Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

GESELLSCHAFT

Warum ich mich nicht bei allen Menschen outen möchte

Pride-Veranstaltungen besucht unsere Redakteurin gerne. [Foto: privat]

08.05.2022 16:30 - Unbekannter Autor

Unsere Redakteurin ist lesbisch und bei den meisten Menschen in ihrem Umfeld geoutet. Doch es gibt Menschen, denen sie sich nicht öffnen möchte.

Outings hatte ich schon viele in meinem Leben. Angefangen als Teenagerin mit meinem inneren Coming-Out, also der Erkenntnis, dass ich lesbisch bin. Mit 16 outete ich mich in meinem Freund:innenkreis, der sehr unterstützend war. Kurz nach meinem 19. Geburtstag lernte ich meine erste Freundin kennen und stellte sie meinen zwei jüngeren Geschwistern vor, die positiv reagierten. Vor unseren Eltern hielten wir die Beziehung geheim, obwohl wir beide noch zuhause wohnten. Anfangs wurde so die Beziehung aufregender, aber nach einer Weile belastete mich die Situation.

Bei meiner Mutter outete ich mich drei Jahre nach meiner ersten Beziehung, die nur wenige Monate hielt. Es war mir wichtig, vorher auszuziehen, um bei einem Konflikt Abstand haben zu können. Als ich 2019 in der Weihnachtszeit bei meiner Familie zu Besuch war, war ich frisch verliebt und wollte mein Glück gerne mitteilen. Verstärkt wurde dieses Bedürfnis durch den Freund meiner Schwester, der an Feiertagen immer dabei war. Ich wollte, dass meine Freundin genauso dazugehört. Nach den Feiertagen setzte ich mich abends zu meiner Mutter ins Wohnzimmer und erzählte ihr von meiner Freundin. Sie war überrascht, aber verständnisvoll. Sie sagte mir, dass sich an ihrer Liebe zu mir nichts ändern würde. Mittlerweile ist meine Freundin ein gern gesehener Gast bei meiner Familie.

Trotz all dieser positiven Outing-Erfahrungen gibt es Menschen in meinem Umfeld, denen ich meine Sexualität nicht offenbaren möchte. Nicht, weil ich mich dafür schäme, sondern weil ich einem unnötigen Konflikt aus dem Weg gehen möchte. Ich habe zum Beispiel einen sehr konservativen Onkel, der schon bei meiner Kurzhaarfrisur empört war, da für ihn Frauen lange Haare haben sollten. Trotz seiner problematischen Einstellungen habe ich ihn lieb, er war immer für mich und meine Familie da. Mittlerweile sehe ich ihn etwa zwei- bis dreimal im Jahr, meist an Feiertagen wie Ostern oder Geburtstagen.

Ich gehe stark davon aus, dass er bei einem Outing negativ reagieren würde. In seinem Weltbild ist Homosexualität eine Sünde. Ich möchte nicht, dass sich das Verhältnis zwischen ihm und meiner Mutter verschlechtert. Auch auf Diskussionen über meine Sexualität habe ich keine Lust. Mir bleibt die Wahl, mich bei ihm zu outen und einen Konflikt in der ganzen Familie zu riskieren, oder an wenigen Tagen im Jahr etwas vorzuspielen. Auch wenn es mir nicht immer leicht fällt, wähle ich lieber die zweite Alternative. Bisher fühle ich mich dadurch nicht eingeschränkt. Ich laufe händchenhaltend mit meiner Freundin durch die Stadt und poste Bilder von der Pride auf meinem Instagram. Sollte mein Onkel über einen Zufall von meiner Homosexualität erfahren, wäre das okay für mich. Aber ich werde mich diesem Gespräch nicht aussetzen.

Wer zahlt beim ersten Date?

Getrennt oder zusammen? Wer sollte beim ersten Date die Rechnung übernehmen? Wir haben bei Studis nachgefragt.
 

„Gebt uns die Macht zurück“

Wurde das mittelalterliche Zepter der alten Universität Duisburg von der Uni Bonn geklaut? Ein UDE-Student fordert seine Rückgabe.
 

UDE-Professor forscht zu Haft und Sexualverhalten

An der UDE forscht ein neuer Professor zu den Zusammenhängen von Haft und Sexualverhalten.
 
Konversation wird geladen