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GESELLSCHAFT

Vonovia: Mieterhöhungen bis zur Verdrängung?

Bei der Versammlung gab es deutlichen Protest
gegen die Mieterhöhungen der Vonovia.
[Foto: Jacqueline Brinkwirth]
20.05.2019 13:23 - Jacqueline Brinkwirth

Die Vonovia SE ist der größte private Vermieter von Wohnungen in Deutschland. In der Öffentlichkeit gibt sich die Vonovia oft als soziales Wohnungsunternehmen, dem das Wohl seiner Mieter*innen besonders am Herzen liegt. Diese klagen nun allerdings vielerorts über Mieterhöhungen von bis zu 50 Prozent – und fordern die Vonovia durch öffentlichen Protest zum Handeln auf.

Die Vonovia SE, die 2001 als Deutsche Annington Immobilien GmbH gegründet wurde, ist mit über 450.000 eigenen und verwalteten Wohnungen nicht nur Deutschlands größtes Wohnungsunternehmen, sondern auch Deutschlands größter privater Vermieter. Rund einer Million Menschen bietet die Vonovia also ein Zuhause. Dabei gibt sich der Konzern in der Öffentlichkeit oft als soziales Unternehmen, das seine Mieter*innen als Kund*innen ernst nimmt und das innerhalb der Gesellschaft, durch Neubauprojekte und energieeffiziente Modernisierungen, Verantwortung übernimmt. Mieter*innen haben vielerorts allerdings eine ganz andere Erfahrung mit der Vonovia als Vermieter gemacht – und protestieren in der Öffentlichkeit gegen ungerechtfertigte Mieterhöhungen.

Die VoNO!via-Initiative

Bezahlbarer Wohnraum in Deutschland ist knapp. Weswegen die Vonovia durch großangelegte Neubauprojekte Wohnraum schaffen will. Ein netter Gedanke, denn besonders im Ruhrgebiet werden die Mieten immer teurer, obwohl die Nettoeinkünfte nicht im selben Maße steigen. Für Alleinerziehende, Rentner*innen, Familien und Studierende entwächst daraus häufig große Not. Wie soll man überleben, wenn allein die Miete schon über die Hälfte der Einkünfte verschlingt?

Mit energieeffizienten Renovierungen will die Vonovia den bestehenden Wohnraum ebenfalls attraktiver gestalten. In vielen Städten passiert das allerdings zum Leidwesen der Mieter*innen. Denn der Konzern darf Modernisierungskosten von bis zu elf Prozent auf die Mieten umlagern, das ist gesetzlich verankert. In Witten-Heven haben Mietende deswegen eine Initiative ins Leben gerufen, die den teils extremen Mieterhöhungen durch die Vonovia eine klare Absage erteilt. Bei der Mieter*innen-Versammlung am 15. Mai beschreibt Hans-Jochem Witzke, Vorsitzender des Deutschen Mieterbundes NRW, die Situation so: „Was hier geschieht ist jenseits aller Fairness. Und wir glauben auch, dass es manchmal außerhalb gesetzlicher Vorgaben geschieht.“

Schwerwiegende Vorwürfe

Die VoNO!via-Initiative wirft dem Konzern vor, die Mieten wie beispielsweise in Witten um bis zu 50 Prozent zu erhöhen. Zudem belaste die Vonovia zusätzlich mit jahrelangen Luxusmodernisierungen, Baulärm und Schmutz die Bewohner*innen enorm, berichten auf der Versammlung viele Mietende. „Es ist unglaublich, was der Herr Buch (Vorstandsvorsitzender der Vonovia, Anm. d. Red.) uns zumutet. Und das vor, während und nach den Bauarbeiten“, erzählt Mieterin Pia Runge. Auch sie kämpft seit einer Modernisierung gegen einen Mietaufschlag von fast 200 Euro.
2017 verdienten Menschen in Deutschland durchschnittlich rund 1615 Euro netto im Monat. Viele der Vonovia-Mieter*innen in Witten-Heven und anderen Ruhrgebietsstädten verdienen jedoch deutlich weniger – und werden durch extreme Mieterhöhungen dementsprechend besonders getroffen. „Mit den Erhöhungen, die anstehen, ist es klar, dass Viele dann draußen sein werden. Einige schränken jetzt schon ihre Lebenskosten ein, um die Miete überhaupt bezahlen zu können“, erklärt eine andere Mieterin dazu. Die Konsequenz daraus: Einkommensschwache Haushalte werden über kurz oder lang verdrängt.

Vonovia will Zugeständnisse machen

Doch was sagt der Konzern selbst zu den Vorwürfen, dass die Mieten außerhalb der gesetzlichen Vorgaben erhöht worden sein sollen? „Wir kennen unsere Verantwortung als Vermieter. Wir arbeiten daran, unseren Kunden mögliche Ängste zu nehmen, zuzuhören und nach gemeinsamen Lösungen suchen. Und wir möchten, dass unsere Mieter bei uns wohnen bleiben können“, argumentiert Pressesprecherin Bettina Benner. Im Fall Witten-Heven sei der Konzern im engen Dialog mit allen Mieter*innen und Verbänden: „Uns geht es vor allem darum, für Mieter, die soziale Härte geltend machen, eine gute Lösung zu finden. So auch bei dieser Modernisierungsmaßnahme.“

Die Vonovia zeigt sich bemüht, den Protesten und öffentlichen Anklagen entgegenzuwirken und Zugeständnisse zu machen: „Unsere Zusagen halten wir ein. Und auch bei der Ausgestaltung der Modernisierung waren wir in der Vergangenheit kompromissbereit.“ Für die Mieter*innen in Witten-Heven und andernorts ist das gewiss eine gute Nachricht. Ob das ausreicht, um langfristig bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, bleibt jedoch abzuwarten.

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