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GESELLSCHAFT

Under Pressure

Im Moment möchte unsere Redakteurin noch keine Kinder. [Foto: Lena Janßen]
30.03.2021 14:03 - Lena Janßen

Als Teenagerin hatte Redakteurin Lena eine konkrete Vorstellung von ihrem Leben. Ihr jetziges Leben hat mit dieser Vorstellung nichts mehr zu tun und damit ist sie zufrieden. Warum sie trotzdem manchmal unter Druck gerät, erfahrt ihr in ihrer Kolumne.

Eine Kolumne von Lena Janßen

Als ich 15 Jahre alt war, hatte ich einen genauen Plan, wie mein Leben mit 26 Jahren aussehen würde. Ich wollte verheiratet sein, mit meinem Partner in einem Haus leben, wir würden einen Hund adoptieren und das erste Kind wäre auf dem Weg. Ich komme aus einer dörflichen Gegend, in der ich dieses klassische Muster von Familie vorgelebt bekam. Obwohl oder gerade weil ich ab meinem neunten Lebensjahr als Scheidungskind aufwuchs, war dieser Wunsch nach einer intakten Familie sehr ausgeprägt. Ich machte mir wenige Gedanken darüber, ob ich Karriere machen möchte und ob dieser Karrierewunsch gegebenenfalls mit meiner Familienplanung kollidieren würde. Nichts konnte an meiner Vorstellung von meinem Leben als 26-Jährige rütteln. 

Je älter ich wurde, desto gegensätzlicher entwickelte sich mein Leben. Mit 19 zog ich aus meinem Elternhaus aus und verließ im Zuge dessen auch meinen Heimatort. Ich begann in Bonn zu studieren und lernte viele unterschiedliche Menschen mit den verschiedensten Lebensvorstellungen und Werten kennen – beides hat meine damalige Zukunft bis zum heutigen Zeitpunkt geprägt. Der Wunsch alsbald eine Familie zu gründen verschob sich. Mir wurde es wichtiger herauszufinden, wer ich bin und womit ich wirklich glücklich werde. Ich begann mich für Feminismus zu interessieren und konnte mich immer weniger mit dem klassischen Bild von Familie und Frau* identifizieren. Ich wollte herausfinden, wohin mich meine berufliche Zukunft führen würde und wie ich damit erfolgreich werden würde. Eine ganze Zeit lang war sogar mein Kinderwunsch für mich nicht mehr spürbar.

Der Knackpunkt der Geschichte

Mittlerweile bin ich 27 Jahre alt. Ich bin nicht verheiratet, habe keine Kinder, keinen Hund und lebe in einer 33-Quadratmeter-Wohnung im Herzen Duisburgs. Ich bin nicht enttäuscht, weil die Pläne meines 15-jährigen Ichs nicht aufgegangen sind. Im Prinzip bin ich zufrieden mit meinem Leben und wie es sich entwickelt hat. Einen Knackpunkt hat diese Geschichte allerdings: Meine Freund:innen aus der Heimat – viele von ihnen begleiten mich seit frühster Kindheit – leben genau das Leben, das die 15-jährige Lena sich damals erträumt hat. Sie haben bereits geheiratet, Häuser gekauft, stehen mit beiden Beinen im Berufsleben und haben Kinder bekommen. Ich würde sie dafür niemals verurteilen, denn es gibt kaum etwas Schöneres für mich, als meine Freund:innen glücklich und ihre Kinder aufwachsen zu sehen.

Doch manchmal meldet sich eine Stimme in meinem Kopf, die mir sagt: „Und? Wann ist es bei dir soweit? Jünger wirst du nicht mehr.“ Dann verspüre ich einen Druck, der leichte Panik bei mir auslöst. Bin ich normal? Habe ich etwas falsch gemacht? Warum bin ich noch nicht verheiratet und habe Kinder in die Welt gesetzt?

Wenn solche Gedanken aufkommen, dann muss ich mir beruhigend zusprechen. Mein Leben hat sich in eine andere Richtung entwickelt als in die Richtung, die ich mir als Teenagerin ausgemalt habe. Äußere Einflüsse haben sich verändert und ich habe mich verändert. Das ist okay! Ich muss keiner Vorstellung von außen entsprechen. Ich muss das tun, was mich glücklich macht. Im Laufe der Jahre ist Familienplanung für mich in den Hintergrund gerückt und zu einem anderen Zeitpunkt kann sie wieder in den Vordergrund rücken. Das eine Lebensmodell schließt das andere nicht aus. Solange erfreue ich mich an den lang bestehenden Freund:innenschaften, den vielen Hochzeiten und vor allem an den süßen Babys.
 

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