Studentische Monatszeitung für Duisburg, Essen und das Ruhrgebiet

GESELLSCHAFT

Urlaub nach Bedürfnis statt Katalog

02.06.2018 18:38 - Julia Segantini

Eine Woche im All-Inclusive-Strandhotel auf Mallorca. Auf dem Buffet weit und breit keine vegetarischen oder veganen Speisen, kein Aufzug für den Rollstuhl und für die Natur oder lokale Bevölkerung interessiert sich auch niemand. Eine Alternative dazu bieten diverse Reiseanbieter*innen. Was sie von herkömmlichen Angeboten unterscheidet, haben sie der akduell erklärt.

„Menschen mit Behinderung haben die gleichen Rechte wie Menschen ohne Einschränkung, auch beim Reisen“, findet Hanna Ursin, Geschäftsführerin von BSK-Reisen. Dass es BSK-Reisen überhaupt gibt, liegt daran, dass Zugänge und Beteiligung an Normen orientiert sind, die nicht alle Menschen einbeziehen. Kaum barrierefreie Eingänge, fehlende Gebärden- oder einfache Sprache, keine Toiletten – der Zugang zu Gesellschaft ist nicht für alle immer möglich.

Rollstuhlfahrer ist nicht gleich Rollstuhlfahrer, jeder hat andere Bedürfnisse.

Das Unternehmen organisiert barrierefreien Urlaub. Das größte Problem sieht Ursin in der Unwissenheit innerhalb der Branche. „Auch in der heutigen Ausbildung wird nicht daran gedacht, dass diese Menschen überhaupt eine Zielgruppe darstellen“, bemängelt sie. Bei der Organisation sei vieles zu beachten. Einige Regionen würden sich besser anbieten als andere. So zählten Skandinavien und die USA aufgrund ihres selbstverständlicheren Umgangs mit gehandicapten Menschen und entsprechender Infrastruktur zu den beliebtesten Zielen, so Ursin.

„Das Wichtigste ist, dass wir im Detail erfahren, was die Kunden brauchen und sich wünschen. Rollstuhlfahrer ist nicht gleich Rollstuhlfahrer, jeder hat andere Bedürfnisse“, erklärt sie. Zum Service gehört die Organisation des Fluges, des Transfers, Hilfe am Start- und Zielflughafen und das Hotelzimmer. Je nach Art der Behinderung könne barrierefreies Reisen auch teurer werden. „Was viele aber nicht wissen: Gelder für Begleitpersonen können oft über Behinderungsbelege teil- oder vollrückerstattet werden, das muss man nur frühzeitig mit der Pflegekasse klären“, erklärt sie.

Nachhaltig in den Urlaub

Beim Unternehmen Reisen mit Sinnen steht die ökologische Lebensweise und damit der respektvolle Umgang mit der Umwelt im Vordergrund. „Wir bemühen uns, unsere Reisen so nachhaltig wie möglich zu gestalten”, erklärt Geschäftsführer Kai Pardon. Dabei spielt auch das Essen eine große Rolle: „Die vegane Lebensweise unterstützt den ökologischen Gedanken, da sie weitaus weniger Emissionen verursacht als die Ernährung mit tierischen Produkten.“

Viele Reiseanbieter*innen hätten das bisher nicht begriffen. „Langfristig würden wir uns wünschen, dass das Veggie-Angebot und die Erkenntnis, was alles möglich ist, auch zu einem Umdenken in breiten Bevölkerungsschichten führt“, so Pardon. Bisher seien vegane Reisen teurer als der konventionelle Urlaub, da sie mit mehr Aufwand am Urlaubsziel verbunden seien und die Unterkünfte teurer seien, bemängelt Pardon.

„Eine Reise sollte nicht zu Lasten der Natur oder der Bevölkerung vor Ort gehen“, findet auch Anne Fischer vom Forum Anders Reisen, bei dem ebenfalls die Nachhaltigkeit im Vordergrund steht. Die Mitglieder des Forums verpflichten sich zur Einhaltung eines umfassenden Kriterienkatalogs für umwelt- und sozialverträgliches Reisen. Er bildet die Basis und stellt die Leitlinie für das politische Handeln dar. Diese Ideale werden im Kriterienkatalog in konkrete, praktische Inhalte übersetzt, sodass Kompromisse aus diesen Ansprüchen und der praktischen Machbarkeit möglich werden. Nachhaltiger Urlaub sei nicht zwingend teurer, so Fischer. „Eine nachhaltige Reise kann preistechnisch durchaus mit einer ‚gewöhnlichen‘ Reise mithalten“, versichert sie. Problematisch sei, dass viele Reiseangebote die „typischen“ Reiseorte ansteuerten, die unter der enormen Anzahl von Urlauber*innen jeden Tag litten. Das Forum bietet daher Ziele abseits der touristischen Orte an, sodass das Hinterland einer Region und touristenarme Orte entdeckt werden können. Zum Beispiel können Reisende die nepalesische Berglandschaft erforschen oder die Cook-Inseln in der Südsee mit eigenen Augen sehen .

Allein in den Urlaub als Frau

Trouvelle offeriert Angebote speziell für Frauen. Das heißt zunächst: sichere Unterkünfte. Denn alleinreisende Frauen oder Frauen, die in Gruppen reisen, sind nach wie vor mit der Gefahr von sexualisierter Gewalt und Übergriffen vorwiegend durch Männer konfrontiert. Trouvelle testet alle Unterkünfte auf Sicherheit und Privatsphäre und gibt Tipps, welche Orte in der Umgebung nicht sicher sein könnten. Im Urlaub ein Plus, das andere Unternehmen nicht bieten. „So ermutigen wir mehr Frauen, auch mal alleine zu reisen und sich nicht von anderen abhängig zu machen, wenn es um die schönste Zeit des Jahres geht.“, erklärt Hesse.

Es tut den meisten Frauen gut, hin und wieder alleine zu Reisen.

„Es tut den meisten Frauen gut, hin und wieder alleine zu Reisen – egal, ob als Single oder in einer Beziehung. Diese Me-Time reißt einen mehr aus dem Alltag als eine Reise mit Freunden oder dem Partner. Entsprechend hat es erfahrungsgemäß einen positiven Effekt auf das Selbstbewusstsein“, meint sie. Deshalb geht es nicht nur um Sicherheit, sondern auch um ein interessantes Programm und Kontaktmöglichkeiten. Also, ob die Unterkunft von weiteren Alleinreisenden angesteuert wird, mit denen man Zeit verbringen kann.

Das Angebot richte sich bisher zwar nicht explizit an non-binary oder Transgender Menschen, schließe diese jedoch eindeutig nicht aus. Zur Zeit befindet sich das Portal noch am Anfang, wird nebenberuflich betrieben und vollständig privat finanziert. Jede Frau, die das möchte, ist dazu eingeladen, ihre Erfahrungen als Alleinreisende mit dem Portal zu teilen, um so das Angebot zu verbessern.

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