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GESELLSCHAFT

Update: Ein schlechter Aprilscherz

Was nun? [Foto:Lena Janßen]

31.07.2020 15:22 - Lena Janßen

Anfang April bekam unsere Redakteurin Lena den Bescheid ihrer Krankenkasse: Der erneute Antrag auf Kostenübernahme von Therapie wurde abgelehnt. Daraufhin legte sie Widerspruch ein. Ein Update darüber, was seitdem passiert ist. 

Ein Kommentar von Lena Janßen

Nachdem ich den Widerspruch bei der Krankenkasse eingereicht hatte, bekam ich ein Schreiben, dass der Antrag von einem zweiten Gutachter geprüft und meine Therapeutin für weitere Informationen angefragt werden würde. Seitdem sind einige Wochen vergangen, in denen ich angespannt war. Werde ich mit meinem Widerspruch Erfolg haben oder wird auch dieser abgelehnt? Jeden Tag checkte ich meinen Briefkasten in der Erwartung, endlich eine Antwort zu erhalten.

Vor zwei Wochen bekam ich dann meine Antwort: Auch der Widerspruch wurde abgelehnt. Bis zu diesem Tag war meine Hoffnung auf Bewilligung noch so präsent, dass der Gedanke an eine Ablehnung in den Hintergrund gerückt war. Somit traf mich der Inhalt des Schreibens mit voller Wucht. Einige Tage später traf ich meine Therapeutin und auch sie konnte nicht verstehen, warum die beiden Gutachter so entschieden hatten. Vor allem einer der angegebenen Gründe war für uns Beide nicht nachvollziehbar: Der zweite Gutachter unterstellte anhand der von meiner Therapeutin eingereichten Unterlagen, dass zwischen ihr und mir ein Abhängigkeitsverhältnis entstanden wäre. Gemeinsam reflektieren wir diese Unterstellung und kamen zu dem Ergebnis, dass wir diese Aussage für falsch halten. 

Seit drei Jahren bin ich bei ihr in Behandlung und natürlich ist ein Vertrauensverhältnis entstanden. Sie hat großen Anteil daran, dass ich mit meiner Erkrankung im Alltag zurecht komme. Doch stünde ich in Abhängigkeit zu ihr, dann wäre ich nicht daran interessiert in der Therapie Fortschritte zu machen. Mit der Ablehnung weiterer Stunden werden mir diese Fortschritte nun verwehrt. Ich werde aus einem Prozess herausgerissen, verliere ungeplant einen wichtigen Bezugspunkt und dazu bin ich nicht bereit. Allein aufgrund zweier Menschen, die darüber urteilen, ohne mich und mein Leben mit einer psychischen Erkrankung zu kennen. Das zeigt einmal mehr wie wenig das Gesundheitssystem auf die Bedürfnisse von Menschen mit psychischer Erkrankung ausgelegt ist. Ich fühle mich nicht ernst und nicht wahrgenommen. 

Letzten Endes haben meine Therapeutin und ich uns gegen eine Klage vor dem Sozialgericht entschieden, um Kräfte zu sparen und im Zweifelsfall nicht auf entstandenen Verfahrenskosten sitzen zu bleiben. Denn das könnte ich mir nicht leisten. Neue Therapiestunden kann ich erst in zwei Jahren wieder beantragen. Das ist gesetzlich so festgelegt. Wie es weitergeht und ob es eine Möglichkeit für mich gibt, meine Therapeutin weiterhin zu sehen, steht in den Sternen. Was zurück bleibt ist Wut und Unverständnis gegenüber einem System, dass keine Rücksicht nimmt und Mauern errichtet, wo keine hingehören. Menschen mit psychischen Erkrankungen sollten all ihre Kraft in ihre Gesundheit stecken können, statt sich gegen solche Widerstände auflehnen zu müssen. Denn der Kampf gegen diese Erkrankungen ist schwierig genug.
 

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