Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

GESELLSCHAFT

Verwarngelder für Obdachlose

(Foto: dap)

26.11.2018 17:35 - David Peters


 

Im sozialdemokratisch regierten Dortmund hat man für obdachlose Menschen etwas übrig:  Knöllchen. 20 Euro oder mehr sollen diese für das Campieren oder Übernachten in der Öffentlichkeit zahlen. 

Ein Kommentar von David Peters

Wenn ein obdachloser Mensch in diesen Tagen auf der Straße schlafen muss, dann ist das ganz gewiss keine angenehme Situation und auch nichts, was er oder sie freiwillig tun würde. Diese Problematik hat wohl auch die Stadt Dortmund erkannt. Wer jetzt aber mit einer Förderung von Hilfsangeboten oder ähnlichem rechnet, irrt sich. In Dortmund herrschen nämlich noch gute deutsche Tugenden: Sauberkeit, Sicherheit, Recht und Ordnung. Da passen Menschen, die mit ihren drei Sachen auf der Straße leben nicht ins Bild.

In einer ordnungsbehördlichen Verordnung von 2013 gibt es einen Paragraphen, der das „lagern, campieren und übernachten“ auf Straßen und Plätzen verbietet. Also schnell die Damen und Herren vom Ordnungsamt losgeschickt, damit diese Knöllchen an Obdachlose verteilen. Und in der Stadtkasse lässt sich auch noch das ein oder andere Loch stopfen. Super Idee, was soll da schon schiefgehen? 

Anscheinend hat nur niemand darüber nachgedacht, dass Menschen, die obdachlos sind, eben nirgendwo anders schlafen können. Überraschenderweise hängt das oft auch mit einer eher bescheidenen finanziellen Situation zusammen. Die Notschlafstellen sind eben nur Notschlafstellen und ihre Anzahl ohnehin recht begrenzt. Für Menschen mit Hunden oder anderen Tieren tritt hier ein weiteres Problem auf: Diese dürfen nicht mit in die Schlafstelle genommen werden.Für viele ist der Hund der einzige feste soziale Kontakt im Leben.

Und wovon sollen diese Menschen überhaupt diese Strafe bezahlen? „Nicht mein Problem“, muss sich da wohl jemand in der Stadtverwaltung gedacht haben, anders ist dieser herzlose Fehlschuss nicht zu erklären. Wer nicht zahlen kann, der muss in Deutschland eine Ersatzfreiheitstrafe antreten. Recht und Ordnung sind halt wichtiger als komplizierte Lösungen, wie nachhaltige Hilfsangebote oder mehr Sozialarbeit, die nicht von Ehrenamtlichen getragen wird, sondern ausfinanziert ist. Ach ja: Auch in anderen Städten gibt es eine Verordnung, die „lagern und campieren“ verbietet. Nur gibt es dort zumindest keine Verwarngelder.

 

 

Anmerkung der Redaktion: Am 27. November 2018 (nach Redaktionsschluss) hat die Stadt Dortmund bekanntgegeben, vorerst keine Knöllchen mehr auszustellen.

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