Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

GESELLSCHAFT

Warum Konsumkritik den Klimawandel nicht aufhalten wird

Der Kampf gegen die Kohle ist auch einer gegen den Kapitalismus

und damit politisch wirksamer als jede Konsumkritik.

[Symbolfoto: Dennis Pesch]

01.07.2019 12:12 - Dennis Pesch

Die Menschheit ist für den derzeitigen Klimawandel verantwortlich. Die Lösung liegt aber nicht im persönlichen Verzicht und der Konsumkritik, denn die Produktionsverhältnisse, die den Klimawandel verursachen, werden sich dadurch nicht verändern, kommentiert akduell-Redakteur Dennis Pesch.

Ein Kommentar

Das Problem ist deutlich größer, als dass es mit ökologischer Ernährung, Fleisch- und Flugverzicht gelöst sei. Seit mehreren Monaten werden wir auf allen möglichen Kanälen mit Konsumkritik überschüttet. Penibel wird vorgerechnet wie groß der CO² Fußabdruck ist, den jede*r Einzelne hinterlässt. Der Aufruf lautet: Beugt euch der Logik des Marktes, der wird es schon regeln. Doch nicht der Konsum bestimmt wie der Kapitalismus funktioniert. Das bestimmt er selbst: Wo es Produktionsmittel und Reichtum anzuhäufen gibt, taucht er zwangsläufig irgendwann  auf und das gilt global.

Er produziert dabei permanent nur Ungerechtigkeiten, wie eben auch den Klimawandel. Natürlich kann man moralisch an den Einzelnen appellieren. Es ist aber keine politische Veränderung. Wer weniger Fleisch kauft, mag vielleicht ein reineres Gewissen haben. Das einzige Resultat daraus ist aber, dass dann noch mehr Fleisch weggeschmissen wird. Ein ähnliches Prinzip gilt beim Fliegen. Nur weil 10 000 Leute weniger in einige Flieger steigen, wird der Klimawandel nicht aufgehalten. Der Flieger hebt meistens trotzdem ab, weil der Kapitalismus es auch profitabel macht, wenn die Maschine nicht voll besetzt ist. Und das CO² wird trotzdem in die Atmosphäre geballert.

Studierendenwerk setzt auf Nachhaltigkeit

Das Einweggeschirr des Studiwerks besteht seit 2019 aus nachhaltigen und biologisch abbaubaren Materialien.
 

Wer den Kapitalismus versteht, weiß zudem, dass man sich Konsumkritik leisten können muss. Günstige Nahrungsmittel gibt es meistens in Plastik verpackt. Von Hartz IV-Empfänger*innen, alleinerziehenden Eltern, chronisch kranken Menschen oder in Altersarmut lebenden Reinigungskräften zu erwarten, dass sie nun im Unverpackt-Laden für Unsummen ihr Müsli kaufen, dass sie beim Discounter viel günstiger bekommen, zeigt, dass die Konsumkritiker*innen weder den Kapitalismus, noch seine Wirksamkeit auf den Klimawandel verstehen.

Prekäre Lebensbedingungen sind keine Randerscheinung des Kapitalismus, genauso wenig wie der Klimawandel. Wenn RWE über Jahrzehnte hunderte Milliarden Euro über den Abbau von fossilen Brennstoffen verdienen kann, obwohl wir nie so viel Strom benötigen, es aber trotzdem profitabel ist, dann liegt der Fehler im System. Nicht zuletzt passiert das auf Kosten der Menschen, die schon heute in anderen Teilen der Welt um ihre Lebensgrundlage fürchten. RWE stößt mit dem Abbau der Braunkohle Millionen Tonnen CO² aus, während Bewohner*innen der Fidschi-Inseln wegen des steigenden Meeresspiegels bereits weiter ins Landesinnere ziehen. Auch diesen Menschen hilft Konsumkritik nicht weiter. 

Wer den Klimawandel wirksam bekämpfen will, muss die Produktionsverhältnisse verändern und verstehen, dass die Lösung für ein gutes Leben für alle nicht im Kapitalismus liegen kann. Wenn die Produktionsmittel in wenigen Händen liegen, entscheiden sie, wie die Produktion möglichst viele Gewinne für sie abwirft. So lange es den Kapitalismus gibt, werden Menschen so entscheiden – und weil das günstiger sein wird als jede CO² Steuer teuer sein kann, werden sie genau das auf die Leute abwälzen, die ohnehin schon prekäre Lebensbedingungen haben. Das haben sie mit den Konsumkritiker*innen gemeinsam.
 

Fridays for Future in Duisburg: Schüler*innen übergeben Umweltschutzkonzepte

Schüler*innen fordern Lokalpolitiker*innen auf in Duisburg den Klimanotstand auszurufen.
 

3.200 Tonnen CO2 in einer Kleinstadt einsparen? Zwei UDE-Ingenieure haben da was entwickelt

Wir haben einen der Wissenschaftler interviewt und gefragt, wie man mit einer Abwasser-Wärmepumpe und einem Software-Agenten 3.200 Tonnen CO2 einsparen kann.
 

Extinction Rebellion jetzt auch in Duisburg und Essen

Extinction Rebellion sind nun auch in Essen und Duisburg mit je einer Ortsgruppe vertreten. Welche Forderungen die Umwelt-Bewegung stellt.
 
Konversation wird geladen