzig oder interessant die Person ist, die gerade spricht. Denn wirklich informativ oder mit einem Aha-Effekt verbunden sind die allerwenigsten Podcasts. Ein weiterer Minuspunkt: Durch die Einfachheit des Mediums fühlen sich plötzlich unglaublich viele Menschen, die schon im Alltag nichts Wichtiges zu erzählen haben, dazu berufen, auch im Internet leere Phrasen zu verbreiten. Nun gut, sie tun das schließlich schon auf ihren Instagram-Profilen in Form endloser Storybeiträge. Warum dann nicht noch mehr Follower*innen mit sinnlosem Gelaber erreichen, indem man es in Audioform für die Nachwelt festhält? Zugegeben, Geschäftssinn kann ich solchen „Content Creators“ nicht absprechen. Aber ich kann träumen und mir für die Zukunft wünschen, dass einige Menschen die Grenzen ihres kreativen Talents irgendwann erkennen und aufhören, mir ihre Lebensrealität in Podcasts näher bringen zu wollen. 
 

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