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GESELLSCHAFT

Von romantischer zu platonischer Liebe

Tiefes Vertrauen muss nach einer Trennung nicht verschwinden.

[Foto: pixabay]

18.11.2021 10:08 - Helena Wagner

Wenn eine romantische Beziehung in die Brüche geht, zerbricht oft auch die enge Bindung. Wie es ist, wenn das Band zwischen zwei Ex-Partner:innen nicht abreißt, sondern zu einer platonischen Freundschaft wird, lest ihr in unserem Beziehungsweise.

Eine Kolumne von Helena Wagner

Es war eine typische Teenie-Romanze. Wir kannten uns durch die Schule. Ich war 16, er 17. An einem gemeinsamen Abend bei Freund:innen hat es Klick gemacht, Wochen danach wurden wir ein Paar. Die Beziehung hielt nicht lange, gerade mal einen Sommer. Doch es dauerte keine zwei Monate, da trafen wir uns auf einer Party wieder: Nach der Feier waren wir erneut ein Paar. Es war eine On-Off Beziehung, wie sie im Buche steht.

Auch nach der letzten Trennung kamen wir nicht voneinander los. Zu groß waren die Gefühle  zwischen uns. Er verstand mich wie kein anderer, kannte alle Seiten von mir. Und das gleiche galt für mich. Trotz der Trennung rief er immer zuerst mich an, wenn er Sorgen hatte. Wir wussten, dass wir trotz unserer Historie immer auf den anderen zählen konnten. Doch trotz der verletzten Gefühle hatten wir nicht verlernt, miteinander zu lachen.

Ich konnte die Uhr danach stellen: Spätestens alle drei Monate meldete sich der eine beim anderen um zu erfragen, wie es denn so läuft. Meistens verabredeten wir uns, um zu quatschen, doch die Gefühle füreinander waren noch so präsent, dass wir uns doch wieder näher kamen. Das Gespräch danach: „Was war das gerade und wie gehen wir damit um?“ ging meistens immer gleich aus: „Ich mag dich sehr und ich liebe es, bei dir zu sein. Ich kann dir in einer Beziehung aber nicht das geben, was du brauchst.“ Wir versuchten es mehrmals mit einer zwanglosen Freundschaft Plus, auf die ich mich ehrlicherweise jedes Mal nur in der Hoffnung einließ, wir würden wieder zusammenkommen. Doch diese Hoffnung war jedes Mal umsonst, und im Nachhinein ist das gut so.

Der Kontakt riss nie ganz ab

Als ich dann einen neuen Partner fand und länger mit diesem in einer Beziehung war, brach der Kontakt zwar nicht ganz ab, wurde aber weniger. Wir sahen uns weiterhin auf Feiern, nur hatte ich meinen neuen Partner dabei. Als es mit diesem aus war, dauerte es keine Woche, bis ich eine Nachricht von meinem Ex auf dem Display hatte. Wir trafen uns noch am selben Abend und redeten wie in alten Zeiten, wir lachten viel. An dem Abend ist zwischen uns nichts passiert, ich genoss einfach seine Gesellschaft und merkte, wie es mir gefehlt hatte, mich mit ihm auszutauschen.

Dieses Hin und Her erstreckte sich über vier Jahre. Jedes Mal ging das Hamsterrad wieder von vorne los: Den Kontakt suchen, Sex haben, sich emotional wieder näherkommen, und dann aus Angst wieder verletzt zu werden, die Flucht ergreifen. Irgendwann machte mich das ganze so sauer, dass ich den Kontakt ein halbes Jahr lang ganz abbrach. Ich wusste, dass mir das Auf und Ab nicht guttat, doch gleichzeitig vermisste ich ihn. Und damit meine ich nicht „Vermissen“ auf eine Art, wie man einen Ex-Geliebten vermisst, sondern wie einen Freund.

Keine romantischen Gefühle, sondern Freundschaft

Nach einer längeren Funkstille klingelte mein Handy, er rief mich aus dem Nichts an. Ich ging nach anfänglichem zögern ran und wusste sofort, dass es ernst ist. 20 Minuten später stand ich vor seiner Tür und tröstete ihn. An diesem Abend brachte er mir viel Vertrauen entgegen, erzählte mir persönliche Dinge. Als ich ihn fragte, warum er denn nicht seinen besten Freund angerufen hatte, antwortete er: „Ich weiß, dass du mich verstehst. Du kennst mich besser als jeder andere, und ich weiß, dass ich bei dir offen zeigen kann, was mich bedrückt.“

Und da machte es Klick. Dass er mich als so enge Vertrauensperson wahrnahm, war mir neu. Dieser Abend war geprägt von intensiven Gesprächen, und als ich nach Hause ging, fühlte ich mich reicher. Reicher um eine neue, alte, enge Freundschaft. Der Gedanke an eine romantische Beziehung war ab diesem Abend kein Thema mehr für uns. Nicht, weil wir uns schämten, einen solch intimen Moment miteinander geteilt und einen Seelen-Strip vor dem jeweils anderen hingelegt zu haben. Sondern weil wir nach vier langen Jahren endlich begriffen haben, dass das, was uns verbindet, keine romantischen Gefühle sind, sondern Freundschaft.

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