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GESELLSCHAFT

Beziehungsweise

Warum Beziehungen viel öfter in Freundschaften enden sollten

27.06.2018 16:03 - Dennis Pesch

Das könnte euch bekannt vorkommen: Ihr habt seit einigen Jahren eine romantische Beziehung, es läuft gut – klar es gibt auch schlechte Phasen, aber das könnte der*die Partner*in fürs Leben sein. Falls dann doch früher oder später die Trennung folgt, hier ein Plädoyer, warum ihr auch nach dem Ende einer tollen Beziehung weiter befreundet bleiben solltet.

Mit meinen 28 Jahren habe ich mittlerweile dreieinhalb romantische Beziehungen hinter mir, von denen eine Person bis heute an meiner Seite ist. Ich freue mich darüber sehr viel mehr, weil wir als Freund*innen noch besser funktionieren, als wir es zur Zeit unserer Beziehung taten. Dass mir das nicht mit mehr meiner ehemaligen Partner*innen gelungen ist, bedauere ich, denn zu fast allen hatte ich einen wirklichen guten Draht. Sich zu unterhalten war genauso schön, wie Sex miteinander zu haben. Eine wohnte zu Beginn unserer Beziehung notgedrungen bei mir, wir teilten mein Zimmer, lernten uns kennen. Dann zog es sie allerdings ins Ausland. Ein harter Cut, den wir zwar über einige Monate überbrücken konnten, aber auch nur, weil wir uns regelmäßig besuchten.

Nie wieder Abhängigkeit

Wir bekamen anfangs heftige Streits in unserem Freund*innenkreis mit, die ihn schließlich auseinander rissen. Dadurch und weil sie durch ihre Wohnungslosigkeit direkt bei mir wohnte, hatten wir schon harte Zeiten durchgemacht, die andere vielleicht erst deutlich später erleben. Unsere Fernbeziehung und meine Depression, die aus einer Mixtur von gebrochenen Freundschaften, einer wichtigen Operation und meiner Arbeitslosigkeit entstanden war, machten unserer Beziehung zu schaffen. Ich trennte mich absurderweise, obwohl ich selbst noch verliebt war. Als sie dann aus dem Ausland zurückkam, war meine Hoffnung auf eine Rückkehr zu damals groß; ein Irrglaube. Wohl keiner anderen Partner*in trauerte ich solange hinterher. Ich war emotional maximal abhängig von ihr, mit meiner Depression.

Als ich dann nach über anderthalb Jahren endlich über die Beziehung hinweg war, gestaltete sich die Suche nach einer neuen Partner*innenschaft schwierig. Was wollte ich überhaupt? Erstens: Nie wieder so emotional abhängig sein. Und zweitens: Nie wieder in so ein tiefes Loch der Depression fallen. Auf beides hat man jedoch nur bedingt Einfluss, ein Job und tolle Freundschaften, gaben mir den nötigen Halt. Ich versuchte mich noch halbherzig daran, den Kontakt zu meiner Ex-Freundin aufrecht erhalten, aber eher wegen der Abhängigkeit als wegen der Freundschaft danach. Eine persönliche Erkenntnis nahm ich daraus mit, was Freundschaften nach Beziehungen angeht: Beide brauchen einen harten Cut, damit sie später überhaupt eine tiefe Freundschaft zueinander entwickeln können.

Ich verbarrikadierte ihr den Weg zu mir

Später stolperte ich irgendwann in meine nächste romantische Beziehung. Die Gefühle waren groß, die Charaktereigenschaften teilweise ähnlich. Während wir dem gleichen Beruf nachgingen, kam es grundsätzlich zu vielen gemeinsamen Aktivitäten, wir waren politisch auf einer Linie und hatten persönlich zuvor jeweils schwere Zeiten durchgemacht. Doch über die Monate machte sich bei mir etwas bemerkbar. Während sie sich mir fortlaufend öffnete, bildete ich eine Mauer um mich herum. Ich hatte Angst vor der emotionalen Abhängigkeit. Mein Leben musste ich in jedem Fall auch alleine geregelt bekommen, die zweite Lektion war schließlich: Nie wieder in so ein Loch der Depression fallen.

Es half nichts, beides verbarrikadierte mir den Weg zu ihr und zu mir selbst. Da merkte ich, dass es keine Automatismen gibt. Sich zu öffnen bedeutet nicht emotional abhängig zu sein, sich helfen zu lassen, unselbstständig sein zu müssen. Zu dieser Erkenntnis allerdings brachte mich nicht das Ende unserer Beziehung, sondern erst die Freundschaft danach. Erst kam der harte Cut, dann begannen wir über das, was wir gemeinsam erlebt hatten, zu reden. Es ergaben sich neue Blickwinkel, die Distanz zueinander half dabei ungemein. Ich konnte ein deutlich größeres Vertrauensverhältnis aufbauen als zuvor.
Der Sex, den wir miteinander hatten, war zu Beginn unserer Freundschaft noch präsent für mich. Mit der Zeit und normalen freundschaftlichem Körperkontakt, war das für mich auch nicht mehr ungewöhnlich. Einen Gedanken daran, wenn wir uns berühren, habe ich heute nicht mehr.

Unsere zwischenmenschliche Beziehung hat sich also weiterentwickelt. Durch unsere romantische Beziehung erkennen wir viele Anzeichen schon früh, wenn es es der jeweiligen Person schlecht oder gut geht. Mit der Freundschaft aber haben wir eine deutlich offenere Gesprächsgrundlage geschaffen. Kaum ein Mensch kennt mich aus so vielen Perspektiven und Erfahrungen. Das hilft mir selbst auch im Alltag, etwa wenn ich an mir zweifle oder Unterstützung suche. Wer also bereits eine tolle Beziehung hatte, sollte sich gut überlegen, ob es nicht den Versuch wert ist, später auch befreundet zu sein. Für mich ist es eine tolle Erfahrung, auch wenn eine sehr gute Freundschaft natürlich nicht weniger zeitintensiv ist.

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